1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

Kunstwerk von Ralf Werner am Busbahnhof Saarbrücken

Kunst im öffentlichen Raum am Busbahnhof : "Von hier nach dort" am Busbahnhof

Es gibt Kunst, für die muss man nicht ins Museum. Man kann sie einfach so, im Vorbeigehen genießen. Vielleicht auch zu Beginn einer Reise? Am Saarbrücker Busbahnhof zum Beispiel.

Der Fernbusbahnhof in der Saarbrücker Dudweilerstraße ist nicht gerade ein gemütlicher Ort. Gelegen zwischen Parkplätzen und Bahndamm, versprüht der Ort weder Charme, noch Flair. Dessen war man sich auch im Saarbrücker Stadtrat bewusst. Daher wurde im Jahr 2017 ein Wettbewerb ausgelobt, um mit einem Kunstwerk den Busbahnhof aufzuwerten, wozu es eine reich bebilderte Broschüre gibt.

Von den teilnehmenden Kunstschaffenden wurde ein künstlerisch-gestalterisches Konzept erwartet, das einen räumlichen Entwurf für den Ort enthält, bei dem die Situation des Reisens, aber auch die Lage in der Stadt und die verschiedenen Richtungen der Reisenden thematisiert werden soll. Dabei durfte ausdrücklich auch das Gebäude an der Ein- und Ausfahrt genutzt werden. Außerdem sollte das Konzept flexibel sein, um auf eine sich verändernde Stadtplanung reagieren zu können.

Acht Kunstschaffende und zwei Künstlerpaare haben daraufhin ihre Ideen eingereicht, darunter auch Leslie Huppert, Patrick Jungfleisch oder Daniel Hahn (Raks). In einer zweiten Wettbewerbsphase hat die Kunstkommission der Landeshauptstadt Saarbrücken nur noch fünf Entwürfe zugelassen, die Ende Juni 2017 in der Stadtgalerie Saarbrücken präsentiert wurden.

Die Entscheidung der Jury fiel mehrheitlich ohne Gegenstimme auf den Entwurf „VON HIER/NACH DORT“ von Ralf Werner. Ralf Werner studierte Freie Kunst und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf und ist seit 2009 Professor für Bildnerische Grundlagen an der Hochschule der Bildenden Künste Saar.

Sein Konzept ist eine zweiteilige Schriftskulptur aus verzinktem Stahl, eine angebracht auf dem Dach des Ein- und Ausfahrtsgebäudes, die andere gegenüber auf einer Rahmenkonstruktion. Zu lesen ist „von hier“, sowie „nach dort“.

Jedoch besteht die Schrift nicht aus „normalen“ Buchstaben, sondern sie ist aus dreidimensionalen Schriftkörpern ausgeführt, die paarweise angebracht wurden. Die Schriften wurden so montiert, dass aus bestimmten Betrachtungswinkeln, abhängig vom Standpunkt, einmal „von hier“, ein anderes Mal „nach dort“ lesbar ist. Die wechselnden Blickwinkel ermöglichen dementsprechend unterschiedliche Lesarten.

Das Besondere an dieser Schriftskulptur ist, dass man nur von zwei Punkten aus die Schriften exakt entziffern kann, meist sehen die Betrachter keinen eindeutigen Schriftzug, sondern die ungewöhnlichen Übergänge der Schriftskulptur. Da fühlt man sich schnell an Ortsnamen in einer fremden Sprache erinnert.

 Am Ausfahrtshäuschen geht es „nach dort“.
Am Ausfahrtshäuschen geht es „nach dort“. Foto: Iris Maria Maurer

Die Jury lobte die Schriftskulptur als „ebenso einfaches wie komplexes Wortspiel, das alle Facetten von Reisen, Weggehen und Wiederkehren überzeugend künstlerisch umsetzt“. Im Jahr 2018 wurde die spannende und auch spielerisch anmutende Schriftskulptur „VON HIER/NACH DORT“ auf dem Busbahnhof aufgebaut. Ob es ihr gelingt, den Ort aufzuwerten und freundlicher erscheinen zu lassen, müssen jedoch die Reisenden entscheiden, die sich dort aufhalten.