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Corona-Impfung: Mehr Betrügerei durch Vordrängler auch im Saarland

Ruf nach härteren Strafen : Mehr Impf-Betrügerei auch im Saarland

Um einen vorzeitigen Corona-Schutz zu erhalten, geben sich Vordrängler vermehrt als Pflegeperson aus.

Viele Corona-Impfzentren klagen nach einem Medienbericht über Aggressivität von Impfwilligen und zunehmende Versuche, sich mit falschen Angaben eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Die SWR-Sendung „Report Mainz“ berichtete von mehreren tausend Fällen. Allein das Hamburger Impfzentrum meldete demnach zuletzt sogar 2000 Vordrängler in einer Woche. Um vorzeitig an einen Impftermin zu kommen, würden etwa falsche Alters- oder Berufsangaben gemacht. In Saarbrücken würden bis zu 140 Vordrängler in einer Woche erwischt. „Report Mainz“ hatte bei den Impfzentren der Landeshauptstädte nachgefragt, allerdings erfassen nicht alle konkrete Zahlen.

Der Leiter des Neunkircher Impfzentrums, Dr. Dirk Jesinghaus, hält die Zahlen für in Wirklichkeit deutlich höher. Gerade die Fälle, in denen Impfwillige sich zu Unrecht als impfberechtigte Kontaktperson für eine pflegebedürftige Person ausgeben, würden deutlich zunehmen. Dieser Eindruck werde von allen saarländischen Impfzentren geteilt – auch wenn es dazu keine belastbaren Zahlen gebe. Laut Jesinghaus könne man viele Betrüger auffliegen lassen. Allerdings: „Das Entlarven kostet uns sehr viel Zeit und Diskussionen.“ Jesinghaus appellierte, den Kranken und Gefährdeten nicht durch Vordrängeln den Schutz wegzunehmen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte Strafen für Impf-Drängler: „Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen“, sagte er. „Sich beim Impfen vorzudrängen, ist weiterhin keine Ordnungswidrigkeit.“

In den saarländischen Hausarztpraxen ist das Problem mit Impfdränglern nach Auskunft des Verbandsvorsitzenden Dr. Michael Kulas deutlich geringer: „Wir kennen unsere Patienten“, sagte der Mediziner. Insofern sei es zum Beispiel unmöglich, eine Vorerkrankung vorzutäuschen. Vermeintliche oder tatsächliche Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen würden zudem an die Impfzentren verwiesen.