Jugend pflegt das grüne Paradies

Altenkessel. Wer Natur pur erleben will, ist in Altenkessel richtig. Besonders hier, im Schulgarten der Waldorfschule. Wiesen, Sträucher und Bäume sind die ideale Umgebung, um mal dem Schulalltag zu entfliehen. Doch die Schüler der achten Klasse sind zunächst wenig beeindruckt. Ganz langsam kommen sie den Weg hoch getrabt. Gartenfans sehen anders aus

Altenkessel. Wer Natur pur erleben will, ist in Altenkessel richtig. Besonders hier, im Schulgarten der Waldorfschule. Wiesen, Sträucher und Bäume sind die ideale Umgebung, um mal dem Schulalltag zu entfliehen. Doch die Schüler der achten Klasse sind zunächst wenig beeindruckt. Ganz langsam kommen sie den Weg hoch getrabt. Gartenfans sehen anders aus. Den Gartenbau-Lehrer Christoph Ernestus ficht das nicht an. Er kennt seine Pappenheimer: "Sie machen's eigentlich gerne." Und die Waldorfschüler kommen langsam in die Gänge. Schmuckstück des Schulgartens ist ein mit viel Grün bewachsenes Holzhaus. Hier müssen Sträucher zurückgeschnitten werden. Daria Kreutzer greift zur Schere und meint: "Das ist eine schöne Entspannung nach dem Unterricht." Ein paar Jungs und ein Mädchen transportieren derweil ohne Murren schwere Steine mit der Schubkarre nach oben.Mit 8000 Quadratmetern ist der Garten auch für eine Waldorfschule ungewöhnlich groß, sagt Ernestus. Er unterrichtet nur Gartenbau. Wobei das hier kein normaler Unterricht ist. Ernestus gibt keine Anweisungen, sondern sagt ganz ruhig, was heute im Garten erledigt werden muss. Er schaue auch nicht ständig danach, was die Schüler machen. Das gehe auf so einem großen Gelände gar nicht. "Da geht viel übers Gehör", meint Ernestus. Aber die Schüler wissen: Am Ende muss die Arbeit erledigt sein. "Ich muss mich darauf verlassen, dass die Teamarbeit klappt. Das hier ist 'ne kleine Gärtnerei, und das sind meine Mitarbeiter", sagt der Lehrer. Strafen bringen nach seiner Ansicht gar nichts, weil die Schüler "gleich dichtmachen". Für Ernestus geht es im Fach Gartenbau nicht in erster Linie darum, aus den Jugendlichen gute Gärtner zu machen. Sie sollten vielmehr während der Pubertät mit ihrem sich verändernden Körper klarkommen. "Die Sexualität erwacht - und auch hier keimt's und sprießt's überall", erzählt Ernestus beim Gang durch den Garten. Auch das Thema Tod, mit dem sich viele Jugendliche in dem Alter erstmals auseinandersetzten, könne im Garten veranschaulicht werden, meint Ernestus: Am Beispiel des Komposts, der zuerst verfault und dann zu Gartenerde wird. Die Arbeit in dem schönen Schulgarten bereitet die Waldorfschüler auf das Landwirtschafts-Praktikum vor. Drei Wochen müssen die Jugendlichen dann auf einem Bauernhof malochen. Und Ernestus schaut bei allen Schülern vorbei - selbst wenn der Bauernhof in Bayern oder in der Schweiz liegt. Zurück zum Schulgarten: Dort gibt es auch ein Gewächshaus, in dem sogar ein Granatapfelbaum wächst. Auf dem Gelände steht außerdem ein Bienenhaus, das Drittklässler in der so genannten Bauphase unter Anleitung selbst gebaut haben. Das größere Holzhaus mit viel Grün wird übrigens auch im Winter genutzt: Dann stellen die Schüler selbst Adventskränze her oder ziehen Kerzen. Dafür ist es jetzt aber noch zu früh. Denn Anfang September gibt's draußen für die jungen Gärtner genug zu tun.