Prinz Erik und die KesselflickerRita Engel machte den entscheidenden Vorschlag

Prinz Erik und die KesselflickerRita Engel machte den entscheidenden Vorschlag

Altenkessel. Er wolle ja nicht übertreiben, sagt Erik Schrader. Deshalb sage er nicht, dass das Jahr als Karnevalsprinz bei den Altenkesseler Kesselflickern das schönste seines Lebens gewesen ist. "Aber eine der schönsten Zeiten meines Lebens war das schon", bekennt der Dezernent für Bildung, Kultur und Wissenschaft

Altenkessel. Er wolle ja nicht übertreiben, sagt Erik Schrader. Deshalb sage er nicht, dass das Jahr als Karnevalsprinz bei den Altenkesseler Kesselflickern das schönste seines Lebens gewesen ist. "Aber eine der schönsten Zeiten meines Lebens war das schon", bekennt der Dezernent für Bildung, Kultur und Wissenschaft. Eine Session lang tanzte sich Prinz Erik mit der CDU-Stadträtin Gabriele Herrmann als Prinzessin durch die Saarbrücker Fastnacht. Und er hat es genossen.Das lag, so sagt er, nicht zuletzt an den Altenkesselern. "Die Herzlichkeit, die mir hier entgegengeschlagen hat, war schon toll", schwärmt er. Was ihn fasziniert habe: Die Mitglieder der Kesselflicker sind auch in vielen anderen Vereinen im Ort aktiv. So entstehe eine Gemeinschaft, die er so aus Berlin nicht kannte.Vor gut zwei Jahren kam Schrader nach Saarbrücken, weil ihn seine Partei, die FDP, gerufen hatte. Er trat die Nachfolge des Kurzzeit-Kulturdezernenten Walter Schwarz-Paqué an. In Berlin, erklärt er, kenne man Fasching höchstens als Kind. "Da verkleidet man sich", sagt Schader. Na ja, im Fernsehen habe er den Karneval auch "mal wahrgenommen" - aber höchstens am Rande. Kaum in Saarbrücken, hat ihn die Burbacher Karnevalsgesellschaft "Mr sin do" sozusagen verhaftet. Schrader wurde Ehrensenator. "Völlig vorurteilsfrei" sei er da reingegangen, "positiv neugierig". "Durchweg positive Erfahrungen" habe er mit den Burbacher Narren gemacht. Und seinen "Prozess, im Saarland anzukommen", habe das alles "sehr beschleunigt". Und so habe er auch nicht lange überlegen müssen, ob er das Angebot der Kesselflicker annehmen solle. Er habe die Prinzenrolle gerne übernommen. Nicht als Pflichtaufgabe, sondern mit viel Spaß. Er sei kein Prinz gewesen, "der zehn Minuten vor der Sitzung kommt und sich den Ablaufplan in die Hand drücken lässt", betont er.Er und seine Prinzessin seien zu Planungssitzungen vorher und zum Aufräumen nachher gekommen. Er hat Bier auf der Kirmes gezapft - eben weil er den Kesselflickern "etwas zurückgeben wollte" für die schöne Zeit. Fast 50 öffentliche Termine habe er mit Gabriele I. absolviert - mehr als auf dem Pflichtprogramm stehen. Am 14. November ist der letzte. Dann übergibt Erik I. das Prinzenamt an seinen Nachfolger. Während die Narren ihren Prinz Erik gefeiert haben, hat in der Kulturszene mancher die Nase gerümpft und die Augen verdreht. Dass der Kulturdezernent im Karneval kaum einen Termin ausgelassen und sich deshalb auf dem Max-Ophüls-Filmfestival vergleichsweise selten blicken ließ, wollte nicht jeder verstehen. Und politische Gegner spotteten gelegentlich: Der Prinz bemerke gelegentlich nicht, dass er gerade nicht im Karneval ist. Und das Kompliment: "Die Narrenkappe stehe ihm gut", war nicht immer nett gemeint. Erstens sei Karneval Alltagskultur, sagt der Kulturdezernent. Und zweitens könne man einem Politiker so etwas natürlich immer "zum Nachteil auslegen", dessen sei er sich bewusst gewesen, räumt Schrader ein. Aber: "Dieses Restrisiko bin ich eingegangen." Und er habe es - ohne Übertreibung - keine Minute bereut.Altenkessel. Die Geschichte der Kesselflicker beginnt 1947. Da versuchten Tui Sorg, Helene und Werner Kessler, Bertold Schwarz, Christina Schmidt und andere das karnevalistische Brauchtum in Altenkessel neu zu beleben. Es handelte sich dabei noch nicht um einen organisierten Verein, "sondern nur ein Zusammenkommen einzelner Personen aus Spaß an der Freude um Frohsinn und Heiterkeit unter der Altenkessler Bevölkerung zu verbreiten", heißt es in der Kesselflicker-Chronik. 1948 versuchten der damalige Gemeindebaumeister Alois Stenger, der Schreinermeister Anton Jakobs sowie Kurt Brill und Willi Schmidt, den Karnevalsverein "So war noch nix" zu gründen. Es gab Kappensitzungen, aber der Versuch der Vereinsgründung scheiterte. Dass die Faasend in Altenkessel verwurzelt blieb, lag am Verkehrs- und Verschönerungsverein Altenkessel (VVA), der auswärtige Karnevalsgesellschaften in die heimischen Säle führte. 1967 gründete der VVA eine Karnevalssparte. In der Session 1969/70 taufte man die Gruppe auf den von Rita Engel vorgeschlagenen Namen "Die Kesselflicker". Am Fastnachts-Samstag 1970 zogen die Akteure erstmals mit einer Konfettikanone zum Altenkesseler Rathaus, um es zu stürmen. Rund 2000 Narren sollen es gewesen sein, die den Kesselflickerzug begleiteten. Nachdem der Verein zuerst einige Jahre an Rosenmontag mit seinen Mitgliedern durch Altenkessel zog, hat man es dann vorgezogen, beim Rosenmontagsumzug in Burbach mit einem eigenen Wagen und mehreren Fußgruppen und dem Prinzenpaar mitzugehen. red

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