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Großzügige Frauen
Fünf Frauen für einen guten Zweck

Melanie Engstler und Dr. Harald Kronauer freuen sich über den Scheck der Frischbacher Dorffrauen Claudia Keller, Elisabeth Westrich, Margret Becker und Anne Kallenbach, deren Tochter Lena schon fleißig mithilft (von links). Verhindert war an diesem Tag die Fünfte im Bunde, Martina Wirth.
Melanie Engstler und Dr. Harald Kronauer freuen sich über den Scheck der Frischbacher Dorffrauen Claudia Keller, Elisabeth Westrich, Margret Becker und Anne Kallenbach, deren Tochter Lena schon fleißig mithilft (von links). Verhindert war an diesem Tag die Fünfte im Bunde, Martina Wirth. FOTO: Anja Kernig
Fischbach. Die Fischbacher Dorffrauen zeigen wieder ihr gutes Herz und spenden 1000 Euro für Schüler im Kongo. Von Anja Kernig

Sie haben es schon wieder getan: Zum zweiten Mal spendeten die Fischbacher Dorffrauen einen Teil ihres Erlöses aus dem alljährlichen Kranz-Verkauf an die DHC-Stiftung von Dr. Harald Cronauer, diesmal für die Renovierung des einsturzgefährdeten Schulgebäudes in Goma. Was ein bisschen nach Regelverstoß klingt. Denn eigentlich sollen ihre Gewinne ja im Ort bleiben. Das war jedenfalls die Idee, als sich die Gruppe – „wir sind kein Verein!“, betont Claudia Keller beim Gespräch im Gemeindehaus St. Josef, 2003 anlässlich der 275-Jahrfeier Fischbachs gründete. „Wir waren früher Fußballfrauen“, wozu auch vorweihnachtliche Vereinseinsätze gehörten. Als das mit dem Fußball nicht mehr so relevant war, beschlossen die tüchtigen Damen: „Wir machen weiter. Für den guten Zweck.“ Konkret wollten sich die Sieben stärker für das Gemeinwohl einsetzen.


Nun liegt Goma nicht gerade vor der Haustür. Aber, und deshalb hat das dann doch alles seine Richtigkeit, „wir haben uns dazu entschlossen, weil es unsere Schule betrifft“. Seit 2016 besteht eine Schulpartnerschaft zwischen der Grundschule Göttelborn/Fischbach und dem College Mwanga in Goma/Kongo. Im Rahmen der Kooperation fließen einerseits Fördergelder in den Kongo, anderseits ermöglicht die DHC-Stiftung zwei Fischbacher Grundschulklassen pro Jahr den Kurs „Konflikte fair lösen“.

„Diese Kurse werden derzeit neu strukturiert“, erzählt Cronauer, sprich, „spezifisch angepasst und modernisiert“. Zum derzeitigen Stand in Goma befragt, wird der ansonsten auffallend heitere Stiftungsvorsitzende sehr ernst: „Wir machen uns große Sorgen, was da gerade politisch abgeht.“ Präsident Joseph Kabila klammere sich an sein Amt und gehe gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vor. Dazu kommen bewaffnete Konflikte in mehreren Provinzen, ausgelöst durch Dutzende marodierende Rebellengruppen. Trotzdem sei man zuversichtlich, dass die Schule verschont bleibt und man planmäßig fortfahren kann. „Wir haben jetzt knapp 70 000 Euro, die Hälfte der benötigten Summe.“ Bis 2019 hoffe man, den Gesamtbetrag zusammen zu bekommen. Dann sollen die Bauarbeiten beginnen. Cronauers Appell geht deshalb noch einmal gezielt an regionale Firmen mit der Bitte um Spenden. Was durchaus interessant sein könnte: „Ab einem bestimmten Betrag benennen wir einen Klassenraum oder sogar die ganze Schule nach dem Unternehmen – soziales Engagement, mit dem man sich verewigen kann“.

Doch zurück zu den Fischbacher Dorffrauen. Wenn es auf Weihnachten zu geht, leben sie gewissermaßen drei Wochen im Keller, verrät Elisabeth Westrich. „Und danach sind wir meistens malad.“ Woraufhin die ganze Runde lacht. Und nickt. 125 Kränze und 30 bis 40 Gestecke fallen nun mal nicht vom Himmel. „Jede von uns hat ihren eigenen Stil, das macht es aus“, erklärt sich Margret Becker die anhaltend große Nachfrage.

Die Kranzrohlinge beziehen sie aus der Eifel aus einem Fair Trade Projekt zugunsten der Rumänienhilfe. Wobei nicht nur die Kränze der Fischbacher Dorffrauen legendär sind, sondern auch ihre Kostümierung beim Weihnachtsmarkt – ob als Märchenfiguren oder Hexen. „Ein Jahr hatten wir auch mal große Krippenfiguren“, erinnert sich Claudia Keller. „Wir lassen uns schon was einfallen.“



Funktionieren kann das nur, wenn die Familien mitziehen. Für die Männer der aktuell fünf „Dorffrauen“ heißt das: häuslicher Sparbetrieb während besagter drei Wochen. „Da kriegen wir nichts geschafft zuhause“, nickt Anne Kallenbach, schon gar nicht gekocht. Und daran wird sich aller Voraussicht nach auch nichts so schnell ändern. Dafür haben die Kranzschmückerinnen einfach zu viel Spaß an ihrem Ehrenamt. „Wir lachen uns immer kaputt“, sagt Elisabeth Westrich. Und da grinsen sie wieder alle um die Wette.

Wer ebenfalls spenden oder sich weiter informieren möchte: www.dhc-stiftung.de