Unwetter: Kleinblittersdorfer halten zusammen

Unwetter : Kleinblittersdorfer halten zusammen

Nach dem verheerenden Unwetter helfen sich Betroffene gegenseitig.

Nach dem Jahrhundert-Unwetter in der Nacht zum vergangenen Freitag haben die Menschen in der Gemeinde Kleinblittersdorf das gesamte Wochenende damit verbracht, ihre Keller und Wohnungen von Wasser, Schlamm und Geröll zu befreien. Dabei entstand eine Nachbarschaftshilfe, wie sie viele ältere Menschen nur noch aus der Nachkriegszeit kennen. Menschen, die ihre Wohnung gesäubert hatten, gingen mit Schaufeln und Besen zum Nachbarn und machten dort weiter.

Gerardo Mele, der Inhaber der Pizzeria Da Pino in Kleinblittersdorf fuhr mit seinem Team Nudeln und Pizza durch Kleinblittersdorf und versorgte die Menschen kostenlos mit Nahrung. Das Deutsche Rote Kreuz hatte im Bliesransbacher Dom sowie in der Spiel- und Sporthalle Verpflegungsstellen und Notunterkünfte für all jene eingerichtet, die in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr bleiben konnten. Mehr als 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW waren in mehreren Schichten 48 Stunden am Stück im Einsatz und räumten Straßen frei. Die B51 zwischen Auersmacher und Rilchingen-Hanweiler sowie die unmittelbar danebenliegenden Gleise können immer noch nicht befahren werden.

Der ADAC fuhr den ganzen Freitag weggespülte Autos ab. „Es gab viele Feuerwehrleute, deren Keller voller Wasser gelaufen sind, die aber zunächst einmal ausrückten, um anderen Menschen zu helfen. Davor ziehe ich den Hut“, sagte Timo Meyer, der Landesbrandinspekteur der Feuerwehr. Vielen Menschen in der Gemeinde wurde erst in diesem Katastrophenfall bewusst, welche wichtige Funktion Feuerwehr und THW haben. „Ich kann nur den Hut vor allen Einsatzkräften ziehen. Sie sind an ihre Grenzen gegangen“, sagte Kleinblittersdorfs Bürgermeister Stephan Strichertz. Am Samstag und Sonntag gab es ein Soforthilfe-Telefon, das von der Gemeindeverwaltung eingerichtet worden war. Der Bauhof der Gemeinde wird ab heute kostenlos den Müll sowie zerstörte Möbel und Gegenstände aus den Kellern und Wohnungen abfahren.

Berge voller Müll türmen sich vor den Ortsteilen. Wie schrecklich sich Menschen, die nicht von der Katastrophe betroffen waren, jedoch verhalten können, wurde am Samstag klar. Sieben Männer kamen mit mehreren Lieferwagen (Nummernschild: Kaiserslautern) nach Kleinblittersdorf und plünderten Sachen, die Menschen vor ihr Haus stellten, da die Wohnung unter Wasser stand. Das teilte die Polizei mit. Zudem fuhr ein Reisebus einen etwa 100 Kilometer weiten Umweg, damit die Reisenden zur Schaulustigen in Kleinblittersdorf werden konnten. In der Bevölkerung gab es einen Sturm der Entrüstung wegen dieses Katastrophen-Tourismus. Bis das gesamte Ausmaß der Katastrophe feststeht und beziffert werden kann, werden wohl noch einige Tage vergehen. Aktuell müssen die Feuerwehren immer noch ausrücken, wenn Urlauber heimkehren und mit Schrecken das Wasser in ihren Wohnungen und Kellern feststellen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung