| 20:25 Uhr

Vergnügen mit dem Gemischten Saarbrücker Damenchor
Ein himmlischer, magischer, hexischer Abend

Saarbrücken. Der gemischte Saarbrücker Damenchor forderte und begeisterte mit seinem Programm „Vom Rande der Zeit“ das Publikum in der Stiftskirche Von Oliver Sandmeyer

Die Musik des Gemischten Damenchors Saarbrücken bietet alles, nur keine biedere Chormusik. So auch das Programm „Vom Rande der Zeit“, das der Chor am Wochenende in der   Stiftskirche St. Arnual präsentierte. „Himmlisch, magisch und hexisch“ soll das werden, und  das Versprechen wird auch eingelöst.


Mit viel Gespür für die Inszenierung beginnt das Konzert – zur Überraschung der Anwesenden – im Rücken des Publikums. Hälse werden gereckt, sechs Damen singen von der Empore aus Hildegard von Bingens „O Virtus Sapientiae“. Das zuvor im Dunkeln liegende Kirchenschiff ist nun von dort aus zart beleuchtet, die Sängerinnen sind von unten angestrahlt. Nach diesem reduzierten Anfang zieht der gesamte Chor – wie immer unter der Leitung von Amei Scheib – gemessenen Schrittes komplett in das Kirchenschiff ein, um dort die Motette „Alle Psalite Cum Luya“ vorzutragen.

Experimentell wird es mit den „Six Magic Songs“ der Kanadierin R. Murray Schäfer: Während im Chorraum die Lichtinstallationen von Krieschan Kriesten die Darbietung atmosphärisch stützen, singen acht Chormitglieder lautmalerisch – mal mit Tierstimmen, mal mit krächzendem Hexengeschrei. Eine fesselnde Komposition, bei der nicht vergessen wird, die Zuhörer zu unterhalten: Dass der summende „Mückengesang“ mit dem gespielten Erschlagen des Insektes sein Ende findet, lässt zwischendurch auch mal lachen.



Meredith Monks „Three Heavens and Hells“ ist das zentrale Stück der ersten Konzerthälfte. Mit zwei Alt- und zwei Sopranabteilungen fordert die vierstimmige Komposition Sängerinnen und Publikum gleichermaßen heraus, ist rhythmisch anspruchsvoll – und bisweilen auch anstrengend. Die im Großchor gesungenen sieben Sätze des Stücks sind zudem eine mit Bravour gemeisterte Konzentrationsleistung.

Mit der darauffolgenden wunderschönen Interpretation von Leonard Cohens „Hallelujah“ schafft es Scheibs Chor, dem bekannten Song einen eigenen Stempel aufzudrücken und kontrastiert die eben vernommene avantgardistische Kopflastigkeit mit einer emotionalen Tiefe, die eine lange andauernde Gänsehaut hervorzurufen vermag.

Das schafft auch das Lied „Eine Flüchtlingsmutter sang“: Aktuelles Zeitgeschehen aufgreifend wird es hier einerseits politisch jedoch auch erschütternd persönlich, wenn die Zeilen aus Hildegard Wohlgemuths Gedicht im Kirchengemäuer erklingen: „Gestern ist mein Kind geboren, heute ist mein Kind gestorben“.

Ein weiterer Höhepunkt ist die eigens in Auftrag gegebene Komposition „Nax’on“ von Daniel Osorio: Unterfüttert mit elektronischen Klängen, performen fünf Sängerinnen ein Stück, das in einer Fantasiesprache vorgetragen wird und dadurch schon fast im Alleingang für einen himmlischen, magischen, hexischen Abend sorgt.