Frischer Polit-Wind fürs Podium

Dudweiler. Schlimmstenfalls wäre es ein ganz banaler Abend geworden unter der Überschrift "Bürger fragen, Kommunalpolitiker antworten - oder auch nicht

Dudweiler. Schlimmstenfalls wäre es ein ganz banaler Abend geworden unter der Überschrift "Bürger fragen, Kommunalpolitiker antworten - oder auch nicht." Die Tatsache jedoch, dass der Leiter der Volkshochschule, Michael Wagner, die Idee hatte, neben interessierten wahlberechtigten Bürgern auch noch 17 Schüler und Schülerinnen der Gesamtschule Sulzbachtal mit ihrem Lehrer für Gesellschaftswissenschaften, Ulrich Kunz, zur Diskussion einzuladen, brachte Substanz, Spannung, teils Verlegenheit, Nachdenklichkeit und Esprit ins Bürgerhaus. Freitag, 19 Uhr: Im Podium kurz vor der Kommunalwahl: die Spitzenkandidaten für den Bezirksrat Rainer Dorscheid (CDU), Jörg Sämann (SPD), Gerd Kiefer (FDP), Sigrun Krack (Bündnis 90/Die Grünen) und Gabriele Ungers (Die Linke) schickten sich an, dem etwa 100-köpfigen interessierten Wahlvolk zu erklären, warum man sie und niemand anders wählen sollte. So ging's unter der Moderation von Michael Wagner denn auch los mit den kurzen Statements jedes einzelnen zu den kleinen und großen Vorhaben nach der Wahl. Klar, es geht um mehr Bildung, um mehr Sauberkeit im Stadtbezirk, um den Erhalt der Schwimmbäder, um den Dudo-Platz und so weiter und so fort. Den Gesamtschülern der Klassenstufe 10 - etwa die Hälfte der 16-jährigen streben dem Abitur entgegen - reichte das aber offenkundig nicht. Nola Krolin, Gianni Lunetta, Luca-Marie Schilz, Simon Scheitzer, Chiara Zambito, Helena Barachino, Kim Kaffenberger, Stefanie Hubig, Teodor Dimitrov, Kevin Mujadic, Florian Lothschütz, David Trautmann, Samaran Sriskandanrajah, Adrian Klos, Rouven Schweitzer, Jennifer Lydorf und Raphael Sinnwell mischten sich selbstbewusst ein. Sie wollten wissen, was Politiker zu tun gedenken nach dem Attentat von Winnenden, wie man dem "Hilfeschrei" von Alkoholkranken und psychisch gestörten Menschen begegnet. Warum die Entwicklungshilfe für arme Länder so kärglich ausfällt. Wie man erreicht, dass nicht nur geistige Überflieger einen manierlichen Schulabschluss erlangen. Wie es sein kann, dass am Dudweiler Bahnhof so viele Jugendliche rumhängen, trinken und Drogen nehmen. Warum es in Dudweiler außerhalb der Vereine so wenig Freizeitangebote gibt. Warum Menschen so wenig verdienen, dass sie noch einen Nebenjob annehmen müssen. Warum man nicht das Gymnasium abschafft zugunsten von Gesamtschulen. Dies und andere ernsthaften Anliegen kamen am Publikums-Mikrophon zur Sprache. Ziemlich sauer waren die Jugendlichen, wie sie am Ende im Gespräch mit der SZ bekundeten, auf Ex-Lehrer Gerd Kiefer. Er bemühte, was das Thema Schule angeht, das Wort "Versager" und hob hervor, dass nur ein guter Schulabschluss die Eintrittskarte fürs Arbeitsleben sei. Dieses Statement brachte Sigrun Krack auf die Palme. Der Applaus des Publikums war ihr gewiss, als sie sagte, es sei doch keineswegs ein Zufall, dass so viele Schüler durchs Raster fallen: "Das heutige Schulsystem sondert viel zu früh aus." Bezeichnend sei, dass das Saarland die höchste Rate an Schulabgängern mit Migrationshintergrund ohne Abschluss habe. Die Kinder würden zu wenig gefördert. Die Schüler beklagten auch, dass Parteien-Vertreter im Podium nicht richtig auf ihre Fragen eingegangen seien. So fiel Gabriele Ungers zum Thema Freizeitgestaltung ein: "In Dudweiler gab's mal eine Disko." Rainer Dorscheid wiederum sprach von "problematischen Prozessen in der Jugendbewegung". Diesbezüglich brachte er seine Freude darüber zum Ausdruck, "dass hier in Dudweiler noch ein Polizeiposten ist". Im Übrigen gehe es bei dem Thema "um eine sehr vernetzte Aufgabe". Und auf die Frage an Jörg Sämann, ob die SPD bereit wäre, die Oberstufe zu reformieren, gab er unumwunden zu, sich in der Materie nicht gut auszukennen. Fazit des Abends: Polit-Business as usual. Junge Leute ernst nehmen, das sieht anders aus.