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"Kahlschlag in der Brutzeit"

Dudweiler/Sulzbach. "Erhebliche Rodungsarbeiten auf einer etwa 1,2 Kilometer langen Trasse" südlich der A 623 zwischen Dudweiler und Sulzbach beklagt Leser Harald Heid. Der Forstwirtschaftsmeister und Baumpfleger - Mitglied der Grünen in Dudweiler - ist empört darüber, dass seiner Meinung nach diese Baumfällaktion dem Saarländischen Naturschutzgesetz zuwiderläuft Von SZ-Redakteurin Michèle Hartmann

Dudweiler/Sulzbach. "Erhebliche Rodungsarbeiten auf einer etwa 1,2 Kilometer langen Trasse" südlich der A 623 zwischen Dudweiler und Sulzbach beklagt Leser Harald Heid. Der Forstwirtschaftsmeister und Baumpfleger - Mitglied der Grünen in Dudweiler - ist empört darüber, dass seiner Meinung nach diese Baumfällaktion dem Saarländischen Naturschutzgesetz zuwiderläuft. Das Gesetz schreibe vor, dass nur von Anfang Oktober bis Ende Februar Rodungen solchen Ausmaßes erlaubt sind. Mitten im Laubaustrieb und in der Hauptbrutzeit der Vögel und Setzzeiten des Wildes sei jedoch die "Harakiri-Fällaktion" erfolgt. Eichen, Buchen, Ahorn und Eschen wurden laut Heid niedergemacht. Der Mann hat herausgefunden, dass das Saarbrücker Unternehmen Evonik Saar Power GmbH dahintersteckt. Das bestätigt der Saarforst Landesbetrieb (SFL), der nach Angaben seines Sprechers Volker Wild den Auftrag dazu von Evonik erhalten hat, im Bereich der Stromleitungstrasse zu roden. Die Maßnahme sei Ende April beendet worden. Ein Sprecher des Stromversorgers Evonik erklärte am Montag auf SZ-Anfrage, dass an Hochspannungsleitungen gewisse Abstände eingehalten werden müssten. Alle zwei Jahre würden solche Gebiete überflogen und nach einem Plan die Gefahren beseitigt. Im Herbst 2008 habe man an den kahlen Bäumen nicht sehen können, was getan werden müsse. Erst im Frühling sei das möglich gewesen. Man habe als Leitungsbetreiber erkannt, dass hier "Gefährdungspotenzial" vorhanden sei und dann auch gehandelt. Harald Heid gibt sich mit den Erklärungen nicht zufrieden. Er fragt sich, warum man einen solchen Kahlschlag auf 1200 Metern betrieben und nicht zunächst mal einzelne Bäume entfernt hat. Eine solche Schneise zu schlagen, das habe doch sicherlich noch bis Oktober Zeit gehabt. Im Übrigen habe er mit einigen Anwohnern gesprochen, die erklärten, sie seien sauer, weil in besagtem Gebiet teils bis 23 Uhr mit Holzerntemaschinen (Harvester) gearbeitet worden sei. Und: "Ein Anwohner, den ich auf dem Waldweg getroffen habe, berichtete, dass er auf einem Wurzelstock einen zerquetschten Igel fand. Und er befürchtet, dass etliche Gelege von Vögeln durch die Arbeit in dieser Zeit zerstört worden sind." Dass es auch anders geht, das beweise der Stromversorger RWE, "der seine Hochspannungsleitungstrassen bundesweit nach einem Biotop-Management überplant und rhythmisch pflegt." So würden Ökosysteme geschaffen und dauerhaft in ihrer Vielfalt bewahrt.