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Maler und Lackierer üben in Saarbrücken am Simulator

Spritzlacksimulater für die saarländischen Maler und Lackierer : „An der Sp(r)itze der Bewegung“

Mit dem neuen Spritzlack-Simulator können Maler und Lackierer in Saarbrücken den richtigen Anstrich virtuell üben.

Die Auszubildende Laura Horras hält die Farbspritzpistole fest in der rechten Hand. Ruhig und gleichmäßig trägt sie den Lack von links nach rechts, in der nächsten Reihe von rechts nach links auf dem Werkstück vor ihr auf. Schutzanzug, Handschuhe und Maske braucht sie dafür allerdings nicht. Denn aus der Pistole kommt gar keine echte Farbe. Der Spritzlack-Simulator „Virtual Paint“ gehört neuerdings zur Ausstattung des Ausbildungszentrums der Maler- und Lackiererinnung des Saarlandes auf den Saarterrassen in Saarbrücken. Damit können die Azubis reale Spritzlackierungen simulieren. An einem Bildschirm kann Ausbildungsmeister Thomas Färber in 2D verfolgen, was die Auszubildende mithilfe der Virtual-Reality-Brille, die sie trägt, dreidimensional vor sich sieht. Im „feuchten“ Lack spiegelt sich die Pistole. Gitterboden, Abzug, sogar ein Papier zum Testen sind im virtuellen Raum zu sehen, ähnlich der echten Lackierkabine ein paar Räume weiter. „Sogar die Wände sind schmutzig“, sagt Färber mit einem Schmunzeln. „Ersetzen kann der Simulator die Kabine nicht. Da müssen sie schon noch rein“, sagt Färber. Aber sie könnten ihre ersten Lackierversuche starten. So werde die Umwelt nicht belastet, es spare teure Werkstücke und Lack, und sie können so viel üben, wie sie wollen. Auch gibt es keine Nebengeräusche, „dadurch kann man besser erklären“, sagt Färber. Seit 13 Jahren ist er Ausbildungsmeister.

Das Programm hat verschiedene Modi. Im Trainingsmodus zeigt es gleich Rückmeldung. Erscheint der Lack grün, heißt das „optimale Lackdicke“, blau heißt zu wenig, rot zu viel Farbe. Bei viel zu viel Lack würde es auch anfangen zu laufen, erklärt Färber. Laura Horras muss sich bücken und strecken, um alle Ecken des Werkstücks zu erreichen. Der Würfel, den sie gerade lackiert, erstrahlt in fast perfektem Hellgrün. Nur die Unterseite fehlt noch. Dafür muss sie sich auf den Boden legen und unter den Kubus rutschen. „Man verliert sich darin. Man vergisst, dass man nicht in der echten Kabine steht“, sagt die 25-Jährige. Sie ist im dritten Lehrjahr. Bald steht die Gesellenprüfung an. Der Beruf macht ihr Spaß: „Er ist abwechslungsreich, man macht jeden Tag was anderes“, sagt sie. Als sie den letzten Farbtupfer gesetzt hat, dreht sie den Kopf und schaut nach rechts oben. Dort hängt ein virtueller Bildschirm. Er zeigt eine detaillierte Aufstellung ihres Ergebnisses.

Der Azubi erhält sofort Angaben zur Lackdicke, Transfereffizienz, Pistolenhandhabung, und sogar die Lackkosten könne das Gerät ermitteln, erklärt Färber. So können Fehler erkannt und behoben werden und außerdem der Fortschritt mit der Zeit ermittelt werden. 92 von 100 Punkten. Applaus für Laura Horras – auch von Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, die sich selbst nicht schlecht am Simulator schlägt. Wenig rote Fläche für die SPD-Politikerin. Das Wort Digitalisierung würde für viele mit dem Verlust des Arbeitsplatzes verbunden, sagt sie. Der Simulator sei ein gutes Beispiel, dass Digitalisierung auch Verbesserung bedeuten kann. Es zeige auch, dass das „Handwerk an der Sp(r)itze der Bewegung steht“, sagt die Ministerin nicht ohne Augenzwinkern.

Zwei Wochen in jedem Ausbildungsjahr, eine weitere im dritten Jahr, verbringen die Lehrlinge mit der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) im Ausbildungszentrum. Wie Innungsmeister Christian Pfenning erläutert, können die Betriebe nicht immer alle nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln. In der Prüfung werden sie aber verlangt. Lackieren spiele zwar vor allem für die Fahrzeuglackierer eine große Rolle, aber auch die Maler greifen zum Lackieren von Türen, Heizkörpern und selbst Außenfassaden zur Spritzpistole.

Der Simulator wurde aus Mitteln des Sonderprogramms für Digitalisierung in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) finanziert. 47 000 Euro hatte das Bundesinstitut für Berufsbildung im vergangenen Jahr dafür genehmigt. Neben dem Spritzlacksimulator wurden davon auch verschiedene Ausbilder-EDV-Arbeitsplätze geschaffen, teilt die Innung mit. Das Gerät selbst wurde bereits im Oktober geliefert. Zunächst wurden die Ausbilder geschult, nun auch die Azubis.

300 bis 350 Auszubildende besuchen pro Jahr das Ausbildungszentrum. Die Branche hat Nachwuchsprobleme. „Es gibt mehr Aufträge als Mitarbeiter“, sagt die Innung. Der Innungsmeister hofft, mit einer „so coolen Ausbildungseinheit“ Nachwuchs gewinnen zu können.