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Die unentdeckte Kunst von Gerhard Schuldt aus St. Ingbert

Seit 30 Jahren auf Suche nach Inspiration : Eine Wohnung voll eigener Kunstwerke

Der St. Ingberter Gerhard Schuldt malt zur Entspannung, aber seine Motive sind berührend.

Zwei traurige Augen blicken hinter einem Bretterverschlag und Eisenstangen hervor. Die Abgemergeltheit der Person, die die Gitter umgreift, ist nur zu erahnen. Das Zwangskennzeichen „Judenstern“ ist zu sehen und auch eine Nummer, mit denen das nationalsozialistische Regime einst die Menschen entmenschlichte. Zwischen angedeuteten, aber farblich nicht hervorgehobenen Hakenkreuzen schimmert eine Kerze und gibt fahles Licht an die karge Umgebung ab – es ist „Die Hoffnung“. Das beschriebene Bild stammt von Gerhard Schuldt. Der 72-jährige St. Ingberter malt seit rund 30 Jahren.

Die Inspiration für „Die Hoffnung“ kam ihm im Zuge des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, der man am 27. Januar gedachte. Nur rund drei Stunden brauchte er für das 1,50 mal 1 Meter große Leinwandkunststück, das vor allem in Grau- und Grüntönen gehalten ist. „Wenn ich mal dran bin, geht es schnell“, sagt er. Für einige seiner Gemälde benötigt er nur eine Stunde, an manchen arbeitet er über Monate. Generell benötige er für Nachbearbeitung, Korrekturen und Verfeinerungen meist mehr Zeit als für das eigentliche Schaffen.

Die vielen Bilder, die seine Wohnung in der Kaiserstraße zieren, malte er verteilt über die letzten drei Jahrzehnte. Einen benennbaren Grund zum Anstoß seines künstlerischen Schaffens habe es nicht gegeben. Es habe ihm einfach Spaß gemacht und seiner Entspannung gedient. „Ich male einfach drauf los“, erklärt der ehemalige Augenoptiker, der seinen Laden ebenfalls in der Kaiserstraße hatte. Dementsprechend habe er auch kein wirkliches Ziel vor Augen, wenn er den Pinsel zum ersten Mal auf der Leinwand ansetzt. „Irgendwann erkenne ich was“, sagt er. Dann entstehen Bilder, die sich über sein Gesamtwerk nicht in eine einzige Stilrichtung pressen lassen. Da reihen sich surrealistische Momente an impressionistische, um dann in konkreten zu enden.

Oftmals sind die Namensgeber seiner Bilder auf den ersten Blick auch gar nicht direkt zu erkennen. Bei „Die Schöne und das Biest“ dominieren zwei surrealistisch anmutende Köpfe, wegen denen er immer wieder gefragt werde, wer denn nun wer wäre. Dann weist Gerhard Schuldt auf „Die Schöne“ hin – eine barbusige Dunkelhaarige, die erst auf den zweiten Blick auffällt. „Die Wahrheit kommt ans Licht“ sieht mit seinen drei konkret gezeichneten Quadern aus wie das Filmplakat eines Science-Fiction-Thrillers. Ein befreundeter Maler habe darin die Dreifaltigkeit der christlichen Theologie gesehen. Ob Schuldt das wirklich so gemeint habe? „Nein, überhaupt nicht!“, sagt er.

Andere Motive male er, weil ihn etwas sehr berührt habe. Die Feuer in Malibu beispielsweise verarbeitete er in einem großflächigen Bild. Eins macht er jedoch auf keinen Fall: Auftragsarbeiten. Trotz positiver Resonanz und auch einigen Anfragen habe er bislang noch keine Ausstellung veranstaltet. „Man schafft sich keine Freunde“, ist er überzeugt. Da er finanziell auch nicht auf den Verkauf angewiesen sei, verschenkt er ab und zu seine in Acryl, in Öl und manchmal auch in beiden Techniken gemalten Werke an Freunde.

Auch Malkurse besucht er nicht, da er befürchtet, dass dies den eigenen Stil beeinträchtigt: „Das ist Gift.“ Vielmehr müsse die Lust am Kreativen von innen heraus kommen. Dementsprechend sieht er auch viele Werke, die in großen Museen ausgestellt sind, und auch den Kunstbetrieb skeptisch. Wenn er Leinwände sehe, auf denen sich in einer Ecke nur ein farbiger Punkt befinde, gebe ihm das gar nichts. Falls er selbst übrigens mal mit einem seiner Gemälde unzufrieden ist, übermalt er es – oder schlimmeres. Manchmal habe er bereits ein Bild zerstört und befinde dann: „Leider Gottes habe ich das geschreddert.“