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Der Musikverein Ommersheim gab ein Platzkonzert auf dem Vichter Platz.

Musikverein Ommersheim : Freude über die „Musikalische Versammlung“

Der Musikverein Ommersheim gab trotz erschwerter Corona-Bedingungen ein Platzkonzert auf dem Vichter Platz.

Donnerstagmorgen um 11 Uhr in der Ommersheimer Dorfmitte. Es ist angenehm warm an diesem Vatertag. Die Sonne strahlt und am Himmel sind kaum Wolken zu sehen. Menschen stehen im Schatten unter den Bäumen vor der Saarpfalz-Halle. Einige haben auf Stühlen Platz genommen. Auch am Rande der Vichter Straße sieht man Schaulustige unter den Bäumen und hinter den Sträuchern. Auch in der Saarpfalz-Straße stehen die Ommersheimer oder sitzen auf der Mauer oder auf der Treppe, vor der aus sie hinunter auf den Platz schauen. Manche tragen Mundschutz. Alle aber haben etwas gemeinsam: Sie halten den Sicherheitsabstand zum Nachbarn ein. Auf dem Vichter Platz herrscht Betrieb. Auf der Fläche, auf der sonst Autos parken, hat an diesem Christi Himmelfahrtstag das Große Orchester des Musikverein Ommersheim (MVO) Platz genommen. Der Umstand, dass Menschen in großem Stil in der Öffentlichkeit zusammen kommen, ist derzeit wegen der Corona-Einschränkung genauso untypisch wie die Tatsache, dass der MVO dort in weißen Oberteilen und Jeans auf Stühlen sitzt und ein Platzkonzert gibt. Die Musiker halten sich ebenfalls an die Abstandsregeln und sitzen weit auseinander.

Zwei Polizisten stehen am Rand und beobachten das Geschehen. Einer hält ein Schriftstück in der Hand. Eigentlich handelt es sich nämlich um eine Versammlung, die ordnungsgemäß beim Saarpfalz-Kreis angemeldet ist. Sie trägt den sperrigen Titel „Die musische Kultur in der Corona-Krise - für die Fortsetzung der Vereins- und Jugendarbeit innerhalb breitenkultureller Vereine“. „Wir kriegen das hin“, versichert Stefan Weber in seiner Moderation dem Publikum. „Ich bitte darum, die Abstände einzuhalten“, hört man den MVO-Dirigenten immer wieder sagen. So ganz sicher, ob er das nur aus Spaß sagt, oder, ob er das ernst meint, ist man sich nicht. Es soll auch Ordner geben, die auf alles achten, so Weber. Den für den Freiluftauftritt ersehnten Bierstand musste man (vorerst) noch bleiben lassen.

Es ist der erste Auftritt des Orchesters seit Monaten. „Für uns ist der Stillstand vorbei“, blickt Weber zurück. Das Passionskonzert in Assweiler musste ebenso abgesagt werden wie das Serenaden-Konzert am Weiher. Kleinere Auftritte fielen genauso aus, wie alle Proben. Dafür klappte der Auftritt an diesem Vatertag recht gut. Zwei Musikern, die aus beruflichen Gründen bislang nicht mehr beim MVO aktiv sein konnten, bescherte Corona quasi ein Comeback: Stefan Stolz und Andreas Thiry mussten im Studium oder im Job eine Zwangspause einlegen und waren an diesem Tag wieder von der Partie. Es sei „hier wahnsinnig ruhig“. So ruhig wie nie“, bewertete Stefan Weber die Stille seiner Musiker zwischen den Stücken. Vielleicht mache man künftig öfters so eine Versammlung zum Frühschoppen. Sobald wieder alles so ist wie früher, spendet er 50 Liter Bier, kündigte auch Stephan Piorko in einer Rede an. „Ich habe mehrfach eine Gänsehaut bekommen“, gab der Ortsvorsteher zu.

Mit dem Programm traf man schnell den Nerv der Zuhörer. Direkt nach dem ersten Marsch, „Abel tasman“ waren bereits die ersten „Bravo!“-Rufe zu hören. Mit dem Medley „Eighties Flashback“ begab man sich zurück in das letzte Jahrtausend. Sehr gut an kam auch der Marsch „Drei alte Bekannte“, den die frühere MVO-Größe Herrmann Kahlenbach arrangierte. Er war Karl Westrich gewidmet, der kürzlich verstarb und zu dessen Beisetzung man nicht gehen konnte. „Ahhh, super“, entfuhr es einem Versammlungsteilnehmer, als Stefan Weber, den Marsch „Dem Land Tirol die Treue“ ankündigte.