1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Kirkel

Wie die evangelische Kirche in Homburg Ostern gestaltet

Evangelische Kirche der Pfalz : Der Gottesdienst kommt auch übers Radio

An Ostern ist es besonders bitter, nicht mit der Gemeinschaft der Gläubigen zusammen das Fest feiern zu können. Die evangelischen Kirchen bieten Internet-Möglichkeiten an.

Ostern sitzt nicht nur der Schoko-Hase auf dem Frühstücksteller, Ostern ist auch ein hoher christlicher Feiertag, die Kirchen sind voll und die Menschen begegnen sich auch nach dem Gottestdienst noch gerne bei einem freundlichen Gespräch. Doch was wird aus solchen kirchlichen Feiertage, wenn die Kirchen geschlossen sind? Wie können wir Gemeinschaft erleben, wenn wir alleine sind? Das fragen sich derzeit viele Seelsorger in den Pfarreien und versuchen, Lösungen zu finden.

Folgende Aktivitäten gibt es von Seiten der Protestantischen Kirchengemeinde Homburg: Gemeinsam mit der katholischen Kirche laden auch die Protestanten allabendlich um 19 Uhr zur Aktion „Licht der Hoffnung“ zum Gebet und zur persönlichen Andacht ein. Als Netzwerkpartner unterstützen die evangelischen Kirchen die Aktion „FC 08 Homburg hilft“ . Alle evangelischen Haushalte werden in diesen Tagen angeschrieben und erhalten einen Ostergruß mit Informationen, Kontaktdaten und geistlichen Impulsen.

Für die Seniorenheime in Homburg gibt es ebenfalls einen Ostergruß in Form eines kleinen Heftes mit geistlichen Impulsen und Kontaktdaten, das an die Bewohnerinnen und Bewohner verteilt werden kann. Am Ostersonntag, 12. April, wird aus der Protestamtischen Stadtkirche ein Rundfunkgottesdienst gesendet, der zwischen 10 und 11 Uhr über SR 2 Kulturradio sowie den Deutschlandfunk empfangen werden kann.

Dieser Gottesdienst wird als so genannter „Geistergottesdienst“ stattfinden, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne versammelte Gemeinde. Für Liturgie und Predigt sind der Dekan Thomas Holtmann und die Pfarrerin Sigrun Welke-Holtmann zuständig, die Musik kommt von Thomas Seibel (Gitarre) und Peter Maurer (Piano).

Verschiedene Online-Angebote an Andachten, geistlichen Impulsen oder Gottesdienst-Videos: Die evangelische Pfarrerin Petra Scheidhauer aus Bruchhof-Sanddorf hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Ideen überschlagen, um das kirchen- und besuchslose Osterfest zu überbrücken: „Die Menschen zünden Kerzen an, sie gehen auf Balkone, um gemeinsam all jenen zu applaudieren, die uns durch ihre Arbeit regelrecht am Leben erhalten, es wird gemeinsam gesungen – wenn auch von verschiedenen Orten aus – ‘Die Ode an die Freude’ oder ‘Der Mond ist aufgegangen’. Kurz: alle sind irgendwie kreativ, online und offline.“ Pfarrerin Scheidhauer hat sich vorgenommen, in Ermangelung der Gottesdienste, Antworten auf die österlichen Fragen zu geben: Worum geht es eigentlich an Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern? Was sind die Ursprünge, die Hintergründe? Was haben diese Tage und dem Hier und Jetzt zu tun? „Unser gesellschaftliches und kirchliches Leben ist zum Stillstand gekommen. Jeden Tag hören wir neue Schreckensmeldungen über Infizierte und Tote. Wann wird dieser Spuk ein Ende haben? In diesen Zeiten der Not wollen wir die Menschen nicht allein lassen“, schreibt sie an unsere Zeitung, „auch wenn es uns nicht möglich ist, gemeinsam Gottesdienste in der Kirche zu feiern und uns vom Brot des Lebens und unserer Gemeinschaft stärken zu lassen, so sind wir nicht allein: Wir haben Christus bei uns, jeden Tag, Stunde um Stunde.“

Wie können wir die Kar- und Ostertage als Christen feiern? Da gehe ihr zweierlei durch den Kopf: Jesus sagt: „Wenn du beten willst, geh in deine Kammer“ (Mt 6,6). Jeden Abend um 19 Uhr sollten die Menschen eine Kerze ins Fenster stellen und das Vaterunser beten, dazu läuten die Glocken. Es sei tröstlich, sich in dieser Gemeinschaft zu fühlen und gebe den einzelnen Menschen Kraft, so Scheidhauer.

Weiterhin wolle sie, gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Seelsorge, den Menschen ein paar Anregungen für ihren Gottesdienst zuhause an die Hand geben. „In den letzten Tagen ist uns etwas aufgefallen: Wir telefonieren und „Whats-Appen“ nun viel mehr als vorher; auch mit Menschen, mit denen wir schon länger keinen Kontakt mehr hatten. Das stärkt die Gemeinschaft. So können wir einander beistehen und es zeigt sich, dass wir wirklich Schwestern und Brüder sind, verbunden im Geiste Jesu. Wir danken Ihnen für Ihr Gebet und Ihr Engagement in den unterschiedlichsten Formen“, schreibt sie, und: „Liebe Schwestern und Brüder, feiern wir also gemeinsam Gottesdienst indem wir Zuhause füreinander beten und indem wir nach unseren Brüdern und Schwestern, die unsere Hilfe, besonders unser Gespräch und unser Beistand brauchen Ausschau halten. Seid gewiss, unser Gott verlässt uns nicht. Das Leben in ihm geht weiter.“

Die evangelische Kirche der Pfalz hat ihr Angebot ausgeweitet und bietet es natürlich auch den Gläubigen im Dekanat Homburg an. So will in Großbundenbach Pfarrer Milan Unbehend mit Wohnzimmer-Gottesdiensten auf Youtube die Menschen erreichen, in Rammelsbach hat Pfarrer Sven Lotter ein Angebot gestartet, in Ensheim predigt Pfarrer Wolfgang Glitt auf Facebook. Und das Angebot wird sich wohl noch vergrößern: „Mich erreichen täglich Anfragen von Kirchengemeinden, die Ähnliches starten wollen und Hilfe brauchen“, sagt Jochen Krümpelmann vom Evangelischen Mediendienst (emd) des Evangelischen Presseverbands in der Pfalz. Vor allem die Bild- und Tonqualität sei bei Livestreams eine Herausforderung. Dies war beim Gottesdienst der Johanneskirchengemeinde Pirmasens zu bemerken und bei der Andacht von Kirchenpräsident Christian Schad und Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Landau. Die Landeskirche möchte ihre Andachtsreihe samstags fortsetzen.

Die Aktivitäten im Kirchenbezirk Homburg sind im Internet zu finden unter

www.prot-homburg.de 

www.prot-dekanat-homburg.de