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Kirkel setzt auf Nachbarschaftshilfe

Solidarität in der Corona-Krise : Kirkel setzt auf Nachbarschaftshilfe

Die lokale Politik und der ASB starten in der Gemeinde einen Dienst zur Versorgung Bedürftiger in der Corona-Krise.Und nicht nur das.

Mit gebührendem Abstand sitzen Limbachs Ortsvorsteher Max Victor Limbacher, Gisela Vinzent und Ina Schott vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und Maike Jung aus dem Kirkeler Gemeinderat am Freitagmorgen im Limbacher Leibs Heisje zusammen. Der Stammsitz des ASB Saarpfalz ist da quasi der Kreißsaal und markiert die Geburtsstunde für die Nachbarschaftshilfe in Limbach. Das Ziel der Vier: Absprechen, wie man in den kommenden Wochen der Corona-Krise denen helfen kann, die wegen Quarantäne oder weil sie selbst zu einer Risikogruppe gehören, auf Hilfe angewiesen sind. Diese Hilfe, wie Max Victor Limbacher klarmacht, soll vor allem aus einer kontaktlosen Einkaufshilfe bestehen. Über eine zentrale Rufnummer (diese steht aktuell noch nicht fest) soll Betroffenen die Möglichkeit gegeben werden, Bestellungen für den täglichen Bedarf anzufordern. Ehrenamtliche Helfer sollen diese Einkäufe dann auf Basis von Einkaufszetteln abarbeiten und ausliefern. Diese Hilfe richte sich natürlich in erster Linie an die, die keine Unterstützung aus dem privaten Umfeld erführen, „das können wir aber nicht prüfen“, so Limbacher. Er ist sich an diesem Freitagmorgen sicher: „Die Corona-Welle wird nun erst auf uns zukommen.“ Aktuell, so sein Kenntnisstand, gebe es in der Gemeinde Verdachtsfälle, bei denen das Ergebnis noch ausstehe. So sei nicht abzusehen, wie sich die Lage entwickele.

An diesem Freitagmorgen ist noch nicht alles im Ablauf klar, nur die Gewissheit besteht, dass diese Nachbarschaftshilfe ab dem Wochenende 28./29. März starten soll. Auf Nachfrage unserer Zeitung verdeutlicht Limbacher, dass diese Einkaufshilfe auch dann Bestand haben wird, wenn – wie viele erwarten – eine Ausgangssperre für weitere Einschränkungen sorgen wird. Als ehrenamtliche Helfer hätten sich bislang unter anderem Aktive des Kirkeler Bürgerbusses (dessen Betrieb zwischenzeitlich eingestellt wurde), des ASB und des Ortsrates gemeldet. Der ASB wird zusätzlich über seine Essensfahrer sowohl ein Informationsschreiben als auch einen Einkaufslisten-Vordruck an die Haushalte ausliefern, die man jetzt schon mit dem rollenden Mittagstisch anfahre. „Diese Liste kann man dann am nächsten Tag dem Essensfahrer wieder mitgeben“, erklärt Ina Schott. „Dann muss auch nicht noch ein zusätzlicher Ehrenamtlicher dorthin.“ Wie sich die Einkaufshilfe in der täglichen Praxis gestalte, das werde sich dann ergeben – entscheidend sei natürlich, dass alles ohne direkten persönlichen Kontakt zwischen Helfer und zu Unterstützendem ablaufe. Zudem werde man auch sicherstellen, dass sich ehrenamtliche Helfer auch Dritten gegenüber legitimieren könnten.

Was Max Limbacher als zusätzlichen Effekt dieser Nachbarschaftshilfe nennt, das ist die Unterstützung der lokalen Unternehmen. „Wir werden nicht nach Einöd zum Einkaufen fahren und nicht nach Homburg – sondern hier im Ort, damit wir, soweit es eben geht, hier ein bisschen Stabilität in die Infrastruktur reinbringen.“ Unterdessen haben sich in Limbach einige Geschäfte, die von der angeordneten Betriebs- und Ladenschließung betroffen sind, schon auf die Situation eingestellt. So gibt es Lieferdienste für Bücher, Wein und anderes. Über soziale Netzwerke erfolgt ein reger Austausch, die Stimmung wirkt alles andere als gedrückt, man hat die Herausforderung mit Verantwortungsgefühl angenommen und scheint das Beste daraus zu machen.

Auch in Kirkel-Neuhäusel ist die Nachbarschaftshilfe angelaufen, Ortsvorsteher Hans-Dieter Sambach hat sich über Facebook an den Ort gewandt.

„Zurzeit sind wir gerade dran, ein Freiwilligennetz aufzubauen, welches insbesondere den älteren und geschwächten Mitmenschen hier in der Gemeinde helfend zur Seite stehen und diese bei Einkäufen unterstützen soll. Diese hilfsbedürftigen Mitglieder unserer Dorfgemeinschaft wollen wir nicht alleine im Regen stehen lassen und deshalb freue ich mich über Ihre Mithilfe, Kirkel braucht Sie!“

Was grundsätzlich nun wichtig ist, bringt Maike Jung am Freitagmorgen soauf den Punkt: „Die Leute müssen zuhause bleiben!“

Schon vor der nun in Limbach anlaufenden, ehrenamtlich getragenen Nachbarschaftshilfe haben sich Geschäfte im Ort auf die Situation infolge der Corona-Pandemie eingestellt. Foto: Thorsten Wolf

Wer sich als Helfer für die Aktion  melden will, für den hat der Ortsvorsteher von Kirkel-Neuhäusel online ein entsprechendes Formular bereitgestellt (https://bit.ly/2xNBjkS). Wer sich in Limbach/Altstadt engagieren möchte, der kann sich vorerst direkt an Max Victor Limbacher unter der Rufnummer (01 75) 7 71 14 47 oder per E-Mail an ov.limbach@web.de wenden. Nach Einrichtung einer zentralen telefonischen Rufnummer soll diese umgehend bekannt gemacht werden.