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Buchhändlerin und Intensivpflegerin aus Limbach

Kostenpflichtiger Inhalt: Neue Tätigkeit für Limbacher in der Corona-Krise : Vom Buchhändler zum Intensivpfleger

Die Chefin der Buchhandlung Hahn in Limbach, ihr Ehemann und eine Mitarbeiterin, sind gelernte Krankenpfleger.

Die Corona-Pandemie setzt den Unternehmen und Gewerbetreibenden hart zu. Wer nun kann, der verändert seine Geschäftsabläufe. So wie die Limbacher Buchhandlung Hahn. Die ist seit einigen Tagen geschlossen. Doch Bücher kann man dort weiterhin kaufen – online bestellt und corona-konform ohne Kundenkontakt ausgeliefert, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Doch das ist es nicht, was Hahns in diesen Tagen so einzigartig macht, denn: Chefin Jasmin Hahn, ihr Mann Markus und Mitarbeiterin Birgit Klein sind von Hause aus Krankenpfleger.

Markus Hahn arbeitet hauptamtlich auf einer Dreiviertel-Stelle als Intensivpfleger auf der Interdisziplinären Operativen Intensivstation (IOI) am Universitätsklinikum in Homburg. Im Laden in der Hauptstraße ist er eigentlich nur „nebenberuflich“ aktiv. Birgit Klein arbeitet zur Hälfte im Buchladen, zur Hälfte auch in der IOI. Jasmin Hahn allerdings hat sich schon vor Jahren für ihre zweite berufliche Leidenschaft entschieden und wurde selbstständige und unabhängige Buchhändlerin. Doch jetzt stellt sie sich den Herausforderungen dieser Tage und bereitet sich auf eine zeitweise Rückkehr als ausgebildete Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege am Homburger UKS vor.

Den Entschluss dazu hat sie schon zu Beginn der Krise getroffen. „Da war noch keine Rede von Ladenschließung, aber ich wollte vorausschauend handeln. Und irgendwie solidarisch. Dort im wahren Leben einspringen und nicht nur in der Bücherwelt. Für mich gleich selbstverständlich, habe ich meine Bereitschaft signalisiert, zumindest für eine Weile zurück in den Pflegedienst zu gehen. Dann habe ich meine Zeugnisse aus den Schubladen rausgekramt“, erzählt sie.

Für Jasmin Hahn wird nun eine ganze besondere Zeit anbrechen. „Nach vielen Jahren werde ich auf eine Station zurückkehre, und es wird alles anders sein. Meine ehemalige Jungschwester Anja Danner ist nun meine Stationsleitung, mein junger Schüler Alex wird mich wieder anlernen und mein Mann darf dort endlich mein Chef sein. Birgit wird viel mehr wissen als ich und ich muss wieder lernen, wie es ist, ohne Mittagspause auszukommen. Am Mittwoch war ich zu einer internen Fortbildung dort, und es war ein bisschen wie nach Hause kommen. Angst habe ich keine.“ Beworben hat sie sich für eine Dreiviertelstelle. „Ich hoffe, ich kann im April spätestens anfangen, aber ich muss noch auf Papiere warten, das erweiterte Führungszeugnis. Die Behörden sind aber derzeit einfach überlastet.“

Kommt alles so wie geplant, werden sich Jasmin und Markus Hahn dann zwischen ihrem, der aktuellen Corona-Lage angepassten Buchhandel, und ihrem Dienst am Universitätsklinikum aufteilen. Dass der Laden mit seiner nun notwendig gewordenen Umstellung auf Online-Bestellungen und kontaktlose Auslieferung wie bisher weiterlaufen kann, dafür sorgen auch die anderen Hahns – Tochter Rabea und Sohn Rouven. Und in Sachen Auslieferung ist es mit Mitarbeiterin Annegret Homberg ein in Limbach bekanntes Gesicht, das dafür sorgt, dass dort, aber auch über den Ort hinaus, der Lesestoff nicht ausgeht. Was Homberg nicht mit dem Auto ausliefert, das bringt Rouven mit dem Rad. Und Markus Hahn liefert mit dem Auto nach Homburg und zur Post.

Jasmin Hahn: „Der Lieferservice wird bestens angenommen. Wir arbeiten derzeit alle von früh bis sehr spät, wer nachts noch in Limbach spazieren geht, kann uns beim Arbeiten zugucken. Den ganzen Tag klingelt das Telefon, pingen WhatsApp oder Social Media Töne. Es kommt eine Bestellung, eine Anfrage, eine Bitte nach Beratung, eine Frage nach Öffnungszeiten anderer Geschäfte, und überhaupt, wie es uns denn ginge, ob wir noch gesund seien und wie wir das schaffen würde, so ohne Laden.“ Sie schaffen es, mit Arbeitsteilung und viel Rücksicht auf den anderen. Und mit Unterstützung von Freunden: Susanne Bach-Bernhard hat dem „Team Hahn“ für die Arbeit im Buchladen eigens Mundschutz-Masken genäht. Die sind dann nötig, wenn Birgit Klein und Annegret Homburg im Dienst sind – sie gehören ja nicht zu Familie.

Mit Blick auf ihren anstehenden Dienst am UKS schaut Jasmin Hahn in die Zukunft, in die Zeit nach Corona. „Nun, während der Krise – und wir sind sicher erst am Anfang – fängt die Gesellschaft an, über systemrelevante Berufe nachzudenken. Dazu gehören auch Krankenschwestern und Krankenpfleger. Ich hoffe, es wird nach der Krise nicht wieder vergessen. Wir brauchen ein stabiles Gesundheitssystem und dazu gehören gut bezahlte Pflegekräfte mit besseren Arbeitsbedingungen.“

Geht alles nach Plan, dann werden Jasmin und Markus Hahn ab April wieder gemeinsam in der Intensivpflege am UKS im Einsatz sein. Foto: Ute Förderer

Im Ortsteil Limbach sei es mittlerweile ruhig geworden. „Alle sind zuversichtlich, dass wir diese Zeit zusammen gut überstehen werden, und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Limbach ist fantastisch“, so die Einschätzung. Wie schon Helmut Schmidt, der frühere Bundeskanzler, einmal sagte: „In der Krise beweist sich der Charakter.“ Und der scheint in Limbach einer von großem Wert zu sein.