Wie Vereinssport Schule macht

Vereine kämpfen derzeit mit etlichen Problemen: der fehlende Nachwuchs, die Zuschüsse für Hallen und Plätze, die Suche nach geeigneten Trainern und Betreuern. Darüber und über Lösungsansätze sprachen Vertreter des Stadtverbandes für Sport beim Besuch in der Homburger Redaktion.

 Werner Hoffmann, Leiter des Amtes für Schule und Sport bei der Stadt Homburg, Astrid Bonaventura und Thomas Clemenz vom Stadtverband für Sport (von links) waren in der Homburger Redaktion unserer Zeitung zu Gast. Foto: Stumm/SZ-Redaktion
Werner Hoffmann, Leiter des Amtes für Schule und Sport bei der Stadt Homburg, Astrid Bonaventura und Thomas Clemenz vom Stadtverband für Sport (von links) waren in der Homburger Redaktion unserer Zeitung zu Gast. Foto: Stumm/SZ-Redaktion Foto: Stumm/SZ-Redaktion

Den Vereinen geht der Nachwuchs aus - das ist schon seit längerem eines der großen Probleme, mit denen sich auch der Stadtverband für Sport beschäftigen muss. Es ist eines der wichtigen Anliegen, die Astrid Bonaventura, die Verbandsvorsitzende, einer ihrer Stellvertreter Thomas Clemenz und Geschäftsführer Werner Hoffmann, zugleich Leiter des Amtes für Schule und Sport der Stadt Homburg , in die Redaktion unserer Zeitung mitgebracht haben.

Eigentlich sind sie, beziehungsweise die um die 80 Vereine, die zum Verband gehören, ziemlich versiert, wenn es darum geht, mehr Kinder für Sport zu begeistern. Da gibt es etwa die Aktion "Schule und Verein". Dabei stellen Vereine an einem Tag an einer Schule Sportarten vor, um so Interesse zu wecken. Bislang an Grundschulen angesiedelt, stünden diesmal erstmals weiterführende Schulen im Fokus. Am 10. Oktober werden die Schüler der drei Homburger Gymnasien im Erbacher Sportzentrum bei den Angeboten der Vereine mitmachen können.

Gründe dafür, dass man immer weniger Kinder in Vereinen findet, gibt es mehrere. Zum einen gibt es bedingt durch die demografische Entwicklung allgemein weniger Kinder im Land. Zum anderen macht den Vereinen die Ausweitung der Nachmittagsbetreuung zu schaffen. "Die Kinder kommen erst nachmittags aus der Schule", erklärt Clemenz. Daher verschiebe sich alles in den frühen Abend. Mittlerweile haben sich die Vereine so gut es geht auf die neue Situation eingestellt. "Die Schulen suchen auch Angebote für den Nachmittag", betont Bonaventura. Allerdings: nicht immer lägen Schule und Turnhalle so nah beieinander, dass man die Kinder einfach zum Sport schicken könne. Ist die Entfernung größer, stelle sich die Frage nach der Aufsichtspflicht . Zudem gebe es zeitliche Probleme auf mehreren Ebenen: Fast alle Übungsleiter im Verein seien ehrenamtlich tätig, müssen also arbeiten und haben nicht unbedingt am frühen Nachmittag Zeit, etwas anzubieten. Generell gilt: Verschiebt sich alles Richtung früher Abend, werde es in Hallen und auf den Plätzen eng. "Von 17 bis 19 Uhr sind die begehrtesten Stunden", sagt Hoffmann. "Was sehr gut funktioniert, ist die Zusammenarbeit", betont Bonaventura. Mit dem Sportamt sei man eng vernetzt, mit den Hausmeistern funktioniere es gut, kleinere und Ausnahmelösungen könnten schnell auf den Weg gebracht werden.

Dass Kinder weniger Sport machen, sich weniger bewegen, habe grundlegende Auswirkungen. Bereits an den Kleinen stelle sie fest, dass sie oft in der Bewegung eingeschränkt sind, berichtet Bonaventura. "Werfen Sie Kindern einen Ball zu: Von zehn versuchen fünf, ihn zu fangen, der Rest weiß gar nicht, was passiert", erläutert sie. Dazu kommt: Nicht nur die Kinder fehlen. Es sei sehr schwer, Trainer und Betreuer zu finden, sagen die Drei.

Wohin könnte der Weg führen? "Man wird davon wegkommen, dass es nur noch Einzelvereine gibt. Früher haben sich viele große Vereine aufgespalten, der Weg geht wieder zurück", nennt Astrid Bonaventura eine Perspektive.

Weiteres Thema: der Zustand der Hallen und Plätze. Der Stadtverband schaue sich jedes Jahr an, wo es wie aussieht, um vorzuschlagen, wie das Investitionsgeld der Stadt verteilt werden könnte. Viele Vereine, die eine eigene Halle und/oder Platz hätten, beklagten den Kostenanstieg vor allem bei der Energie. Höhere finanzielle Unterstützung wünscht sich der Verband.

Viele Investitionen hängen auch am Sportstättenbedarfsplan, den die Sportplanungskommission einfordert. Die Kommission entscheidet nach Richtlinien der Landesregierung über Zuschüsse zu Bau, Unterhaltung und Ausstattung von Sportanlagen im ganzen Land. Ohne den Plan werde kein Geld frei, sagt Hoffmann. Die Stadt Homburg habe zwar eine Bestandsaufnahme eingereicht, etwa über Mitgliederzahlen und gemeldete Jugendmannschaften samt Auswertung der Einwohnerstatistiken, doch das reiche dem Gremium nicht aus. Nun werde an der Aufstellung des Gewünschten gearbeitet, es gehe vor allem um die Zukunftssicherheit einzelner Vereine, erläutert er.