Warnstreik vor den Toren von Bosch

Homburg. Gegen 11.30 Uhr erklang vor dem Bosch-Werk in Homburg unverkennbar über Lautsprecher die Stimme von AC/DC-Leadsänger Bon Scott, der auf CD "Highway to hell" brüllte

 Die jugendlichen Gewerkschafter waren gestern beim Warnstreik bei Bosch gut vertreten, darunter auch Andy Siegel, zweiter von links. Er kämpft für die Übernahme aller Azubis in den metallverarbeitenden Betrieben. Bei Bosch in Homburg ist das der Fall, anderswo noch längst nicht. Foto: Thorsten Wolf

Die jugendlichen Gewerkschafter waren gestern beim Warnstreik bei Bosch gut vertreten, darunter auch Andy Siegel, zweiter von links. Er kämpft für die Übernahme aller Azubis in den metallverarbeitenden Betrieben. Bei Bosch in Homburg ist das der Fall, anderswo noch längst nicht. Foto: Thorsten Wolf

Homburg. Gegen 11.30 Uhr erklang vor dem Bosch-Werk in Homburg unverkennbar über Lautsprecher die Stimme von AC/DC-Leadsänger Bon Scott, der auf CD "Highway to hell" brüllte. Die IG Metall Homburg-Saarpfalz hatte in sämtlichen metallverarbeitenden Betrieben zu einem rund zweistündigen Warnstreik aufgerufen, der vielerorts auch befolgt wurde, zum Beispiel bei Schaeffler, bei Thyssen-Krupp Gerlach, bei Hager, Alstom und Terex Demag. Einige Gewerkschafter aus diesen Betrieben hatten sich ebenfalls bei Bosch vor den Werkstoren eingefunden, um bei der dortigen Veranstaltung dabei zu sein.Laut war die Kundgebung auf jeden Fall, zumal die legendäre Hardrockband AC/DC nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat und ihre Musik wie eine Metallsäge übers Gelände kreischte. Allerdings muss man anmerken, dass sich die Bosch-Niederlassung in Homburg keineswegs auf dem Highway to hell, also auf der Autobahn zur Hölle, befindet. Im Gegenteil, von den drei in diesem Frühjahr deutlich hervorgebrachten IG-Metall-Forderungen sind zwei bei Bosch bereits erfüllt: Auszubildende werden allesamt übernommen, Leiharbeit findet kaum statt - und wenn, dann zu Bosch-Bedingungen.

Was noch aussteht, ist eine Lohnerhöhung von rund 6,5 Prozent, die die IG Metall bundesweit fordert. Bisher liegt das Angebot bei knapp drei Prozent, "einfach lächerlich", wie es Andy Siegel ausdrückte, der Jugendvertreter der Gewerkschaft bei Bosch. Er findet es lobenswert, dass die Bosch-Azubis übernommen werden, "aber wir kämpfen dafür, dass dies auch in allen anderen Betrieben der Fall sein soll."

Auch Alex Kreutz von Bosch-Rexroth machte deutlich, "dass wir hier auch für alle Kollegen einstehen. Es geht nicht nur um Bosch, sondern um uns Metaller ganz allgemein. Wir kämpfen hier für unsere Kollegen mit." 7800 Metaller aus der Saarpfalz seien gestern auf den Straßen gewesen, betonte Werner Cappel, der erste IG-Metall-Bevollmächtigte des Bezirks Homburg-Saarpfalz.

Er erläuterte auch den weiteren Zeitplan: Am 9. Mai wird es die nächste Verhandlungsrunde geben, Standort ist Zweibrücken; sollte bis dahin immer noch keine Einigung erzielt werden, "dann ist der 15. Mai das letzte Datum, danach wird über einen richtigen Streik abgestimmt." Bis dahin hoffen die Beschäftigten, dass eine Einigung auch ohne diese Maßnahme möglich sein wird, "denn ein echter Streik, der zerrt schon an den Nerven", wie eine Bosch-Mitarbeiterin zugab.

Kein Wunder, dass sich die IG Metall deshalb kämpferisch gab und nicht mit großen Worten sparte. Da wurden die immensen Industrie-Gewinne des vergangenen Jahres herangezogen, die vielen Millionen aufgezählt, die für die Aktionäre dabei abgefallen seien - und dazu der kleine Anteil beschworen, den die Arbeitnehmer, "die den ganzen Wohlstand überhaupt geschaffen haben", für sich reklamieren. Dies rechnete Christiane Brenner vor, die von der IG Metall-Zentrale in Frankfurt nach Homburg gekommen war.

Dieter Klein, der Betriebsratsvorsitzende von Bosch, betonte, was die Belegschaft bewegt: "Das Heizöl ist enorm gestiegen, die Sprit-Preise sind extrem hoch, die Energiekosten fressen das Budget einer Familie auf. Da muss mehr Geld in die Kasse kommen." Doch damit sprach er ein gesamtgesellschaftliches Problem an, das eigentlich schon über die Belange der IG Metall hinausgeht: Wie wettbewerbsfähig ist der Standort Deutschland angesichts steigender Energiekosten? "Es hängt alles voneinander ab", sagt Dieter Klein, "wenn weniger Autos verkauft werden, sind wir als Zulieferer betroffen. Jede Krise schlägt voll durch."

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