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Filmnacht mit Monty Phyton in Homburg

Römisches Ambiente : Römische Kulisse für Römer-Klamauk

Einen passenderen Rahmen für die Filmnacht als das Römermuseum hätte es kaum geben können. „Das Leben des Brian“ spielt zur Römerzeit und passte gut in die antiken Ruinen

Es gibt Anlässe, die überhäufen einen mit Bildern vor dem geistigen Auge, mit Wortspiel-Optionen, mit ganzen Ketten von Assoziationen. Genau ein solcher Anlass war die Homburger Filmnacht im Römermuseum in Schwarzenacker am vergangenen Samstagabend: Quasi inmitten einer gallo-römischen Ausgrabungsstätte Monty Pythons Klassiker „Das Leben des Brian“ zu zeigen, das war an sich schon ein echter Coup.

Nun, für alle, denen sich eben der nicht direkt erschließt, hier ein paar Fakten zum Film: „Vor über 2000 Jahren kam in Jerusalem Jesus Christus zur Welt. Im Stall nebenan wurde Brian geboren und prompt mit dem Messias verwechselt. Auch 30 Jahre später wird Brian für den Messias gehalten. Dumm nur, dass jeder Versuch, seine Jünger vom Gegenteil zu überzeugen, sie nur noch mehr an die Bescheidenheit ihres Messias glauben lässt. Was der Wundertäter wider Willen allerdings nicht weiß: Das ihm auferlegte Schicksal schließt den Tod am Kreuz mit ein.“ So die offizielle Kurzbeschreibung des Films. Und ein jeder weiß: Jeder nur ein Kreuz.

Und am Ende singen natürlich alle gemeinsam „Always look on the bride Side of Life.“ Nun, für fünf Euro in die Wortspielkasse, hieß es am Samstag corona-bedingt „Jeder nur einen Stuhl“, natürlich lief die Veranstaltung mit einem offiziellen Hygiene-Konzept, sonst wäre wohl auch ordnungsrechtlich, natürlich bildlich betrachtet, eine gepflegte Steinigung der Verantwortlichen fällig gewesen, ganz ohne „Jehova, Jehova“.

Kaum ein Film hat es geschafft, sich mit seinen Gags so ins Allerweltswissen einzugraben, wie „Das Leben des Brian“. Selbst für die, die das Kunststück geschafft haben, den Film nie, tatsächlich nie zu sehen, sind eben Sätze wie „Jeder nur ein Kreuz“ gängiges Vokabular – nicht selten wahrscheinlich vollkommen unwissend darüber, woher der Satz eigentlich stammt.

Der Film selbst sorgte nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1980 für einigen Zündstoff, nicht wenige Vertreter großer Religionen hätten den Pythons wahrscheinlich gerne ganz persönlich ein Kreuz in die Hand gedrückt – um die Mitglieder der Komiker-Truppe Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin dingfest dann daran festzunageln.

Der satirisch-kritische Umgang mit den Dogmatismen von Christentum und Judentum, aber auch politischer Gruppen, hatte eine ausufernede Diskussion über Meinungsfreiheit (damit hat der Film jenseits seiner cineastischen Güte einen Ewigkeitswert, wie man auch in diesen Tagen feststellen kann) und ein Aufführungsverbot in Ländern wie den USA zur Folge.

Tatsächlich war den Pythons in „Das Leben des Brian“ nichts heilig. Mit dem legendären Zwist zwischen der „Volksfront von Judäa“ und der „Judäischen Volksfront“ nahm die Komiker-Truppe beispielhaft gekonnt und elegant die ideologischen Grabenkämpfe politischer Gruppierungen aufs Korn – getrennt im Kampf für das gleiche Ziel.

Und dass Menschen blind und sinnentleert einer Sandale oder einem Wacholderbusch als Heilsbringer hinterherlaufen und dabei auch folgenschwere Konsequenzen für Dritte in Kauf nehmen (man denke nur an den Tod des als Ketzer beschuldigten Eremiten), auch das mag man ohne Mühe in die heutige Zeit transferieren. Also: Eine Geschichte aus römischer Zeit mit Botschaften für das Heute, am Samstag präsentiert an einem Ort, an dem man römische Geschichte von gestern fürs Heute aufbereitet: Viel besser hätte man es eigentllich nicht zusammenschnüren können.

Für das Römermuseum Schwarzenacker bedeutete der Kinoabend eine erneute Ausweitung des Angebots über das eigentlichen „Kerngeschäft“ hinaus. Und die Filmnacht bildete auch einen gelungenen 2020-er Abschluss der Bemühungen, auch mit der Reihe „Kultur im Museum“ die Einrichtung im Gespräch zu halten.

 Natürlich war auch alles gegen Hunger und Durst aufgefahren, ebenfalls mit römischem Touch.
Natürlich war auch alles gegen Hunger und Durst aufgefahren, ebenfalls mit römischem Touch. Foto: Thorsten Wolf

Sabine Emser, die Archäologin des Römermuseums: „Wir hoffen natürlich, dass wir mit diesen kulturellen Angeboten eine größere Zielgruppe angesprochen haben. Mit ‚Kultur im Museum‘ war das eine tolle Erfahrung, da haben wir viele, viele Leute für unsere Fangemeinde hinzugewonnen.“ Der corona-bedingte Umzug des Homburger Open-Air-Kinos von der Hohenburg auf dem Schlossberg ins Römermuseum Schwarzenacker könnte dabei durchaus System gewinnen. „Ich würde dafür plädieren, dass wir diese Veranstaltung im Wechsel zwischen Schlossberg und Römermuseum durchführen“, so Homburgs ehrenamtlicher Kulturbeigeordneter Raimund Konrad, „das ist eine gute Idee.“