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Saar-Poprat fordert sofortige Hilfe für die Eventkultur-Branche

Hilferuf der Kreativbranche : „Tiefe Verzweiflung“ bei den Veranstaltern

Angesichts neuer Einschränkungen durch die Pandemie fordert der Poprat Saar sofortige Hilfe für die am Abgrund stehende Eventkultur-Branche.

„Dialog alleine reicht nicht!“ – so beginnt eine lange Mitteilung des Poprates, in der die bedrohte Veranstaltungs- und Kreativbranche im Land ihrem Ärger Luft macht. Im siebten Monat der Krise mache sich „tiefe Verzweiflung“ breit, schreibt der Zusammschluss von Pop-Kultur-Akteuren. Von „hoffnungsloser Perspektivlosigkeit“ ist die Rede angesichts der steigenden Corona-Zahlen, die erneut verschärfte Auflagen nach sich gezogen haben. Die könnten den Todesstoß für die Branche bedeuten.

Zumal Überbrückungshilfen des Bundes weiterhin für die meisten der Unternehmer  – darunter viele Solo-Selbstständige – nicht greifen. „Viele von uns müssen seit Monaten mit nahezu null Einnahmen überleben. Viele ohne die Vorzüge von Kurzarbeitergeld oder Unternehmerhilfen, wie sie andere Bundesländer längst realisiert haben“, so der Vorwurf an die Landesregierung. „Es dauert zu lange mit der finanziellen Unterstützung“, beklagt Konzertveranstalter Kai Jorzyk als Vertreter der AG Veranstaltungsbranche des Poprates. „Die Hilfen müssten zudem besser auf die Firmen und die vielen Solo-Selbstständigen zugeschnitten sein.“ Denn bei den so genannten Überbrückungshilfen würden nur Betriebskosten zu 80 beziehungsweise 90 Prozent ausgeglichen. Für den Lebensunterhalt der Unternehmer bleibe nichts übrig. „Die werden dann auf die Grundsicherung verwiesen“, kritisiert Jorzyk. Vor allem die Solo-Selbstständigen  – zum Beispiel Künstler, Techniker, Event-Manager – treffe dies hart.

Zudem kritisiert der Poprat, dass die Branche mit ihrer Sachkenntnis nicht zu Rate gezogen wird, bevor neue Corona-Verordnungen erlassen werden. „Wieder wurden Auflagen erlassen, die unsere Branche völlig unbegründet hart treffen und uns den letzten Rest Handlungsspielraum nehmen“, schreibt der Poprat. Denn es seien eben nicht die professionell organisierten kulturellen Veranstaltungen mit ausgeklügeltem Hygienkonzept, die für die steigenden Infektionszahlen verantwortlich seien, sondern unkontrollierte und „ausufernde Feierlichkeiten im privaten Rahmen“.  Die Veranstaltungs-, Event- und Kreativbranche sei „wieder einmal der Sündenbock“.

Jorzyk versichert, dass auch seine Branche Einschränkungen für den Infektionsschutz in Kauf nehmen will. Die meisten bemühten sich, flexibel zu sein, Veranstaltungen umzuplanen oder zu verlegen. Doch mittlerweile seien viele erschöpft, finanziell und nervlich. Zwar werde man von der Politik gehört, man sei mit vielen Stellen und Institutionen im Gespräch. Und auch die neu eingerichtete Kontaktstelle für die Kreativbranche im Wirtschaftsministerium sei hilfreich. Allerdings nur dann, wenn endlich auch Gelder flössen, um die Branche ins kommende Jahr zu retten.