Maria Grätzel ist die neue Orchestermanagerin der DRP

Saarbrücker Orchester : Orchestermanagerin Monika Grätzel, eine Frau für die erste Reihe

Man kommt mit Maria Grätzel quasi ansatzlos ins Gespräch. Über die österreichische Regierungskrise oder die Lage der gar nicht mehr so neuen Bundesländer etwa. Klar, Kultur, Musik, Orchester: Das sind Arbeits- und gewiss auch Lebensschwerpunkte der neuen Orchestermanagerin der Deutschen Radio Philharmonie (DRP).

Aber Grätzel beschränkt sich eben nicht darauf. Und jedem ihrer bisherigen Lebensorte, und deren waren es reichlich, begegnete die gebürtige Mainzerin offenbar mit großer Leidenschaft. Reduziert man Dresden etwa leichtfertig auf Pegida-Aufmärsche, macht sie sich prompt zur Anwältin eines bürgerlichen, anpackenden, kulturliebenden Dresden. Dabei war sie gerade mal zwei Jahre dort als persönliche Referentin von Star-Dirigent Christian Thielemann. Man darf sich jetzt also schon freuen, wenn Grätzel hier für ihr neues Orchester streitet.

Und Thielemann, dieser Wagner- und Strauss-Gott? „Es war eine großartige Erfahrung, ihn zu erleben“, sagt sie. „Doch nur auf eine Person konzentriert zu sein“, war ihr dann doch zu wenig. Sie will „das große Ganze planen, gestalten“. Ja, man versteht das noch besser, schaut man nur auf einige ihrer vielen Stationen. Nach einem Orchestermusik-Intermezzo (Studienhauptfach Violine) und dem Studium der Literatur-, Theaterwissenschaft und Philosophie, war sie Musikdramaturgin an gleich drei Bühnen (Heidelberg, Kassel, Freiburg), Geschäftsführerin des Münchner Kammerorchesters, Orchesterdirektorin des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und leitete das künstlerische Betriebsbüro des renommierten Grafenegg-Festivals in Niederösterreich. Eine Frau für die erste Reihe eben – und nicht für die Referentinnen-Stelle.

Die DRP mit ihrer geglückten Fusions-Geschichte, die aber auch die Tradition der Vorgängerorchester in sich trage, sei ein bedeutendes Rundfunkorchester; genau so ein Klangkörper habe sie gereizt. Selbst wenn Saarbrücken für sie bis dato ein kaum gekannter Punkt auf der Landkarte war, die DRP war ihr sozusagen persönlich bekannt. Mit Christoph Poppen, dem einstigen DRP-Chef, arbeitete sie nämlich bereits in den 1990ern beim Münchner Kammerorchester zusammen. Der gute Kontakt riss nie ab. So waren ihr manche Interna längst vertraut, bevor sie nach Saarbrücken kam. Vielleicht wirkt sie deshalb auch schon so angekommen. Obwohl sie nicht mal vier Wochen im Amt ist.

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