Die Radio Philharmonie setzt einen Beethoven-Schwerpunkt

Neue DRP-Konzertsaison in Saarbrücken : Mit der Beethoven-Playlist in die neue Saison

Beethoven ist der große Musikjubilar 2020 – und auch die Radio Philharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern huldigt dem Sinfonie-Titan nächste Saison.

Bilder sagen ja (manchmal jedenfalls) mehr als viele Worte. Also: Fix die Seiten 6 und 7 des druckfrischen Konzertprogramms der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) aufblättern, und man weiß, was Sache ist. Durchdringend schaut er einen an, der Herr Ludwig van. Klar, 2020 wird sein Jahr. Mit seinem 250. Geburtstag. „Die gesamte Musikwelt feiert Beethoven, wir natürlich auch“, sagt Maria Grätzel. Seit nicht mal vier Wochen ist sie die neue Konzertmanagerin des Orchesters. „Aber einfach nur alle Neune spielen, das machen wir nicht.“

In der Tat ist die Verlockung gewaltig, das Beethoven-Jahr mit einem Zyklus seiner Sinfonien zu bejubeln. Die pompöse Lösung. DRP-Chefdirigent Pietari Inkinen aber und Grätzels Vorgänger Benedikt Fohr, mittlerweile zum Manager des Hong Kong Philharmonic Orchestra avanciert, wollten nicht bloß einen beeindruckenden, sondern auch einen beeindruckend vielfältigen Beethoven-Schwerpunkt.

 Natürlich gilt es auch dem Sinfonie-Titan. Die Neunte, dieses Hybrid aus Chor- und Orchesterwerk, spielt die DRP gleich fünf Mal zwischen dem 8. und 31. Mai 2020 – in Saarbrücken, dann auch in Stuttgart, beim Festival Schwäbischer Frühling, beim Bodensee-Festival wie auch den Ludwigsburger Festspielen. Gemeinsam mit der exzellenten Gaechinger Cantorey – und das quasi nach aufgefrischten Noten, in der Neuausgabe von Breitkopf und Härtel nämlich. Das Quintett der Spielorte zeigt zudem, dass das Orchester mit den beiden Basen in Saarbrücken und Kaiserslautern in der Saison 2019/2020 wieder erfreulich oft auch auf Tour ist.

Zurück zu Beethoven aber: Ausnahme-Pianist Lars Vogt wird (13. und 14. März) alle fünf Klavierkonzerte des Bonner Komponisten spielen – und dirigieren. In Baden-Baden startet man Anfang Oktober 2019 schon das Beethoven-Projekt John Neumeier. Der Star-Choreograph zeigt mit dem Hamburg Ballett im Festspielhaus an der Oos Tanztheater zu und mit der Musik Beethovens – gespielt von der DRP, dem SR/SWR-Orchester.

Trendy nähert sich die DRP dem Jubilar dann auch noch. Für „My Playlist Beethoven“, erläutert Grätzel, habe man Kinder und Jugendliche nach ihren Beethoven-Hits gefragt. Nicht aber das Tatatataaa der Schicksals-Sinfonie machte das Rennen, sondern der zweite Satz aus der Siebten.

Darf’s außer Beethoven sonst noch was sein? Aber sicher doch! Chefdirigent Inkinen wird auch in seiner dritten Saison die Zyklen mit Dvorák und Prokofjew-Sinfonien fortsetzen. Einmal mehr huldigt der junge Finne auch seinem Landsmann Jean Sibelius, setzt aber auch auf die aktuellen Komponisten aus dem Norden: mit Werken von Kaija Saariaho, Esa-Pekka Salonen und Magnus Lindberg.

Solisten-Glanz garantieren 2019/2020 dann Star-Geiger Vadim Repin, die Labèque-Schwestern am Klavier und der Cellist Nicolas Altstaedt. Am Dirigentpult gibt es ein Wiedersehen mit dem früheren DRP-Chef Christoph Poppen. Auch Manfred Honeck, Josep Pons, Anja Bihlmeier, Joshua Weilerstein, Michael Francis und Raoul Grüneis werden das Orchester dirigieren.

Gleichermaßen „ambitioniert wie spannend“ werde die Saison, meint Maria Grätzel über das Porgramm, das noch nicht das ihre ist. Schließlich haben es noch Inkinen und Fohr konzipiert. Ihre Handschrift wird man erst in der übernächsten Spielzeit merken. Eine Revolution steht aber wohl nicht ins Haus, schließlich sei eben dieses Haus gut bestellt, sagt Grätzel. Heißt aber nicht, dass sie nicht ihre Ideen habe. Ganz sicher werde sie die Saison 2020/2021 mit deutlich mehr Paukenwirbel präsentieren, sagt die Orchestermanagerin. Nicht bloß den Medien will sie das Programm vorstellen, sondern auch den Abonnenten – in einer eigenen Abendveranstaltung. „Und dann gibt es hier das wunderbare Max-Ophüls-Festival, da muss man doch was zusammen  machen.“ Der Neu-Saarbrückerin schwebt ein Filmkonzert zur Festivalzeit im Januar vor. Mit einem Eisenstein-Film etwa; der Regisseur arbeitete ja mit Prokofjew, oder auch mit dem Rosenkavalier-Film. Unbedingt will sie der Radio Philharmonie in der Region und darüber hinaus noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Klingt vielversprechend. Und wie man sich einen Platz im Rampenlicht erobert, das konnte sie ja bei ihrem Bis-vor-kurzem-Chef Christian Thielemann vortrefflich studieren.

www.drp-orchester.de

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