Orgelsanierung St. Ludwig Spiesen : Im Advent soll sie wieder erschallen

Die Klais-Orgel in St. Ludwig Spiesen wird derzeit gesäubert, repariert und ergänzt.

Er klebt überall, der graue, schmierige Staub jener Sorte, die Hausfrauen und -männer beim Küchenputz verzweifeln lässt. Hier auf der Empore in St. Ludwig machte die zähe Masse Ralph Buchstäber schon längere Zeit das Organistenleben schwer. „Die Mischung aus Ruß und Staubpartikeln legt sich auf alle Teile, auch in den Pfeifen. Das beeinträchtigt Stimmung und Klang.“ Der Vorgang selbst ist völlig normal. Wobei die Intensität der Verschmutzung von Faktoren wie Kerzenlicht oder Kirchenbeheizung abhängt. „Wir haben das ungünstigste Heizungssystem, bei dem warme Luft aus Schächten gepustet wird.“ Was dummer Weise zusätzlich die Schimmelpilzbildung begünstigt. Der Fall ist schon eingetreten – noch ein Grund für die am 3. August angelaufene Sanierung der Klais-Orgel. „Wegen der Gesundheitsgefährdung von Chor und Organist muss der Schimmel entfernt und eine Ausweitung unterbunden werden“, betont Buchstäber, Initiator der Orgel-Rettungsaktion (wir berichteten).

In den 80er Jahren wurde die 1959 von der Bonner Firma Klais gebaute Opus 1154-Orgel das letzte Mal gereinigt. Ziemlich lang her, befindet Orgelbauer Matthias Joanning. „Normalerweise sollte das etwa alle 20 Jahre erfolgen.“ Wobei die Häufigkeit von den Standortfaktoren abhängt und damit von Kirche zu Kirche unterschiedlich ausfällt. Der Zahn der Zeit hat jedenfalls schon deutlich genagt: Etliche der aus einer Zinn-Blei-Legierung gegossenen Pfeifen sind „gesackt“. So haben sich ihre Fußspitzen „durch Materialermüdung und das Eigengewicht“ im Laufe der Jahre in die jeweilige Bohrung im Holz gedrückt und dadurch verformt. Diese Spitzen müssen ausgetauscht werden.

Joannig arbeitet täglich „locker zehn Stunden mindestens“ an der Spieser Orgel, um voran zu kommen. Unterstützung erhält er von Ilka Feng, Auszubildende im 2. Lehrjahr. Sie spielt seit sechs Jahren Orgel. „Als kleines Kind habe ich Klavier gelernt“, die Begeisterung für Orgelklänge entwickelte sich bei den vielen Kirchenbesuchen mit der Familie daheim in der Nähe von Würzburg. Und als es um die Berufswahl ging, war Ilka Feng klar: „Auf jeden Fall was Handwerkliches.“ Ihre Entscheidung hat sie bisher nicht bereut: „Ich bin sehr glücklich damit.“

Parallel zum Ausbau der 2934 Pfeifen und dem Freilegen des Orgel-Körpers nehmen sich die Spezialisten des Spieltisches an, der quasi die „Kommandozentrale“ der Orgel darstellt. Aufgrund der ausgebauten Manuale und Schaltung ist er bereits kaum noch als Spieltisch erkennbar. „Eingebaut wird hier eine elektrische Setzeranlage“, freut sich Buchstäber. Diese erleichtert das Spielen einer Orgel dieser Größenordnung erheblich. Die Vorarbeiten erfolgen in Bonn.

Während der auch als Küster tätige Kirchenmusiker „vorsichtig optimistisch“ von November als Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme ausgeht, bestehen diesbezüglich bei Joanning keine Zweifel: „Das schaffen wir auf jeden Fall.“ Angedacht ist, den Spieser Adventsmarkt mit Konzerten hier in St. Ludwig zu kombinieren. „Aber ob das wegen Corona überhaupt möglich ist“, weiß derzeit kein Mensch, so Buchstäber. Maximal 60 Personen dürfen sich derzeit gleichzeitig in der Kirche aufhalten. „Das ist die Höchstgrenze.“

Geplant waren zur Finanzierung der 137 000 Euro teuren Sanierung eine Reihe von Aktionen. Am 5. März hatte man noch ein Orgelkonzert realisieren können, das einen kleinen dreistelligen Betrag einspielte. „Eine Woche später war Schluss.“ Die Hälfte der Sanierungskosten ist bereits finanziert. „Es gab schon viele Privatspenden, zum Teil sehr großzügiger Natur.“ Auch das Denkmalamt hatte bereits finanzielle Unterstützung zugesagt. „Das war im Februar. Ich hoffe, das gilt noch.“ Den Rest schießt die Gemeinde der katholischen Pfarrei St. Ludwig/Herz Jesu Spiesen-Elversberg aus Rücklagen zu.

 Orgelbauer Matthias Joanning prüft die Pfeifen.
Orgelbauer Matthias Joanning prüft die Pfeifen. Foto: Anja Kernig

„Aber wir sind künftig weiter auf Sponsoren angewiesen.“ Denn die Gelder aus dem Gemeindesäckel sind nur geliehen und müssen deshalb anderweitig refinanziert werden, weiß Buchstäber.