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Außergewöhnliche Kunst mit Pfeffer

Schiffweiler. Bilder und Schrift verbinden sich in den Arbeiten von Katharina Decker zu einem Ganzen. Dabei verarbeitet sie auch gerne mal ungewöhnliche Materialien. Bei der gut besuchten Vernissage las die Künstlerin von ihr verarbeitete Gedichte und Literaturpassagen. Anika Meyer

. Eine "Weltpremiere" nennt Katharina Decker, Künstlername INArts, ihre Ausstellung in der Galerie Miteinander in Schiffweiler halb scherzhaft. Zwar ist sie bereits seit rund 20 Jahren als Künstlerin tätig, doch hatte sie zuvor nie den Wunsch nach einer Ausstellung gehabt. "Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Bilder fertig sind und ich sie jemandem zeigen will." Ebenfalls bereits sehr lange sammelt Decker alte Bücher. Seit sie im letzten Jahr die Idee hatte, beide Leidenschaften miteinander zu verbinden, entsteht das, was sie selbst als vollendet und ausstellungswürdig empfindet: Collagen , versehen mit Gedichtversen, Literaturzitaten und kleinen Weisheiten in Sütterlinschrift. "Sein Blick ist im Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass ihn nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt", zitiert ein blassbraunes Bild den "Panther" von Rainer Maria Rilke . Im Jardin des Plantes in Paris hatte der das Tier in seinem Käfig beobachtet. Es geht um Eingesperrt sein und Dahinvegetieren. Die Zeichnung, die von der Schrift eingefasst wird, ist zart, bildet Kringel und Schleifen. In der Mitte blickt ein Auge dem Betrachter entgegen. Ein anderes Bild gibt die letzten Worte Anne Franks wieder, eingerahmt von getrockneten, weißen Rosenblättern und der Zeichnung einer Rose. Mit der Sütterlin-Schrift, die sich so ästhetisch in die Collagen einfügt, will Decker auch ein Statement setzen: Unterdrückung, Freiheitsberaubung und Zerstörung sind niemandes Recht. Ganz aktuell bezieht sie das auch auf Islam- und Fremdenfeindlichkeit: "Natürlich sollen unsere Kirchen erhalten bleiben. Aber andere Kulturen verbieten zu wollen und Ängste davor zu schüren, kann Schlimmes nach sich ziehen." Was Sütterlin damit zu tun hat? Die Schrift, die letzte Form der altdeutschen Kurrentschrift, wurde 1941 von den Nationalsozialisten verboten. Und damit, so Decker, ein Stück deutscher Kultur.

Doch die Bilder der Ottweilerin, die gebürtig aus dem Schwarzwald stammt, sind nicht alle düster. Ein helles Rot kommt beispielsweise bei einem Gedicht der von ihr verehrten Johanna Ambrosius ins Spiel. Rotwein, Kaffee und Farbpigmente kamen hier zum Einsatz, blaues Mundwasser an anderer Stelle. Eine humorvollen Serie, die richtig angeordnet ein Gesicht ergibt, zieren bunte Pfefferkörner.

Bei der gut besuchten Vernissage am Sonntag las die Künstlerin von ihr verarbeitete Gedichte und Literaturpassagen. Das war ganz nach dem Geschmack von Galerieleiter Herbert Dreisow: "Deckers Arbeiten sind anders und außergewöhnlich. Das ist mir wichtig." Für musikalische Untermalung sorgten Marcel Noormann und Maik Thönert.

Galerie Miteinander (Hauptstraße 34) Schiffweiler . Geöffnet: montags bis freitags 17 bis 19 Uhr, samstags 15 bis 17 Uhr.



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Auf einen Blick165 Euro kamen aus dem Verkauf von Kaffee und Kuchen und durch Spenden zusammen. Die hat Galerist Herbert Dreisow an Margit Bauer für ihr Hilfsprojekt Burkina Faso übergeben. red