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Kleinere Brötchen für Reden

Schiffweiler. 100 000 Euro hat der Redener Standort-Chef Heinz-Peter Klein für Veranstaltungen auf dem Strukturwandel-Ort zur Verfügung. Doch was dort wirklich fehlt, sind die letzten entscheidenden Investitionen in die Infrastruktur, sagt er. Cathrin Elss-Seringhaus

Gemessen an der Mega-Summe von 35 Millionen Euro , die die öffentliche Hand bereits in den Strukturwandel-Ort Reden gesteckt hat, klingen sie überschaubar, die "Zukunftsinvestitionen", die der neue Standort-Manager aufgelistet hat: eine öffentliche Toilettenanlage (200 000 Euro ), eine Heizung für die Große Werkshalle (300 000 Euro ), beleuchtete Fuß- und Skaterwege (200 000 Euro ), eine Halden-Transportbahn (1,3 Millionen Euro ). Damit und erst dann, sagt Heinz-Peter Klein, werde Reden reif und attraktiv und ein Premium-Standort.

Seit etwa drei Monaten ist Klein für die Fortentwicklung des früheren Grubengeländes verantwortlich - und umschreibt seine Aufgabe als "Optimierung dessen, was schon da ist". Sprich: Es bleibt für Reden bei der Naherholungs- und Freizeit-Grundausrichtung, es bleibt beim "Erlebnisort Reden ", wobei der Veranstaltungs-Ehrgeiz gedrosselt scheint. "Es sind zu hohe Erwartungshaltungen geweckt worden", sagt Klein. "Wir werden jetzt in Reden kleinere, aber gut schmeckende Brötchen backen." Gerade setzt die Illinger Direktvertriebsfirma Prowin einen Sechs-Millionen-Akademie-Neubau für bis zu 10 000 Menschen jährlich aufs Gelände Gondwana scheint sich zu fangen, die Almhütten-Gastronomie läuft blendend.

Als wirklich neuen Akzent für Reden sieht Klein die nicht-museale Verankerung des Themas Bergbau dort: Nach dem Abbau der "Erbe"-Ausstellung Ende 2015 soll in Reden alles gebündelt werden, was mit Bergbau zu tun hat. Reden soll, so Klein, die zentrale Anlauf- und Kommunikationsstelle für alle Bergbau-Interessierten werden. "Ich habe Signale der Hütten- und Bergmannsvereine, dass sie bereit sind, ihre Geschäftsstelle nach Reden zu verlegen", sagt er. Die Barbarafeier soll künftig dort stattfinden und der "Tag des Bergmanns" oder auch das Freiluft-Spektakel "Kinder der Kohle". Wichtig ist Klein die Verzahnung des Themas mit Exponaten und Themen, die bereits im Zechengebäude vorhanden sind. Dort fristen die naturkundlichen, geologischen und archäologischen Sammlungen des Zentrums für Biodokumentation und des Landesdenkmalamtes bekanntlich ein Aschenputteldasein. Klein schwebt jetzt ein gemeinsam bespielter "Showroom" in der Waschkaue vor.

Um der Neunkircher Gebläsehalle keine Konkurrenz zu machen, steuert Klein nicht in Richtung kommerzieller Events. Drei Großveranstaltungen im Jahr genügten, meint er: Fantasy-Messe Fark, SR 3-Sommeralm und womöglich eine neue Frühjahrsmesse rund ums Bier. Zudem spricht Klein von einem "Kreativ-Ort" und sieht Künstler-Camps und Kunst-Projekte in der Großen Werkstatt: "Die private Nutzung für Feste und Hochzeiten werden wir zurückschrauben."

Und wie sehen Akteure die Entwicklung? Benjamin Kiehn, Veranstalter der Fark-Messe, zur SZ: "Endlich wird in Reden nichts mehr versprochen, sondern es wird gemacht."



Meinung:

Events allein retten nichts

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Nicht die Events machen einen Standort, sondern umgekehrt: der Standort die Events. Das hat der neue Reden-Chef erkannt. Rummel um des Rummels Willen hilft nicht weiter. Klein möchte weniger, aber das Richtige machen. Dem Bergbau in Reden ein Zentrum zu geben, zählt dazu. Immer noch sieht es dort unfertig aus. Denn wegen des Untersuchungsausschuss-Ärgers und der Gondwana-Flaute verließ die Politik auf halber Strecke der Gestaltungsmut. Dass es unmöglich schien, in Reden eine öffentliche Toilette zu bauen, spricht Bände. Doch die Blockaden scheinen gelöst. Trotzdem dürfte es in der jetzigen Haushaltslage eine Herkulesaufgabe werden, weitere Gelder los zu eisen.