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Die Kunst bleibt in Form

Reden. Am 13. April 2014 ist die schwimmende Holz-Figur eingeweiht worden. Temporäre Kunst, bewusst der Natur und natürlichem Verfallsprozess überlassen. Was hat die Natur nun in zwölf Monaten mit der Kunst gemacht? Dazu haben wir uns vor Ort mit Bildhauer Martin Steinert getroffen. Claudia Emmerich

Eigentlich sei er verwundert, dass seine Skulptur noch steht. Das gibt Bildhauer Martin Steinert aus Sulzbach mit Wurzeln in Merchweiler gleich mal zu. Und lächelt dabei freundlich-staunend. "Ich hätte mir schon vorstellen können, dass die Skulptur über den Winter verrottet, in sich zusammenfällt." Ist sie aber nicht, lediglich Patina hat sich nach und nach drüber gelegt. Ein paar Wochen nach der Einweihung, erinnert sich Steinert, da seien mal besorgte Meldungen gekommen, irgendwas sei kaputt: "Aber da haben sich lediglich die Paletten, auf denen das Objekt steht, einen halben Meter gesenkt."

Rückblick: "Schwimmende Galerie vor Industriedenkmal" titelte die SZ, als vor einem Jahr unter dem Namen "GegenOrt" ein Kunstraum am ehemaligen Grubenstandort entstand.

Eine hölzerne Raumskulptur beinhaltet einen offenen Galerieraum. Die Innenhülle als Kunsthaut aus Leinwand nimmt Bilder auf. Fotografie dokumentiert die Bau- und Mal-Phase. Das war der Kern des Kunstprojektes im Wassergarten, getragen von den drei Künstlern Martin Steinert (Bildhauer), Michael Siffrin (Maler), André Mailänder (Fotograf), unterstützt von vielen.

Zunächst war die Figur begehbar über einen Steg, der nach der Galerie-Phase ebenso wie das Innenleben rückgebaut wurden.

Den ursprünglichen Plan, alles dem Feuer zu überlassen, ließ man fallen. Die Natur entscheidet jetzt frei über Vergänglichkeit. 1300 Meter Dachlatten aus Fichtenholz, 4000 Stahlschrauben - daraus ließ Steinert seine Nest-artige Skulptur filigran wachsen. An Land neben dem Wasserbecken nach Modell gebaut, dann schließlich mit Hilfe zahlreicher helfenden Hände zu Wasser gelassen. Besucht hat Steinert sein Kunst-Objekt in den vergangenen Monaten nicht. Aber er sei immer bestens informiert gewesen: "Menschen haben mich angerufen."

Winter und Stürme überlebt - das Latten-"Nest" darf weiter im Redener Wassergarten schwimmen. "Eigentlich ist es mein Wunsch, dass die Vorstellung vom Objekt länger existiert als das Objekt selbst, ja, dass man es vermisst, wenn es nicht mehr da ist", sagt Martin Steinert (55).

In Reden sei er schon ängstlich gewesen, ob sich seine Klein-Kunst vor der eindrucksvollen Stahlkulisse am Standort behaupten könne: "Aber die Skulptur hat selbst eine große Präsenz entwickelt."

Das nächste Steinert-Projekt ist in Planung: Jeweils 10 000 Dachlatten will Martin Steinert in fünf Großstädten der Welt zu spektakulären Installationen verarbeiten, beschriftet mit Wünschen von Menschen der jeweiligen Länder (die SZ berichtete). Auftakt des Projektes "Wooden Cloud - Architektur der Wünsche" ist am 24. Mai in Saarbrücken.