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Sturm Eppelborn
Rathaus-Verteidiger ergaben sich

Für Eppelborns Rathaus-Chefin Birgit Müller-Closset war die Rathaus-Verteidigung gegen das Narrenvolk eine derbe Niederlage. Das rebellische Volk nahm sie kurzerhand in Gewahrsam.
Für Eppelborns Rathaus-Chefin Birgit Müller-Closset war die Rathaus-Verteidigung gegen das Narrenvolk eine derbe Niederlage. Das rebellische Volk nahm sie kurzerhand in Gewahrsam. FOTO: Carolin Merkel
Eppelborn. Närrische Rebellen stürmen Eppelborner Rathaus und setzten Bürgermeisterin fest. Von Carolin Merkel

Ganz und gar nicht zimperlich gingen die Narren aus der Großgemeinde Eppelborn am Samstagmorgen mit ihrer Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset um. Die hatte sich nach der gelungenen Premiere im vergangenen Jahr erneut vor dem Rathaus positioniert. Und, das musste selbst Macherbachs Ortsvorsteher Jürgen Nürnberger, neidlos anerkennen, ihre entschlossene Gegenwehr in ihrer Rede, überraschte selbst ihn als ausgemachten Karnevalisten. Und so ließ sich Müller-Closset weder von einem „Birgit, du schrille Maus, rück endlich den Schlüssel raus“, noch von einem „Ich grüße die 1000 gebrochenen Wahlversprechen“ erschrecken. Selbst der Herold alias Leon Schorr, der mit seiner schrillen Stimme scheinbar Tote zum Leben erwecken kann, schaffte es nicht, dass die Verwaltungschefin wie sonst oft erlebt, allzu schnell aufgab. Nein, in diesem Jahr hatte sie sich vorgenommen, das Rathaus gebührend zu verteidigen. „Nein, wir geben nicht auf, auch wenn ihr noch so laut schreit“, konterte sie. Als „Oberbefehlshaberin“ stand sie mit den Ortsvorstehern und einigen Mitarbeitern der Verwaltung im Rücken, fest entschlossen, den Schlüssel zu verteidigen. Auch das bunte Bild, das sich ihr beim Blick auf den Finsterwalde-Platz, auf dem sich die Karnevalsgesellschaften versammelt hatten, ließ sie nicht schwach werden.


Musikalisch versuchten sich der Instrumentalverein Eppelborn und der Fanfarenzug der Feuerwehr – beide erfolglos. Sogar die drei Donnerschüsse der Schützen erschreckten sie nicht. Selbst als Thomas Kuhn von den Humeser Backowe feststellte, dass ihn der Aufmarsch vor dem Rathaus an „50 Shades of Müller-Closset – befreiter Frust“, erinnere und Frank Klein vom Dirminger KKV hinterherschob „Zieh dich warm an, Madam“, Müller-Closset blieb hart. Letztlich war es an Prinzessin Desiree I., sich mit weiblicher List in das Herz der harten Bürgermeisterin zu schleichen. Und, siehe da – die weiße Fahne, just vor dem großen Sturm zeigte die Aufgabe letztlich doch an. Allerdings, ins Rathaus, das durften die Narren auch in diesem Jahr nicht. Stattdessen bot die Bürgermeisterin ihre Mitarbeit an, lud die Jecken ein, mit ihr und ihrem Gefolge gemeinsam im Big Eppel zu feiern. Auf dem Weg dorthin brachten die Akteure der Eppelborner Karnevalsvereine noch schnell etliche Süßigkeiten unter das in der Kälte bibbernde Narrenvolk. Anschließend ging es gemeinsam in den wohltemperierten Big Eppel zu einer großen Sause. Die Schlüsselübergabe an das Prinzenpaar und den Herold, die war dann nur noch Formsache. „Wir werden aber die Tage doch mal ausprobieren, ob der Schlüssel vielleicht nicht doch passt“, waren sich Prinz Peter II., Prinzessin Desiree I. und FEV-Vorsitzender Günter Schmitt einig.