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Kauzige Gesellen
Ziemlich beste Untermieter

Sonst eher selten, lassen sich Waldohreulen im Garten von Familie Wirtz ständig blicken.
Sonst eher selten, lassen sich Waldohreulen im Garten von Familie Wirtz ständig blicken. FOTO: Susanne Wirtz
Eppelborn. Waldohreulen, eine besonders geschützte Vogelart, fühlen sich im Garten einer Familie in Eppelborn pudelwohl. Von Marc Prams

Solche Untermieter kann man sich nur wünschen: Sie halten sich nur tagsüber in ihrer Butze auf, sind so leise, dass man keinen Mucks von ihnen hört, sind abends nie zu hause und von Mitte Oktober bis Anfang April bekommt man sie überhaupt nicht zu Gesicht. Familie Wirtz in Eppelborn hat solche Untermieter. Die zahlen zwar keine Miete, halten sich aber dafür auch nur im Garten auf. Die Rede ist von Waldohreulen, einer „besonders geschützten Art“, wie das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) bei einem Besuch im Garten der Familie feststellte. „Waldohreulen sind im Saarland seltene Brutvögel, der Bestand wird auf 200 bis 400 Brutpaare geschätzt und ist seit Jahren rückläufig. Die lokale Population ist gefährdet“, so das LUA.



Bei Familie Wirtz fühlen sich die Eulen offenbar pudelwohl. „Wir beobachten die Vögel schon seit etwa zehn Jahren. Über die Wintermonate treffen sie sich hier zu einer Schlafgemeinschaft“, sagt Susanne Wirtz. Und so kauern dort bis zu fünf der seltene Eulen zusammen, gut geschützt in einem Ensemble aus Tränenkiefer, Serbischen Fichten und Lebensbäumen. Allerdings nur am Tag, denn in der Nacht gehen die Eulen auf die Jagd. „Es sind nur wenige Tagesruheplätze im Saarland bekannt, und diese werden bei guter Eignung oft langjährig genutzt“, heißt es dazu vom LUA. Gut geeignet scheint der Platz im Eppelborner Garten offenbar zu sein, Nahrung findet sich reichlich in der Umgebung, auf Feld, Wald und Wiese. Rasenmäher, spielende Kinder, der Hund der Familie und sonstigen „Störenfrieden“ scheinen den Waldohreulen – im Übrigen eine europäische Vogelart – schnurzpiepe zu sein.

Nun hofft Familie Wirtz, dass sie ihre Waldohreulen auch weiterhin beobachten kann, denn es liegt eine Beschwerde aus der Nachbarschaft wegen der Bäume vor. Beim LUA ist man allerdings schon zu dem Schluss gekommen, dass die Beseitigung der Tränenkiefer den Winterruheplatz der Eulen stark stören würde. „Eine Aufgabe des Platzes wäre wahrscheinlich.“ Und das wäre weder im Sinne von Familie Wirtz, dem LUA und der Eulen.

FOTO: Susanne Wirtz
FOTO: Susanne Wirtz