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Amtsgericht Merzig
Zoff um Schwanenauffangstation in Besch

Die umstrittene Auffangstation für  verletzte  Schwäne und Wasservögel  am Moselufer bei Besch.
Die umstrittene Auffangstation für verletzte Schwäne und Wasservögel am Moselufer bei Besch. FOTO: Ruppenthal
Besch. Gegner von Lothar Lorig werfen ihm Wilderei vor und wollen Station in Besch schließen lassen. Der Schwanenretter fühlt sich unschuldig verfolgt. Von Margit Stark

Sammelt er Schwäne wie andere Leute Briefmarken, wie ihm Kritiker vorwerfen? Oder ist Lothar Lorig ein selbstloser Helfer, der kranke, verletzte oder sonstige nach seiner Darstellung hilfsbedürftige Wasservögel fängt, um sie aufzupäppeln? So jedenfalls stellt er selbst seine Rettungsaktionen in seiner  Auffangstation in Besch dar. Jetzt ist das Amtsgericht Merzig am Zug. Es soll klären, ob Lorig sich der Jagdwilderei schuldig gemacht hat, was ihm seine Gegner vorwerfen, oder ob er unschuldig ist und nur Stimmung gegen ihn gemacht wird, wie Lorig gegenüber unserer Zeitung sagt. Dass es zu einer Verhandlung kommen wird, bestätigt Gisbert Lasotta, Direktor des Amtsgerichtes, auf SZ-Anfrage. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken habe den Strafbefehl gegen Lorig beantragt, das Gericht in der Kreisstadt diesen erlassen. Einen Termin für die Verhandlung gebe es noch nicht. Und noch aus anderer Richtung gerät  die von Lorig begründete Schwanenstation juristisch unter Beschuss: Rechtsanwalt Michael Heuchemer aus Bendorf strebt nach seiner Auskunft im Namen der Tierbefreiungsoffensive Saar (TIBOS) eine tierschutzrechtliche Verbandsklage gegen das Umweltministerium an. Es hatte Lorig den Betrieb der Station gestattet. Ziel der Klage: Die Station soll geschlossen werden (siehe unten stehender Text).


Es ist nicht das erste Mal, dass sich Lorig vor einem Richter verantworten muss. So hat unter anderem das Oberverwaltungsgericht in Koblenz seine Arbeit scharf kritisiert und ihm verboten, im Kreis Trier-Saarburg die Tiere einzufangen und sich anzueignen. Die Stadt Trier ließ die Pflegestation, die der gelernte Krankenpfleger in einer ehemaligen Kaserne in Trier-Feyen acht Jahre lang betrieben hat, räumen.

Seit 2013 hat der Mann nicht mehr auf der rheinland-pfälzischen Seite der Mosel Wasservögel gerettet, dafür aber auf der saarländischen – sehr zum Missfallen der Verantwortlichen der Gemeinde Perl. Seit fünf Jahren gibt es nach Worten von Perls Bürgermeister Ralf Uhlenbruch für die Auffangstation, die Lorig als Obdach für Wasservögel im Bescher Industriegebiet an der Mosel hochgezogen hat, keine Baugenehmigung. Seitdem kämpfe man aus Behördensicht gegen den rechtswidrigen Bau – bislang vergebens. „Die Untere Bauaufsicht des Landkreises sieht dies genau wie wir“, sagt der Verwaltungschef. Auch die Gremien des Gemeinderates seien sich einig. Ihr Fazit: Eine solche Vogelpflegestation gehört nicht in ein Industriegebiet. Hoffnung schöpfte man nach Darstellung des Verwaltungschefs, als im Herbst vergangenen Jahres die Betriebsgenehmigung für die Schwanenstation auslief. Die hatte das Umweltministerium 2014 für drei Jahre erteilt. Daher habe man die Klage vor dem Verwaltungsgericht ruhen lassen. Grund: „Wenn es keine Genehmigung durch das Umweltministerium gibt, dann hat sich auch die Baugenehmigung erledigt. Denn die Station wird geschlossen.“

Doch weit gefehlt: Im Mai erhielt die Auffang- und Rückbürgerungsstation für Wasservögel (Schwäne, Gänse, Enten), wie das Terrain offiziell heißt, aus dem Umweltministerium unerwartet erneut eine Erlaubnis. „Aus tierschutzrechtlicher Sicht gab es zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen Monaten die Notwendigkeit der Vollzugsbehörde, die Fortführung der Station und damit deren Auflösung anzuordnen“, heißt es aus dem Hause von Reinhold Jost. „Die Genehmigungsvoraussetzungen nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz für eine Weiterführung der Station konnten nach Ausscheiden von Herrn Lorig durch die Betreiberin Frau Schons-Gretsch erneut geschaffen werden. Die Behörde konnte somit die Erlaubnis erteilen.“

Dass er wegen des anstehenden Prozesses vor dem Merziger Amtsgericht die Verantwortlichkeit für die Station abgegeben hat, räumt Lorig  ein. Er arbeite nur noch in der zweiten Reihe. Seine Stelle habe Ehefrau Brigitte übernommen. Dafür habe sie eigens eine Prüfung beim Umweltministerium abgelegt. Betreiberin sei Monique Schons-Gretsch, eine Luxemburgerin. „Es geht hier alles nach Recht und Gesetz zu. Wenn wir einen verletzten Schwan finden, melden wir dies sofort dem zuständigen Jagdpächter. Wenn der nicht greifbar ist, informieren wir die Polizei, die dem Jagdpächter dann Auskunft gibt“, sagt Lorig. Dass er sich anmaße, Wasservögel zu operieren, wie ihm  vorgeworfen wird, verweist er ins Reich der Märchen. „Wenn sie operiert werden müssen, bringen wir sie in die Tierklinik nach Püttlingen.“ Über jedes einzelne Tier werde eine Dokumentation geführt, die Anlage werde regelmäßig gesäubert, das Wasser in den Teichen gewechselt. Als Beweis für seine Behauptung zieht er ein Schreiben des Umweltministeriums heran. Bei der Kontrolle der Station am 14. September vergangenen Jahres seien keine tierschutzerechtlichen Mängel (Haltung, Versorgung) festgestellt worden. Die Anlage sei in gutem Zustand gewesen, die Teiche gesäubert und die Tiere ins Freie verbracht. „Der Zustand der Tiere war, in Abhängigkeit des Grundes ihrer Aufnahme in der Station, soweit unauffällig. Die Dokumentation war lückenlos“, heißt es in dem Brief aus dem Ministerium, der unserer Zeitung vorliegt.



„Wir wollen den Schwänen helfen. Aber wir haben nur Probleme“, sagt Lorig. Dass die Gemeinde Perl jetzt auf eine Baugenehmigung poche, sei „Kampagnen seiner Gegner“ zu verdanken. Dabei habe man anfangs im Einklang mit der Verwaltung vor Baubeginn dieses Terrain ausgesucht. Er und seine Frau beklagen massive Attacken von Unbekannten auf die Station – Observierungen eingeschlossen. „Es gibt seit geraumer Zeit Einbruchsversuche, Tierdiebstahl, Sachbeschädigungen, auch an technischem Material und vieles mehr. Die Polizei sei informiert, Anzeigen seien erstattet.