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Winzer bekämpfen Schädling mit den Waffen von Mutter Natur

Winzer bekämpfen Schädling mit den Waffen von Mutter Natur

Der umweltfreundliche Kampf gegen den Kleinschmetterling, der die Rebstöcke schädigt, macht den Einsatz von Pestiziden entbehrlich. Das Verfahren wird auf beiden Seiten der Mosel angewandt und vom Land unterstützt.

Wenn die Männchen und Weibchen des Traubenwicklers im Frühjahr zum munteren Hochzeitsflug starten, machen ihnen die Winzer an der Obermosel mit einem biotechnischen Trick einen Strich durch die Liebes-Rechnung. Sie bringen chemische Signalstoffe, so genannte Pheromone, verpackt in Kunststoffampullen, in der Rebfläche aus. Die Pheromone verwirren "Herrn Traubenwickler" während seiner Suche nach einem Weibchen. Die Folge: Die Kleinschmetterlinge, die zu den bedeutenden Rebschädlingen gehören, finden ihre Geschlechtspartnerinnen nicht mehr und können sich nicht fortpflanzen.

"Diese Pheromon-Verwirrungsmethode macht den Einsatz von Insektiziden entbehrlich. Und wenn wir keine Insektizide einsetzen, schonen wir die Natur und vor allem unsere Nützlinge bis hin zur Biene. Für uns Grund genug, die Einführung und Anwendung dieses umweltfreundlichen Zaubermittels zu fördern. Das tun wir seit dem vergangenen Jahr", erklärte Umwelt- und Landwirtschaftsminister Reinhold Jost . Er überreichte am Dienstag im Perler Weingut Willy Hartmann dem Präsidenten des saarländischen Winzerverbandes, Helmut Herber, einen Bescheid über die Fördersumme des Landes für 2015, genau 12 650 Euro.

Das Saarland steht bei der biologischen Schädlingsbekämpfung im Weinberg nicht allein. "Wir arbeiten hier mit Luxemburg und Rheinland-Pfalz zusammen. Denn nur so können wir entlang der Mosel einen größtmöglichen Erfolg dieses Verfahrens erzielen. Ich sehe es als wichtigen Schritt hier im Dreiländereck, dass wir es geschafft haben, diese Methode länderübergreifend einzuführen. Das ist ein echtes Stück Europa", sagte Jost. Diesen Erfolg habe man in erster Linie dem saarländischen Winzerverband zu verdanken, betonte der Minister.

Da die Anwendung von Pheromonen höhere Kosten verursacht als der Insektizid-Einsatz wird sie seit 2014 im Saarland gefördert - zunächst über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Höhe der Beihilfe beläuft sich auf jährlich 110 Euro pro Hektar. Um den größtmöglichen Erfolg der Maßnahme zu erzielen, ist es notwendig, eine flächendeckende Einführung des Pheromoneinsatzes auf den Weinbergflächen des gesamten Dreiländerecks an der saarländischen Obermosel beizubehalten. Damit die gesamtflächige Wirkung erzielt wird, werden auch Flächen von Winzern aus Luxemburg und Rheinland-Pfalz, die im Saarland liegen, in die Förderung einbezogen. Die Abwicklung erfolgt über den Saar-Winzerverband. red