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Neue Windkraft-Vorranggebiete
Mettlach gibt grünes Licht für weiße Riesen

Windräder sollen bald auch am Holscheider Wald bei Weiten Strom erzeugen. Foto: Ingo Wagner/dpa
Windräder sollen bald auch am Holscheider Wald bei Weiten Strom erzeugen. Foto: Ingo Wagner/dpa FOTO: Ingo Wagner/dpa
Mettlach. Gemeinderat ebnet bei neuer Abstimmung den Weg für neue Windkraft-Vorranggebiete bei Weiten, Orscholz und Tünsdorf. Margit Stark

Grünes Licht für die Gebiete, auf denen sich künftig Windräder drehen sollen, hat der Gemeinderat Mettlach in seiner Sitzung am Montag gegeben. Mit 16 Ja- gegenüber vier Neinstimmen und drei Enthaltungen machten die Ratsmitglieder den Weg frei, dass der "Holscheider Wald/Wintersteinchen" (bei Weiten), "Östlich Schwarzbruch" (zwischen Orscholz und Tünsdorf) und "Westlich Wehingen" (Kewelsberg Tünsdorf/Wehingen) Vorranggebiete werden sollen (wir berichteten). Die erneute Abstimmung war notwendig geworden, da ein Ratsmitglied befangen war.


Darauf verwies Bürgermeister Daniel Kiefer. Nachdem er ein paar Tage nach der Sitzung Ende April, in der dieses Thema auf der Tagesordnung stand, Kenntnis davon erhaltet hatte, hat der Verwaltungschef nach seinen Worten den Bauausschuss in Kenntnis gesetzt.

Den Beschlüssen wurde laut Kiefer widersprochen und eine neue Sitzung anberaumt, in der die Abstimmungen wiederholt wurde. Die Kritik von FBM-Fraktionschef Joachim Badelt: In der April-Sitzung wurde nicht sorgfältig gearbeitet - einen Tadel, den der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen wollte: "Ein Ratsmitglied ist selbst in der Pflicht", konterte er. Er könne nicht wissen, wie die Verwandtschaftsverhältnisse der Eigentümer seien.



"Da hat das Frühwarnsystem nicht funktioniert", antwortete Badelt. Wie später Weitens Ortsvorsteher Dietmar Ollinger warb er dafür, den Holsteiner Wald aus dem Plan zu nehmen - eine Bitte, die Ollinger den Beifall der Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) "Windkraft mit Vernunft" einbrachte.

Prof. Holger Kröninger, Rechtsbeistand der Gemeinde, verwies darauf, dass die Pläne einer gerichtlichen Prüfung standhalten müssten. "Die Gemeinde ist nicht schlecht beraten, wenn sie mir in diesen Dingen folgt." Reinhard Halberstadt (FDP) und Michael Döbrich (AUF-Partei) kündigten an, sich der Stimme zu enthalten.

Badelts Vorstöße, Windkraft einzudämmen, wurden abgelehnt. So beantragte er für seine Fraktionen, wie den Ortsräten von Tünsdorf und Orscholz einstimmig gefordert, die Fläche "östlich Schwarzbruch" so zu verkleinern, dass keine dritte Windkraftanlage errichtet werden könne. "Auch der Ortsrat Wehingen hatte sich in der Vergangenheit schon ablehnend gegen diese Konzentrationszone geäußert", warb er für seinen Vorschlag.

Sein zweiter Vorstoß: "Wie von den Ortsräten von Bethingen, Tünsdorf und Wehingen einstimmig gefordert, beantragt die FBM, für die Konzentrationszone westlich Wehingen/Tünsdorf (Kewelsberg) eine Höhenbegrenzung von 125 Metern in den Flächennutzungsplan aufzunehmen." Damit soll nach seinen Worten sichergestellt werden, dass dort auch im Fall eines sogenannten "Repowering" keine höheren Windkraftanlagen als die jetzt dort vorhandenen errichtet werden können. Auch seien dort zwei (von elf) Windräder noch nicht errichtet. Abgelehnt wurde auch sein Antrag, wie vom Ortsrat Weiten einstimmig gefordert, die Fläche "Holscheider Wald" nicht als Konzentrationszone auszuweisen. Als Grund nannte der FBM-Politiker den Artenschutz, etwa den Schwarzstorch. "Der Ortsrat Orscholz hatte einstimmig zumindest eine Verkleinerung dieser Fläche im Sinne der 10-H-Regelung gefordert."

Der Ortsrat Weiten habe in seinem Beschluss betont, dass diese Konzentrationszone "wegen der zu erwartenden Belastungen der Weitener Bürger und der bestehenden avifaunistischen Konflikte herausgenommen" werden soll. Die Avifauna bezeichnet die Vogelwelt einer Region.

"Mit dieser Konzentrationszone soll zu Schutze des Schwarzstorches genauso verfahren werden, wie mit der ehemaligen Konzentrationszone Hundscheider Weiher. Der Vorsorgeabstand soll laut Badelt drei Kilometern betragen - "nach dem "Helgoländer Papier".

Zum Thema:

Flächen für Windenergie Bei einer Gesamtgröße von 7820 Hektar weist die Gemeinde Mettlach 225 Hektar auf ihrem Terrain für die Windenergienutzung aus. Diese Zahl nannte Bürgermeister Daniel Kiefer der SZ Ende April. Das ist laut Verwaltungschef ein Flächenanteil von circa 2,9 Prozent, also 225 Hektar: Der Holscheider Wald/ Wintersteinchen" (bei Weiten) mit einer 90,3 Hektar großen Fläche, "Östlich Schwarzbruch" (zwischen Orscholz und Tünsdorf) mit einer 22 Hektar großen Fläche, und "Westlich Wehingen" (Kewelsberg Tünsdorf/Wehingen) mit einer 112 Hektar großen Fläche. Dieser Flächenanteil verschafft nach seiner Auffassung in ausreichendem Umfang Raum und verhindert einen Wildwuchs.