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Zuwanderung nach Deutschland ist kein neues Phänomen

Zuwanderung nach Deutschland ist kein neues Phänomen

Kein Thema bewegt in diesen Tagen die Gemüter im Land so sehr, wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In diesem Beitrag soll die Zuwanderung in die Merziger Region während der letzten 200 Jahre als eine Geschichte der auf vielfache Weise stattgefundenen Begegnung mit dem Fremden dargestellt werden.

In weiten Teilen der Bevölkerung besteht mittlerweile die Sorge, Deutschland werde durch die Vielzahl von Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr und bereits zuvor ins Land geströmt sind und wohl auch noch weiter werden, überfordert und schaffe es nicht, mit den hierdurch bedingten vielfältigen Herausforderungen fertig zu werden. Andere sind demgegenüber der Ansicht, Deutschland sei immer auch schon ein Einwanderungsland gewesen; die Zuwanderung fremder Menschen habe das Land und die Gesellschaft kulturell sogar bereichert. Als Paradebeispiele dienen hierbei die Aufnahme der Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg und die Einwanderung der Menschen, die als "Aussiedler" oder nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" als "Spätaussiedler" aus den Ländern des früheren Ostblocks in die Bundesrepublik einwanderten.
Fremde Kulturen und Religionen

Während es sich bei diesen Gruppen jedoch um deutsche Staats- oder Volkszugehörige handelte, gab es ab den späten fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch die Anwerbung der so genannten Gastarbeiter aus Südeuropa oder der Türkei und die sich später anschließende Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen aus einer Vielzahl von Ländern anderer Kontinente auch Einwanderung von Menschen, die fremden Kulturen, Ethnien und Religionen angehörten. Deren Integration in die deutsche Aufnahmegesellschaft gestaltete und gestaltet sich im Gegensatz zu den Vertriebenen und Spätaussiedlern jedoch wesentlich schwieriger und ist zum Teil sogar immer noch nicht gelungen beziehungsweise abgeschlossen.

Zuwanderung von Einzelpersonen und sogar von Gruppen, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang, und damit eine Begegnung mit dem "Fremden", gab es hier in unserer Region jedoch schon wesentlich früher. Zuwanderung nach Deutschland ist deshalb alles andere als ein neues Phänomen, sondern hat vielmehr eine lange, gleichzeitig aber wenig bekannte und beachtete Geschichte .

Entgegen landläufigen Vorstellungen war schon die vormoderne Gesellschaft ständig "in Bewegung" und keineswegs statisch und homogen. Neben grenzüberschreitenden Wanderungen über weite Distanzen zählten dazu natürlich auch kleinräumige Wanderungen, die wegen der Aufnahme einer Arbeit oder dem Beginn einer Ausbildung und nicht zuletzt wegen Heirat vom Land in die Stadt oder in den nächstgrößeren Ort führten. Diese Wanderungsformen sollen bei der nachfolgenden Darstellung natürlich außer Betracht bleiben, weil sie sich ja mehr oder weniger innerhalb der Region abspielten.

Schon seit der frühen Neuzeit gab es jedoch Wanderhandel und temporäre Arbeitsmigration über größere Distanzen ebenso wie dauerhafte Einwanderung , Flucht aus religiösen und politischen Motiven und nicht zuletzt schließlich auch die Zwangsmigrationen zu Beginn und im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts.

Alle diese Phänomene brachten den Menschen hier in unserer Region eine Begegnung mit dem und den Fremden. Bekannt sind etwa die protestantischen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die so genannten Hugenotten. Eine nicht unbeträchtliche Zahl von diesen ließ sich beispielsweise im Warndt nieder.
Französischer Einfluss

Daneben gab es aufgrund der Nähe zum französischen Sprachraum auch immer wieder Zuwanderung aus Frankreich oder der Wallonie in unsere Region, die losgelöst von der konfessionellen Zugehörigkeit stattfand.

Dabei muss man ferner bedenken, dass spätestens seit der sogenannten Reunionspolitik des französischen Königs Ludwig XIV. der französische Einfluss auf unsere Region immer stärker geworden war. Ziel dieser Politik war eine territoriale Ausweitung Frankreichs in Richtung Osten. Begründet wurde dieses Handeln mit verschiedenen historischen Gebietsansprüchen. 1670 besetzte Frankreich das Herzogtum Lothringen. Der Friedensschluss von Nijmwegen 1679 ermöglichte es Frankreich schließlich, Lothringen auch weiterhin besetzt zu halten.

Zur Sicherung der gewonnenen Position sollte im Bereich der mittleren Saar ein befestigter Platz errichtet werden. 1680 ließ der französische König daraufhin die Festung Saarlouis zum Schutz seiner neuen Ostgrenze errichten. Sie wurde Teil eines Systems von zehn Festungen, dem die Aufgabe zukam, das besetzte Lothringen an der Ostgrenze zu sichern und gleichzeitig eine günstige Ausgangsposition für weitere Gebietsansprüche zu schaffen. < Wird fortgesetzt.