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Merzig
Wenn Merzig viezt, dann viezen Tausende mit

Beim Gang über das Viezfest grüßen die Königin Nathalie I. (rechts) sowie ihre Viezprinzessinnen Laura (links) und Sophie (mitte) die zahlreichen Besucher in der Fußgängerzone.
Beim Gang über das Viezfest grüßen die Königin Nathalie I. (rechts) sowie ihre Viezprinzessinnen Laura (links) und Sophie (mitte) die zahlreichen Besucher in der Fußgängerzone. FOTO: Tina Leistenschneider
Merzig. Das Traditionsfest zog am Samstag mit reichhaltigem kulinarischen und musikalischen Angebot Menschen aus der ganzen Region an.

Welcher Viez darf es in diesem Jahr sein? Auch zur 49. Auflage des Merziger Viezfestes haben die Besucher die Qual der Wahl zwischen der süßlichen, feinherben oder sauren Variante des begehrten Apfelweins, den die Kreisstadt jedes Jahr mit einem Fest ehrt. Einen Favoriten hat die Viezprinzessin Laura bereits für sich ausgemacht: „Den süßen Viez“, verrät sie mit einem Lächeln.


Zum „heiligsten Fest der Merziger“ begrüßte Viezkönigin Nathalie I. am Samstagvormittag die Freunde des Fruchtweins sowie die Ehrengäste. Längst sei es ein Fest der Tradition und Freundschaft, das nach den Worten von Schirmherr Peter Strobel, saarländischer Finanzminister, Völker miteinander verbinde. Einen maßgeblichen Anteil zum Erfolg des Festes tragen die Sponsoren, Vereine und natürlich auch die Besucher bei, an die Bürgermeister Marcus Hoffeld seinen ausdrücklichen Dank richtete. Mit musikalischen Klängen begleiteten die Jagdhornbläser um Heiner Pfeifer erneut die Eröffnung.

Finanzminister Strobel, der als Schirmherr kurzfristig für Ministerpräsident Tobias Hans eingesprungen war, betonte, der Apfel gehöre zum Kulturgut im Landkreis, weswegen die Kreisstadt vor dem historischen Rathaus symbolisch zwei Apfelbäume pflanzte. Die Rekordapfelernte in diesem Jahr spreche laut Strobel für ein hervorragendes Viezfest. Dazu lud Viezköning Nathalie I. die Besucher ein: „Wir viezen. Viezen Sie mit uns.“



Das traditionelle Bild des Merziger Viezfestes zeichnen die zahlreichen Besucher, die durch die gut frequentierte Fußgängerzone in der Innenstadt flanieren. Ihre Blicke wandern interessiert von Stand zu Stand, immer wieder locken die vielfältigen Düfte der dort zubereiteten Köstlichkeiten die Leute aus der Menge zu sich. Knackige Rost- und Bratwürste brutzeln auf dem Grill vor sich hin, Schnitzel nehmen ein heißes und fettiges Bad im Öl und neben dem Apfelwein sorgen Cocktails für ein fruchtiges Zwischenspiel am Gaumen.

Mit 500 Liter feinherbem, süßem und saurem Viez versorgt der Fußballverein 1. FC Fitten die Gäste. Im Stand herrscht wenig Hektik. Man sei ein eingespieltes Team und mittlerweile im Kochen genauso geübt wie im Umgang mit dem Ball, sagt der erste Vorsitzende Frank Zenner. Um nicht den Überblick zu verlieren, verteilen sie bei der Essensbestellung Nummern. Wegen des herrlichen Wetters gehe an diesem Oktobertag der heiße Viez nicht so gut, der kalte dafür umso besser. Fast 200 Merziger Igel warten bei ihnen auf Käufer, und mit weiteren 50 Kilo Kartoffelpuffer ist man für den Ansturm der Mittagszeit gewappnet.

Warum die Menschen das Fest besuchen? „Wir treffen alte Bekannte wieder und erfreuen uns bei dem tollen Wetter an den Ständen und am tollen Angebot“, finden Anne und Kurt Dopfer aus Hausbach. Sie schlendern seit vielen Jahren regelmäßig übers Viezfest – ein Muss für sie. Ähnlich sieht es Iris Halupka-Rothkopf aus Brotdorf. „Ich begegne hier vielen Leuten und Bekannten, die ich sonst nie zu Gesicht bekomme“, sagt sie. Darüber hinaus erfreue sie sich an der reichhaltigen Kulinarik und an der stimmungsvollen Atmosphäre des Festes. Ihr fallen allerdings die weniger werdenden Stände auf und dass nicht mehr so viele Merziger anzutreffen sind wie früher, da mehr Leute von außerhalb anreisen.

Zum mittlerweile 15. Mal sind die Tischtennisfreunde Besseringen mit einem Stand vertreten, den sie mit über 400 Litern Viez gut bestückt haben. Außerdem haben sie mehrere Kilo Käsespätzle und 700 ihrer Ping-Pong-Spieße mit zwei Schnitzeln und einem Stück Flûte im Angebot. Für deren Beliebtheit spreche die Tatsache, dass sie die Zahl kurzfristig um 100 Stück erhöhten. „Es läuft gut, wir sind zufrieden“, äußert sich Gisbert Schreiner, Geschäftsführer der Tischtennisfreunde.

Die vielfältige gastronomische Auswahl beschreibt Heiko Terno, Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, als „Geschmacksfasching“. Mit Produkten aus dem Spreewald wie Spreewaldwasser, Spreewaldgurken in der Dose und Luckauer Türmer-Schnaps ergänzt die Delegation aus Merzigs Partnerstadt Luckau in Brandenburg das Angebot auf dem Viezfest. „Der Stand kommt gut an“, berichtet Carola Lamprecht, „die Leute interessieren sich sehr für uns.“ Ihre Kollegin Nancy Lehmann zeigt sich beeindruckt von der Mühe der Vereine und fühlt sich durch die gastfreundliche Natur der Merziger direkt willkommen.

Merzigs Partnerstadt Luckau macht seit Jahren am Viezfest mit und präsentiert ihre Spreewälder Produkte – so auch in diesem Jahr. Am Samstag waren dafür im Einsatz (von links) Nancy Lehmann, Thomas Schäfer, Birgit Lehmann und Heiko Terno sowie (im Stand) Tino Wolff und Carola Lamprecht.
Merzigs Partnerstadt Luckau macht seit Jahren am Viezfest mit und präsentiert ihre Spreewälder Produkte – so auch in diesem Jahr. Am Samstag waren dafür im Einsatz (von links) Nancy Lehmann, Thomas Schäfer, Birgit Lehmann und Heiko Terno sowie (im Stand) Tino Wolff und Carola Lamprecht. FOTO: Tina Leistenschneider
Mit 700 Stück ihrer beliebten Ping-Pong-Spieße locken die Tischtennisfreunde Besseringen die Besucher des Viezfestes an. Am Stand des Vereins halfen (von links) Marie und Katja Schramm sowie Carolin Hilger und Sabine Remmel halfen am Samstag nur zu gerne mit.
Mit 700 Stück ihrer beliebten Ping-Pong-Spieße locken die Tischtennisfreunde Besseringen die Besucher des Viezfestes an. Am Stand des Vereins halfen (von links) Marie und Katja Schramm sowie Carolin Hilger und Sabine Remmel halfen am Samstag nur zu gerne mit. FOTO: Tina Leistenschneider