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Mehr Effizienz in Merzigs Straßenverkehr

 Verkehrstelematik: Beim Großflächenversuch in Merzig kamen Funkmaste und Testwagen zum Einsatz. Foto: R. Ruppenthal
Verkehrstelematik: Beim Großflächenversuch in Merzig kamen Funkmaste und Testwagen zum Einsatz. Foto: R. Ruppenthal FOTO: R. Ruppenthal
Merzig. Um wichtige Verkehrsdaten zu sammeln, wurde im Oktober 2014 das Projekt „ITS Testfeld Merzig“ der HTW-Forschungsgruppe Verkehrstelematik gestartet. Jetzt fand ein groß angelegter Versuch im Testfeld statt. Sarah Umla

"Da vorne ist noch eine", sagt Jonas Vogt und deutet auf eine große Kommunikationsanlage. Langsam nähert sich sein Testfahrzeug dem großen Funkmast, um den rundherum verschiedene Kabel festgemacht sind. Und schon fängt auf dem Kreisradar, der auf dem Display im Auto angezeigt wird, ein roter Punkt an zu blinken. Es ist nur eine von den acht mobilen Einheiten, die Vogt mit seiner HTW-Forschungsgruppe Verkehrstelematik (FGVT) in der Merziger Innenstadt am Donnerstag aufgestellt hat.

Messung der Funkreichweite


"Wir wollen schauen, wie weit das Funksignal zwischen Auto und Funkmast wirklich reicht", erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter. In zwei Durchgängen habe man - zusätzlich zu den zwei festmontierten Kommunikationsanlagen am Rathaus und am Landratsamt - die mobilen Einheiten an 16 verschiedenen Standorten installiert. Diese sollen dann die Funkreichweite messen. "Das kann von nur 50 Meter bis zu 6,5 Kilometer weit auf der Landstraße reichen", sagt Vogt. "Heute geht es wirklich nur darum auszuloten, ob vielleicht noch weitere Standorte benötigt werden", betont er.

Infos zu Gefahrensituationen

Etwa 13 Mitarbeiter der FGVT-Forschung fahren durch die Merziger Innenstadt. Richtlinien für die Fahrt gebe es nicht. Wichtig sei nur, dass alle Fahrzeuge an allen Funkmasten vorbeifahren. "Es gibt unterschiedliche Anfahrtswege. Wir wollen ja nicht immer wieder die selben Daten erheben", erklärt Vogt.

Als Datenquelle können diese Fahrzeuge auch Informationen zu aktuellen Gefahrensituationen auf der Straße erfassen und vor diesen warnen. "Die Verkehrseffizienz soll erhöht werden, das ist unser Fernziel", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter. Denn durch die Funkmasten soll das Auto über Umleitungen, Parkplätze oder Staus informiert werden. Zudem soll es einen Ampelphasen-Assistenten geben. "Der zeigt uns an, wie lange die Rotphase andauert und wann wir schon Gas geben können, um loszufahren", erklärt Vogt den Plan. Auch für Falschfahrer soll ein Warnsystem entwickelt werden.

Aber bis das Fernziel der FGVT-Gruppe erreicht sei, dauere es noch eine gute Weile, meint Vogt. Bald soll der Kommunikationstest erweitert werden und der Mensch mit in die Forschung einbezogen werden. "Wir verbinden die Neurologie mit der Technik", sagt er. So soll beim Fahrer durch EEGs (Messung der Gehirnströme) beobachtet werden, wodurch Stress beim Autofahren ausgelöst und der Fahrer unterstützt werden kann. "Das führt alles hin zum automatisierten Fahren", vermutet Vogt. So könne man in der Zukunft ein fahrerfreies Autofahren ermöglichen.