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Kreisheimatverein
Als die Saarländer Flüchtlinge wurden

Vorstellung des Geschichtsheftes Nr. 4 durch die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (6. von links) und den KHV-Vorsitzenden Hubert Schommer (7. von rechts) im Beisein von Vertretern der Politik und Schulen.
Vorstellung des Geschichtsheftes Nr. 4 durch die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (6. von links) und den KHV-Vorsitzenden Hubert Schommer (7. von rechts) im Beisein von Vertretern der Politik und Schulen. FOTO: Norbert Becker
MERZIG . Der Kreisheimatverein widmet sein viertes Geschichtsheft den Evakuierungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von Norbert Becker

Mit der Herausgabe der Merzig-Waderner Geschichtshefte durch den Kreisheimatverein (KHV) sollen Erinnerungen an bedeutsame historische Ereignisse in unserem Landkreis wach gehalten werden. Nach drei erfolgreichen Ausgaben beschäftigt sich das nun erschienene Heft 4 (siehe Info), das dieser Tage im Sitzungssaal des Landratsamtes vorgestellt wurde, mit den Evakuierungen im heutigen Kreis in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte der Schüler Massimiliano Gariboli von der Gesamtschule Orscholz am Klavier. Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich nahm die Begrüßung der Gäste nebst der Autorinnen und Autoren sowie Vertretern der ebenfalls beteiligten Schulen, wie des Gymnasiums am Stefansberg und der Gemeinschaftsschule Orscholz, vor.

„Es war eine ausgezeichnete Idee und der richtige Weg, das Buch mit den Schulen als zentralem Lebensort der Kinder zu machen, denn es ist spannend und notwendig, dass sich junge Menschen mit unserer Geschichte, die in unmittelbarer Umgebung geschehen ist, befassen“, betonte Schlegel-Friedrich, die gerne Gastgeberin des Abends war.



Der KHV-Vorsitzende Hubert Schommer gab einen detaillierten Überblick über die im Kreis erfolgten Evakuierungen in den Jahren 1939/40 und 1944, von denen viele Menschen betroffen waren. „In der vorliegenden Schrift haben Autoren und mittlerweile hoch betagte Zeitzeugen aus unserer Heimat, dem Kreis Merzig-Wadern, die noch immer unter dem Trauma der Evakuierung leiden, ihre damaligen Erlebnisse geschildert“, sagte Schommer. „Mit ihren Beiträgen helfen sie mit, diese schwere Zeit zu verstehen und zu überwinden. Auch zwei Schulen, nämlich die 10. Klasse der Gemeinschaftsschule Orscholz und die 11. Klasse des Stefansberg-Gymnasiums, haben sich beteiligt“, hob er hervor.

Der Waderner Bürgermeister Jochen Kuttler, selbst Heimatkundler und Vorstandsmitglied im Kreisheimatverein, kam nach seinen eigenen Worten der Bitte von Schommer um einen Artikel für das Geschichtsheft gerne nach. Kuttler verwandte dabei Auszüge aus seinem eigenen Buch „Hitlerweck und Eintopfsonntag“, das Einträge in der von Schulleiter Matthias Müller in gutem Schreibstil geführten Nunkircher Schulchronik von 1933 bis 1948 wiedergibt, diese mit ergänzenden Texten und Fußnoten versieht, um das Geschilderte einzuordnen, und auch persönlich viele Zeitzeugen befragt. „Geschichte ist ein Thema, das uns alle angeht“, unterstrich er.

Die frühere Lehrerin Doris Steuer trug Texte der Heimatschriftstellerin Maria Croon vor. Croon, die 1983 starb, hatte eine Erzählung über Flüchtlinge geschrieben. Lehrerin Ann-Kathrin Engels und die frühere Schülerin Elena Johann erläuterten das Themenprojekt der Klasse 11 des Stefansberg-Gymnasiums, bei dem auch sechs unter die Haut gehende Schicksale, darunter das eines jungen Mannes aus Reimsbach, aufgeklärt wurden.

Ebenso präsentierten auch fünf Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 der Gemeinschaftsschule Orscholz ihr unter dem früheren Geschichtslehrer Andreas Müller begonnenes Projekt zum Thema Evakuierung mit Befragung von Zeitzeugen. Allen Mitwirkenden galt ein Dank von Landrätin Schlegel-Friedrich und vom KHV-Vorsitzenden Schommer.