Aus für einzige private Grundschule in Merzig aus finanziellen Gründen

Bietzen : Aus für Forscherschule Bietzen

Die private Grundschule schließt zum Ende des Schuljahres – nach SZ-Informationen aus wirtschaftlichen Gründen.

An dieser Schule sollte alles anders sein: So sollte den Schülern die Entscheidung überlassen bleiben, was sie im Unterricht lernen und wann sie es wollen. Zudem sollten die Kinder die Forscherschule als ihre eigene Schule und als Gemeinschaft erfahren. Mit dem Konzept waren die Pädagogin Johanna Kölbel und ihr Mann Herbert Egert 2008 angetreten und gründeten zu Beginn des Schuljahres 2008/2009 in der leerstehenden Grundschule in Bietzen eine private Grundschule mit offenem Unterricht. Nach gut elf Jahren ist Schluss. Die Forscherschule schließt zum Ende des Schuljahres. Das Bildungsministerium bestätigte auf Anfrage entsprechende Informationen, die unserer Redaktion vorliegen.

Damit bestätigte das Haus von Ulrich Commerçon, zugleich oberste Schulaufsichtsbehörde, Spekulationen, die in der Kreisstadt kursieren. Kathrin Kramp, die 2018 die Schulleitung von Gründerin Johanna Kölbel übernommen hatte, wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern. Die Pädagogin verwies auf den Elternabend am kommenden Mittwoch. Sie wolle erst mit den betroffenen Eltern sprechen. 22 Schüler besuchen nach SZ-Informationen die Forscherschule (letzter Stand: 22. Januar).

In Sachen Schließung hatte der Schulträger, der Verein „Entdecken und Lernen“, nach den Worten von Pressesprecherin Marija Herceg erstmals Mitte Februar Kontakt mit dem Ministerium für Bildung und Kultur aufgenommen. Die konkrete Anzeige, dass die Forscherschule aufgelöst werde, sei am 20. März eingegangen. „Das Ministerium für Bildung und Kultur wird sicherstellen, dass die Schülerinnen und Schüler bis zum Schuljahresende am vertrauten Schulstandort unterrichtet werden“, sagte Herceg. „Wie es anschließend weitergeht, wird dann gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Bedarfe der Schülerinnen und Schüler erörtert.“

Involviert in die Suche nach einer Übergangslösung ist die Stadt Merzig, Eigentümerin des Gebäudes in Bietzen, in dem die Schule untergebracht ist. „Die Stadt führt derzeit Gespräche mit dem Bildungsministerium und Betreuungsträgern, um im Sinne der Kinder nach einer Übergangslösung für den Rest des Schuljahres und auch nach einer Lösung für das kommende Schuljahr zu suchen“, teilte die Stadtverwaltung auf SZ-Anfrage mit. Im Rathaus habe man vergangene Woche von den Schließungsplänen erfahren. Gekündigt seien die Räume der Forscherschule aktuell noch nicht. „Der Verein ist allerdings auf die Kreisstadt Merzig zugekommen, um über eine Beendigung des Vertragsverhältnisses zu sprechen.“

Nach SZ-Informationen sollen wirtschaftliche Gründe zum Aus der privaten Grundschule geführt haben. Darauf deutet auch ein Eintrag auf der Internetseite der Schule hin. Dort wird auf Mitgliederversammlungen der beiden Fördervereine „Entdecken und Lernen e. V.“ und „Forscherschule e. V.“ am Sonntag, 31. März, verwiesen, in denen es unter anderem um „die Finanzlage des Vereins mit Offenlegung sämtlicher hohen Rechnungen“ gehe. Zu einer mögliche finanzielle Schieflage will das Ministerium keine Angaben machen.

Über das Geld, das vom Bildungsministerium nach Bietzen geflossen ist, sagte Herceg: „Die private Forscherschule hat seit Aufnahme ihres Betriebes zum Schuljahr 2008/2009 die vorgesehene Finanzhilfe vollumfänglich erhalten.“ Laut der Pressesprecherin werden privaten Grundschulen 100 Prozent des laufenden Sach- und Geschäftsbedarf ersetzt – für Ausstattungs-Gegenstände, Miete, Bewirtschaftungs-Kosten, Lehr- und Lernmittel sowie Personal-Kosten. Das Ministerium begleiche an diesen Schulen die Ausgaben, wie sie an vergleichbaren öffentlichen Grundschulen anfallen würden.

Zudem bestätigte die Sprecherin den Plan, wonach der Trägerverein „Entdecken und Lernen“ eine private Grundschule in Rheinland-Pfalz gründen will. Dies hat der Verein „Entdecken und Lernen“ nach den Worten von Herceg dem Ministerium mitgeteilt. Nähere Einzelheiten seien nicht bekannt. Sie verwies auf das jeweilige Landesrecht, das die Voraussetzungen einer Genehmigung für die Gründung einer privaten Schule regelt.

Die Schule und ihre ehemalige Schulleiterin Johanna Kölbel hatten in der Vergangenheit schon in den Schlagzeilen gestanden – etwa im Herbst 2009. Gut ein Jahr nach der Gründung hatten zehn Eltern ihre Kinder auf einen Schlag von der Forscherschule in Bietzen abgemeldet. Als Grund nannten sie gravierende Lern- und Entwicklungsrückstände bei ihren Kindern. Kölbel hatte den Vorwurf zurückgewiesen. Diese Anschuldigung und weitere Klagen der Eltern nahm das Bildungsministerium, das als oberste Schulaufsichtsbehörde die staatliche Schulaufsicht hat, zum Anlass, die Einrichtung unter die Lupe zu nehmen. Die Forscherschule sei regelmäßig von den Schulaufsichtsbeamtinnen besucht worden, sagte Herceg auf die SZ-Frage nach Kontrollen.

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