Junge Franzosen befragen Reimsbacher zum II. Weltkrieg

Junge Franzosen in Reimsbach : Schüler aus Frankreich besuchen Zeitzeugen

Zwei Nationen und zwei Generationen haben in Reimsbach zusammengefunden, um bei einem Projekt Geschichte aufzuarbeiten.

„Das war eine tolle Sache“, waren sich alle einig, die sich an dem französisch-deutschen Diskurs in der Reimsbacher Mehrzweckhalle beteiligt hatten. Wer hätte das einst für möglich gehalten, dass 100 Jahre nach dem Ersten und fast 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen auch Millionen Deutsche und Franzosen ihr Leben lassen mussten, eine solche Veranstaltung von Menschen beider Nationen und hoch unterschiedlicher Generationen in ausgezeichneter Atmosphäre über die Bühne gehen würde.

Aber das Treffen 13- und 14-jähriger französischer Schüler vom Collège (Mittelschule) Lucien Pougué in Rémilly (nahe Metz), die im Februar dieses Jahres im Rahmen ihres Projektes Bewohner eines dortigen Altersheimes nach Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg befragt hatten und dies auch auf deutscher Seite fortsetzen wollten, wurde nicht enttäuscht. Einige Reimsbacherinnen im Alter von 82 bis 91 Jahren standen gerne für Gespräche im Frage- und Antwortstil zur Verfügung.

Reimsbach war durch den Kontakt des Lehrers Jean-Marc Ettenhuber aus Ottonville, dessen Schwester Elisabeth mit dem Heizungsbaumeister Christoph Mahlburg aus Reimsbach verheiratet ist und seit Jahren hier wohnt, als passender Ort ausgewählt worden. Die Eheleute Mahlberg trafen daher auch mit der Ortsvorsteherin Susanne Ferber die entsprechenden Vorbereitungen. Nachdem die französischen Gäste aufgrund von Navigationsproblemen später als erwartet per Bus in Reimsbach eingetroffen waren, geriet der Programmablauf etwas unter Zeitdruck.

Bürgermeister Thomas Collmann entbot ein Grußwort, das sein Hauptamtsleiter Michael Buchheit übersetzte. Collmann erläuterte die Schulsituation und beschrieb die Gemeinde Beckingen als attraktive Wohngemeinde mit einer guten Infrastruktur. „Es geht in Ihrem Schulprojekt um die Aufarbeitung der Geschichte der Vorkriegsjahre, Kriegsjahre und Nachkriegsjahre. Sie wollen dazu auch Zeitzeugen in Deutschland befragen und werden neben dem erlebten Kriegsunheil auch erfahren, was es bedeutet, heute in Europa in Zeiten des Friedens zusammenzuleben und die Freizügigkeit zu genießen. Wichtiger Baustein dieses vereinten Europas ist die gewachsene deutsch-französische Freundschaft, die durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer initiiert, gepflegt und stets verbessert wurde. So ist es auch mir wichtig, dass diese weiter gelebt und praktiziert wird. Deshalb freut es mich, dass sie für ihr Schulprojekt unsere Gemeinde ausgewählt haben“, sagte der Verwaltungschef und dankte Initiatorin Elisabeth Mahlberg und Ortsvorsteherin Susanne Ferber sowie Mitstreiterin Germaine Körner für die Übernahme der Organisation.

Vizedirektorin Juliette Desnouse dankte für die Gastfreundschaft und übermittelte Grüße der Schulleiterin Sandrine Fanucchi. „Ich freue mich, mit Ihnen dieses Projekt zu teilen. Es ist ein schönes Projekt. Die Erinnerungspflicht ist uns sehr wichtig und noch besser, wenn es den Dialog zwischen den Generationen ermöglicht“, sagte sie. Sie hoffe auf ein weiteres Projekt. Zuerst müsste aber das Ergebnis ausgewertet werden, was sie den Lehrern überlasse.

Aufgeteilt in kleine Gruppen wurden dann die Reimsbacher Zeitzeugen (siehe Text unten) befragt. Nachdem man sich mit den von Christoph Mahlberg zubereiteten Rostwürsten und Pommes gestärkt hatte, saßen alle in der abschließenden großen Diskussionsrunde zusammen und waren mit dem Verlauf des Treffens sehr zufrieden. Die Schüler werden die Übersetzungen und Erklärungen der Fotos bis zum Rückbesuch in Rémilly im Juni 2020 ausarbeiten.