Zeitzeugen aus Reimsbach erinnern sich an den II. Weltkrieg

Zeitzeugen aus Reimsbach : Viele Senioren stehen jungen Franzosen Rede und Antwort

Als Zeitzeugen stellten sich Herbert Emmel (91 Jahre), seine Schwägerinnen Josefa Jager (90 Jahre) und Hannelore Müller (85 Jahre), Joachim Latwein (85 Jahre), Marianne Konter (88 Jahre), Herbert Ternig (85 Jahre), Theresia Mahlberg (86 Jahre), Eleonore Stutz (82 Jahre) und Heinz Gratz (77 Jahre) aus Reimsbach sowie Josef Wagner (87 Jahre) aus Oppen zur Verfügung.

Auch der SZ-Mitarbeiter als Nachkriegskind konnte noch mit Erlebnissen aus dieser Zeit bis zur ­Rüc­k­gliederung am 1. Januar 1957 auf einige Fragen antworten und stand der mitgereisten Kollegin Marie-Christine Royer von der Zeitung Républicain lorrain gerne hilfreich zur Seite. So fuhr er mit ihr und weiteren Gästen zum Ehrenfriedhof, wo unter anderem der Zeitzeuge Joachim Latwein das Grab eines im August 1944 gefallenen unbekannten Soldaten aus Lothringen zeigte. Sie nahmen ebenso die Namensliste der übrigen 340 Gefallenen in Augenschein. Auch der Verlauf der ehemaligen, von 1920 bis 1935 bestehenden deutsch-französischen Grenze zwischen Reimsbach und Oppen, wo noch ein früheres Zollhaus (heute Wohnhaus) steht, war für Royer interessant.

In den Gruppen wurden die von den Schülern schriftlich vorbereiteten Fragen zur Situation in Deutschland vor dem zweiten Weltkrieg, dem persönlichen Erleben der Kriegsereignisse und der Nachkriegszeit unter französischer Verwaltung erörtert. Die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland zu Beginn der 30er Jahre, die zur Wahl von Hitler beitrug, war ein Thema, ebenso die vielen Baumaßnahmen, die er in Angriff nahm. Berichtet wurde über den Kriegsverlauf nebst Evakuierungen, die Bombenangriffe der Amerikaner, die ärmliche und mühsame Zeit nach Kriegsende mit dem Wiederaufbau sowie die JoHo-Zeit, die mit der Wahlentscheidung am 23. Oktober 1955 für die Rückkehr nach Deutschland zu Ende ging. Die ältesten Zeugen Herbert Emmel und Josef Jager bedauerten den durch die verspätete Ankunft der Schulkinder entstandenen Zeitdruck für die Gespräche, meinten aber: „Diese waren aber dank der Übersetzer einwandfrei. Uns hat auch die vorbildliche Disziplin und das aufmerksame Interesse der Jugendlichen sehr gefallen. Die Alten sterben langsam weg, daher sollte man sowas öfters machen.“

Sie hatten keinen Hass auf die französischer Besatzer, wie die Zeitzeugen betonten. Im Gegenteil, Josefa kann sich noch Schilderungen ihrer Mutter aus der Zeit der einstigen Grenze erinnern, wo die Zöllner bei dem Verkehr zwischen Reimsbach und Oppen manches Auge zugedrückt hätten.