Aus für Dillinger Krankenhaus: Marienhaus zieht in Dillingen die Reißleine

Aus für Dillinger Krankenhaus : Marienhaus zieht in Dillingen die Reißleine

Dillingen gehört zu den kleinsten Kliniken im Land. Die Schließung wird schon länger vorbereitet. Daher gibt es Kritik an Ministerin und Träger.

Als die Ministerpräsidentin kürzlich im SZ-Sommerinterview gefragt wurde, ob im Land weitere Klinikschließungen bevorstehen, redete sie um den heißen Brei. Dies sei Sache der Klinikträger und nicht der Landesregierung. Das ist formal richtig, aber sicherlich wusste sie da bereits, dass Wadern nicht das Ende war. Der gleiche Träger, der zum Jahresende das St. Elisabeth-Krankenhaus in der Hochwald-Kommune schließen wird, nämlich die Marienhaus-Unternehmensgruppe, kündigte gestern auch die Aufgabe des Standortes Dillingen bis Anfang 2019 an.

Viel ist in Dillingen ohnehin nicht mehr übrig: Die Notfallambulanz war schon vor Jahren geschlossen, die Chirurgie ins Marienhaus-Klinikum nach Saarlouis verlagert worden, mit dem Dillingen 2012 fusionierte. Nun sollen auch die beiden verbliebenen Stationen, die Innere Medizin und die Neurologie, nach Saarlouis umziehen. 38 der 113 Betten werden jedoch gestrichen. Es habe sich herausgestellt, dass die Bausubstanz des Bettenhauses einfach zu schlecht sei und man es deshalb abreißen müsse, teilte Marienhaus-Chef Heinz-Jürgen Scheid mit.

Im Altbau des Krankenhauses, der stehen bleibt, soll es künftig neben Arztpraxen auch ein Medizinisches Versorgungszentrum geben. Die Marienhaus GmbH will nach Angaben der Stadt zudem Verwaltungsmitarbeiter dort unterbringen. Und man sei in Gesprächen mit Dillinger Großunternehmen, um dort ein modernes Zentrum für betriebliches Gesundheitsmanagement aufzubauen, teilte Dillingens Bürgermeister Franz-Josef Berg (CDU) mit.

Diskussionen über die Zukunft des Standortes Dillingen gibt es seit Jahren. Schon 2014 erklärte Marienhaus öffentlich, zwei Krankenhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft könnten wirtschaftlich nicht bestehen. Die Stadt bemühte sich um den Erhalt, doch der Träger zog die Reißleine. Marienhaus-Chef Scheid sagte, nun komme der Prozess zum Abschluss, der 2012 mit der Fusion der St. Elisabeth-Klinik in Saarlouis und des damaligen Caritas-Krankenhauses Dillingen begonnen habe.

Die Entscheidung bestätigt, dass kleine Häuser zunehmend unter Druck stehen. Wadern mit 69 Betten und Dillingen mit 113 Betten gehören zu den kleinsten Klinik-Standorten im Saarland.

Damit im Marienhaus-Klinikum Saarlouis Platz für die neuen Betten ist, muss dort investiert werden. Rund vier Millionen Euro sind dafür aus dem Krankenhausstrukturfonds der Kassen beantragt, der aus Landesmitteln aufgestockt werden muss, wie Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling gestern sagte. Der CDU-Politiker wollte nicht von einer „Schließung“, sondern lieber von einer Betten-„Verlagerung“ sprechen. Aus dem Geld sollen in Saarlouis unter anderem eine neue Station, ein neuer OP-Trakt und ein neuer Hubschrauber-Landeplatz entstehen. Weitere zwei Millionen sind zur Abfederung sozialer Härten der Belegschaft beantragt. Der Antrag wird derzeit vom Bundesversicherungsamt geprüft. Sechs Millionen sind auch für die Schließung in Wadern beantragt, etwa um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern und den Standort Losheim aufzuwerten.

Die Pläne für die Aufgabe des Standortes Dillingen sind im Gesundheitsministerium schon seit 2016 bekannt, als die Marienhaus GmbH einen entsprechenden Förderantrag vorlegte. Das Ministerium wollte dies bis gestern mit Rücksicht auf das laufende Antragsverfahren nicht bestätigen. Gestern machte der Träger dies selbst publik.  

Von den Plänen, den Standort Wadern zu schließen, ist das Ressort nach Kollings Angaben erstmals am 2. Juni informiert worden – bis dahin hatte der Antrag lediglich auf Umwandlung der Chirurgie in eine Geriatrie gelautet. Er wurde am 21. Juni geändert. Die SPD-Landtagsfraktion kritisiert die Informationspolitik des CDU-geführten Gesundheitsministeriums und des Trägers. Das Geld müsse an strenge Bedingungen gebunden sein, was Kolling bestätigte. Es sei auch noch gar nicht klar, wo der Landes-Anteil an der Förderung herkommen solle, so die SPD.

Die Grünen und die FDP werfen Ministerin Monika Bachmann (CDU) und dem Träger Geheimniskrämerei vor. Bachmann habe die Bürger „vor vollendete Tatsachen gestellt“ (Grüne) und „wochenlang hinters Licht geführt“ (FDP).

Der Unmut über die beiden Anträge aus dem von Gegnern als „Abwrackprämie für Krankenhäuser“ betitelten Fonds ist in der Bevölkerung und Teilen der Politik enorm. Die AfD-Fraktion erklärte, es könne nicht sein, dass Krankenhausstandorte systematisch „plattgemacht“ und die Verantwortlichen dafür auch noch mit öffentlichen Mitteln belohnt würden. Die Landesregierung will erst in einigen Wochen entscheiden, ob sie beide Anträge aufrechterhält oder zurückzieht. „Die Ministerpräsidentin muss Farbe bekennen“, forderte die Linken-Landesvorsitzende Astrid Schramm gestern.

Das Krankenhaus in Wadern will die Marienhaus GmbH zum Jahresende 2017 schließen. Foto: Ruppenthal
Foto: SZ/Baltes, Bernhard

In gewisser Weise passt die Verlagerung der Betten von Dillingen nach Saarlouis zur Forderung des Landes nach Konzentration von Leistungen. In der Region Saarlouis/Dillingen mit drei Krankenhäusern (die beiden Marienhaus-Einrichtungen plus die DRK-Klinik in Saarlouis) gibt es nach einer Untersuchung des Gesundheitsministeriums bei mehreren Abteilungen Doppelstrukturen. Und im Koalitionsvertrag von CDU und SPD ist als ein Ziel festgehalten: „Abbau von Doppelstrukturen“.

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