Gesundheitsstudie: Mit dem Elektro-Rad dem Herzen helfen

Gesundheitsstudie : Mit dem Elektro-Rad dem Herzen helfen

Eine Gesundheitsstudie in Saarlouis untersucht die positive Wirkung von Pedelec-Fahren bei einer Herzinsuffizienz. Die Untersuchungwird durch die Stadt und Krankenkassen gefördert. Die Ergebnisse sollen in zwei Jahren vorliegen.

Das Herz macht schneller schlapp, als es viele wahrhaben wollen. Krankheit, falsche Ernährung und Bewegungsmangel sind einige der Faktoren, die sich negativ auswirken können. Ob dann Touren mit dem Elektro-Fahrrad hilfreich sind, testet eine Studie seit Dienstag. Gegen 14 Uhr brachen gut zwei Dutzend Radfahrer an der Anlegestelle Saarlouis auf. Darunter zwölf, die an der neuen Studie teilnehmen. Bei der Studie geht es um positive Auswirkungen vom Pedelec-Fahren auf Menschen mit Herzmuskelschwäche. HI-Herz.BIKE Saar“ nennt sich das von Professor Dr. Günter Hennersdorf geleitete Projekt. HI steht für Herzinsuffizienz. Die Route führte an der Saar entlang zur Nied­mündung zwischen Rehlingen und Fremersdorf. Hin und zurück rund 20 Kilometer. Dafür brauchte die gemütlich fahrende Gruppe gut eineinhalb Stunden.

Die neue Studie schließt an das Projekt „Herz.BIKE Saar“ an. Diese Studie erforschte von Mai 2015 bis Oktober 2016 Verbesserungen durch Pedelec-Fahrten für Menschen nach einem Herzinfarkt. „Eine wünschenswerte Bewegungstherapie außerhalb der Herzgruppen kann durch das Pedelecangebot sinnvoll ergänzt werden“, teilte Hennersdorf dazu mit. „Eine App sorgt dafür, dass die Teilnehmer die wichtigen Daten im Blick behalten können.“

Dazu ist an jeden Lenker ein Smartphone geklemmt. Angezeigt werden unter anderen die Trittstärke und die Herzfrequenz. Durch individuelle Einstellungen wird gesichert, dass sich niemand überfordert. Vorher meldet sich die Technik, die per Funk Daten von Sensoren an einem Brustband übermittelt bekommt. Außerdem radelt ein Rettungssanitäter mit. Grundlegende Daten wurden in Voruntersuchungen erfasst, stellte Dr. Erik Friedrich dar, Chefarzt der Kardiologie im St. Marien-Krankenhaus Saarlouis. „Vor Studienbeginn haben wir EKG gemacht, Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchungen. Diese Studie ist ein Novum, in zwei Jahren werden alle Daten ausgewertet sein.“

Die neue Studie hat einen äußerst ernsten Hintergrund. Denn alleine 2016 gab es bundesweit 400 000 neue Fälle von Herzmuskelschwäche, informierte Hennersdorf. Auch im Saarland sei das „nahezu eine Volkskrankheit geworden“. Bereits bei der ersten Studie war Wolfgang Asselborn dabei. „Ich bleibe dabei, weil man neue Leute kennen lernt. Das hat unsäglichen Spaß gemacht. Das Gesellige ist immens wichtig.“ „Für mich war‘s gemütlich“, sagte Guido Krier nach der ersten Tour. Das Einzige, was er spüre, sei sein Hintern. „Ich habe gut 40 Jahre nicht mehr auf dem Rad gesessen.“ Tempo sei erst einmal Nebensache, sagte Hennersdorf. In den nächsten vier Wochen gehe es um die Eingewöhnung. Die Tretgeschwindigkeit liege bei 18 bis 20 Stundenkilometern. Die unterstützt das Pedelec mittels Strom aus seinem Akku. „Später gehen wir auf 20 bis 28 Stundenkilometer, und die Strecke wird von jetzt 20 auf 50 Kilometer ausgeweitet.“ Im Winter werde in der Halle und auf Rollen geradelt, um den Trainingseffekt beizubehalten. Die Studie wird unterstützt von den Herzgruppen Saar, der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, der DAK, IKK Südwest, Knappschaft und RD Saarbrücken sowie DRV Saarland und dem saarländischen Gesundheitsministerium. Die Stadt Saarlouis stellt die Stadtgartenhalle kostenlos als Studienquartier zur Verfügung.

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