1. Saarland

Lafontaine-Äußerung zu Kimmich-Debatte um Corona-Impfung sorgt für Streit

Bundes-Linke gegen Saar-Linke : Nächster Akt in der Kimmich-Impfdebatte: Linke streiten in sozialen Medien über Lafontaines Impf-Äußerungen

Die Aufregung um die Äußerungen des Fußballers Joshua Kimmich zur Corona-Impfung geht in die nächste Runde – und schlägt in den sozialen Medien Wellen, die einen Konflikt zwischen den Linken auf Landes- und Bundesebene auslösen könnten. Ein virologischer Social-Media-Konflikt in vier Akten.

Es begann mehr oder weniger harmlos und schlug in den sozialen Medien Wellen, die zu einem Streit zwischen den Linken auf Landes- und Bundesebene führen könnten: Mit den Äußerungen des Bayern-Fußballers Joshua Kimmich begann ein virologischer Social-Media-Konflikt in vier Akten.

Akt 1: Welches mediale und politische Interesse seine Äußerungen auf sich ziehen würden, konnte Kimmich natürlich nicht ahnen, als er am Samstag einräumte, dass er sich bislang nicht gegen Corona impfen gelassen habe. Er habe „persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht“.

So hatte er den Stein ins Rollen gebracht. Zunächst äußerte sich der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens: „Joshua Kimmich ist sicher ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Fußballs, aber kein Fachmann in Fragen der Impfung und der Impfstoffe“, sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Akt 2: Damit zog der Virologe – erneut – den Zorn des saarländischen Linken-Politikers Oskar Lafontaine auf sich: „Kimmich kann klar denken und hat Recht!“, verkündete dieser per Facebook. In dem Post polemisiert Lafontaine – der schon mehrmals Impfungen und Verordnungen in der Corona-Krise kritisiert hatte – gegen „sogenannte Experten“: Er bezeichnet Mertens und Klaus Cichutek, den Chef des Paul-Ehrlich-Instituts, als „Covidioten“ und findet sogar Platz, SPD-Politiker und Epidemiologen Karl Lauterbach erneut als „Covid-Heulboje“ zu betiteln.

<aside class="park-embed-html"> <div id="fb-root"></div> <script async="1" defer="1" crossorigin="anonymous" src="https://connect.facebook.net/de_DE/sdk.js#xfbml=1&amp;version=v12.0" nonce="SgFdfkhg"></script><div class="fb-post" data-href="https://www.facebook.com/oskarlafontaine/photos/a.198567656871376/4576341385760626/" data-width="552"><blockquote cite="https://www.facebook.com/oskarlafontaine/photos/a.198567656871376/4576341385760626/?type=3" class="fb-xfbml-parse-ignore"><p>Kimmich und die Covidioten Dass das polemische Wort „Covidioten“ auf eine Reihe von Leuten zurückfällt, die in...</p>Posted by <a href="https://www.facebook.com/188971457830996">Oskar Lafontaine</a> on&nbsp;<a href="https://www.facebook.com/oskarlafontaine/photos/a.198567656871376/4576341385760626/?type=3">Monday, October 25, 2021</a></blockquote></div> </aside>
Dieses Element enthält Daten von Facebook. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Lafontaine wirft ihnen vor, mögliche Langzeitnebenwirkungen der Impfstoffe nicht ernst genug zu nehmen. Ob er ihnen dabei Inkompetenz oder boshafte Motive unterstellt, lässt er offen – deutet aber mit einem Seitenhieb auf die Pharmaindustrie Geldgier als Motiv an. In dem umfangreichen Facebook-Beitrag bezieht Lafontaine sich auf einen Beitrag des Wirtschaftsjournalisten Norbert Häring, der in den NachDenkSeiten erschienen ist – einem Nachrichtenblog, der sich als „kritische Website für alle, die sich noch eigene Gedanken machen“ bezeichnet.

Akt 3: Dann geschah etwas unerwartetes: Die Landtagsfraktion der Linken im Saarland pflichtete Lafontaine bei – öffentlich auf ihrem offiziellen Twitter-Account. Kimmich könne „klarer denken als einige der sogenannten Experten“, heißt es da. Das schlug ein: mehr als 2400 Likes, mehr als 1000 Retweets, mehr als 1400 – kritische und beipflichtende – Kommentare innerhalb von zwei Tagen.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/OskarLafontaine?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#OskarLafontaine</a>: <a href="https://twitter.com/hashtag/JoshuaKimmich?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#JoshuaKimmich</a> ist nicht nur ein hervorragender Fußballer, er kann auch klarer denken als einige der sogenannten Experten. <a href="https://t.co/S47AaFvuuU">https://t.co/S47AaFvuuU</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/nebenwirkungen?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#nebenwirkungen</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/impfung?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#impfung</a> <a href="https://t.co/bRk6Bsw2aj">pic.twitter.com/bRk6Bsw2aj</a></p>&mdash; Linksfraktion Saar (@LinksfraktionSL) <a href="https://twitter.com/LinksfraktionSL/status/1452564499236589568?ref_src=twsrc%5Etfw">October 25, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
Dieses Element enthält Daten von Twitter. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Lafontaine, der gerne mit seiner Meinung vorprescht, ist sich nicht immer mit der eigenen Partei einig. Zuletzt hatte er den Saarländern sogar empfohlen, seine Partei bei der Bundestagswahl nicht zu wählen und kündigte an, bei der Landtagswahl im März 2022 nicht mehr zu kandidieren. Und dennoch suggeriert die Linke mit einem offiziellen Tweet Einigkeit über das Thema Corona-Impfung.

Akt 4: Ob diese Einigkeit unter den Saar-Linken tatsächlich herrscht, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt geschrieben. Fest steht aber: Über die Grenzen des Saarlandes hinaus herrscht sie auf keinen Fall. Nur einen Tag nach dem Tweet der saarländischen Linksfraktion meldete sich Martina Renner, stellvertretende Vorsitzende der Linken und Mitglied des Bundestages, ebenfalls per Twitter zu Wort – und hielt vehement dagegen: Als „Raunen statt Wissen, Entsolidarisierung statt Schutz der Schwachen, Türöffner für Verschwörungsdenken statt Zurückweisen“ bezeichnet sie Lafontaines Äußerungen. Dass eine Fraktion der Linken dieses „Schüren von Ängsten“ verbreite, mache es noch schlimmer.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Dieses Schüren von Ängsten vor <a href="https://twitter.com/hashtag/Corona?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Corona</a>-Impfungen ist auf so vielen Ebenen ein Problem: Raunen statt Wissen, Entsolidarisierung statt Schutz der Schwachen, Türöffner für Verschwörungsdenken statt Zurückweisen. Dass eine Fraktion <a href="https://twitter.com/dieLinke?ref_src=twsrc%5Etfw">@dieLinke</a> dies verbreitet macht es noch schlimmer. <a href="https://t.co/SvB9xOkZwp">https://t.co/SvB9xOkZwp</a></p>&mdash; Martina Renner (@MartinaRenner) <a href="https://twitter.com/MartinaRenner/status/1452791577684885514?ref_src=twsrc%5Etfw">October 26, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
Dieses Element enthält Daten von Twitter. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Fortsetzung folgt? Linken-Politiker aus anderen Bundesländern stimmten ihr in Kommentaren und Retweets zu. Die Linken-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler meldeten sich in dieser Sache nicht zu Wort. Auch wurde vonseiten der Saar-Linken noch nicht zurückgefeuert oder nachgelegt. Es bleibt abzusehen, ob ein fünfter Akt folgt.