„Das Potenzial ist sicher da“

„Das Potenzial ist sicher da“

Der Wechsel von Trainer Marcus Simowski vom A-Jugend-Bundesligisten HSG Völklingen zum Oberligisten HF Merzig-Brotdorf ist im Handball-Saarland derzeit Gesprächsthema Nummer eins. Vor dem Heimspiel gegen Saulheim an diesem Samstag (19.30 Uhr, Seffersbachhalle Brotdorf) erzählt der frühere Bundesligaspieler, wie es dazu kam. Im Gespräch mit SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt schildert der 46-Jährige auch seine ersten Eindrücke vom Team und verrät, wie er die Wölfe auf Nichtabstiegs-Kurs führen will.

Herr Simowski, Ihr neues Engagement ist ein Risiko. Sie haben einen abstiegsgefährdeten Oberligisten übernommen und das mitten in der Saison.

Marcus Simowski: Ja. Die Situation ist neu für mich. Ich bin jetzt Trainer einer Mannschaft, die ich nicht in der Vorbereitung hatte. Einige der älteren Spieler kenne ich. Über die anderen Spieler habe ich mich informiert. Auch mittels Videos, um mir ein Bild zu machen. Der erste Eindruck war positiv.

Am Montag haben Sie die Spieler dann kennengelernt und mit ihnen unter der Woche vier Mal trainiert. Ihr zweiter Eindruck?

Simowski: Noch positiver. Die Jungs haben super mitgezogen. Wir haben viel in der Abwehr gearbeitet und im Angriff einige Auftakthandlungen einstudiert. Ich hoffe, dass diese ersten Schritte auf der neuen Marschroute bereits am Wochenende gegen Saulheim greifen.

Ihr Wechsel überraschte viele. Bis kurz vor Weihnachten waren Sie noch Trainer des A-Jugend-Bundesligisten HSG Völklingen und wollten es bis zum Saison-Ende bleiben. Doch es kam anders. Warum?

Marcus Simowski: Ich hatte ja im Oktober frühzeitig erklärt, dass ich meine Arbeit in Völklingen beenden werde. Als nach dem Rücktritt von Thomas Schmitt eine Anfrage aus Merzig kam, hörte ich mir das Angebot an. Für mich wäre denkbar gewesen, beide Teams parallel zu trainieren. Eine Doppelbelastung, aber bei nur einer Spielüberschneidung durchaus realisierbar. Die Handballfreunde wären mit dem Kompromiss einverstanden gewesen. Aber natürlich hätte Uwe Kunkel zustimmen müssen. Doch Völklingen wollte die Situation nutzen, um sich personell und perspektivisch neu aufzustellen. Also haben wir die Zusammenarbeit vorzeitig beendet.

Beschreiben Sie doch mal Ihre Handball-Philosophie.

Simowski: Ich lege großen Wert auf die Abwehr-Arbeit, die viel Wille und Bereitschaft verlangt. Durch Engagement kann man da viel erreichen. Ich liebe auch das schnelle Spiel nach vorn. Tore sind spektakulär. Ich persönlich sehe es aber lieber, wenn ein Gegner die Abwehr nicht knacken kann.

Geknackt hat es auch zwischen den Partnervereinen TuS Brotdorf und HSV Merzig-Hilbringen. Der TuS-Vorsitzende Christoph Rehlinger hat aber erklärt, die Auflösung der Spielgemeinschaft nach der Saison habe nichts mit Ihrer Person zu. Der Neuverpflichtung habe er als HF-Vorsitzender sogar ausdrücklich zugestimmt. Beruhigt Sie das?

Simowski: Klar. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, ob es mit mir zusammenhängt, und bin erleichtert, dass es nicht so ist. Mir ist auch versichert worden, dass in Merzig weiter Leistungshandball gespielt werden soll. Ich habe schon festgestellt, dass es im Umfeld Leute gibt, die das auch wirklich wollen. Auch ich werde meine ganze Kraft einsetzen, dass es hier leistungsorientiert weiter geht.

Ziel ist nach wie vor der Klassenverbleib. Kann das Team den Abstieg verhindern?

Simowski: Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch, der das Glas halbvoll sieht. Ich versuche, den Optimismus auf die Mannschaft zu übertragen, die schnell wieder ein Erfolgserlebnis braucht. Das Potenzial ist sicher da. Die Spieler sind willig und nicht ausgebrannt. Am Anfang der Saison haben sie gezeigt, dass sie in der Oberliga mithalten können. Die Siege waren ja keine Glückstreffer. Es war ein Erfolg über eine längere Strecke.

Sie haben als Trainer und Spieler schon viel erlebt. Trotzdem. Sind Sie vor ihrer Premiere auf der Wölfe-Bank aufgeregt?

Simowski: Klar. Das ist für mich das erste Saisonspiel und ich darf nicht zu viel erwarten. Saulheim ist Tabellenfünfter. Wir liegen acht Plätze dahinter auf einem Abstiegsplatz, haben aber nur vier Punkte weniger auf dem Konto. Wir spielen also nicht gegen Bayern München, sondern haben eine Chance. Wenn meine Mannschaft in der Rückrunde ihr volles Potenzial abruft, dann wird sie den Klassenverbleib schaffen.

Zum Thema:

Auf einen BlickDer HSV Merzig-Hilbringen sieht noch Chancen, die Zusammenarbeit mit dem TuS Brotdorf doch über den 30. Juni hinaus fortzusetzen. In einem Brief lädt der HSV-Vorstand deshalb die langjährigen Weggefährten zu einem klärenden Gespräch ein. Ein Vorschlag der Merziger: Der HSV übernimmt die Verantwortung und die Kosten fürs Oberliga-Team. Der TuS ist für die zweite Welle verantwortlich und kann so den Wünschen entsprechend mit einheimischen Spielern in der Saarlandliga starten. ros

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