Das Ende der elterlichen Allmacht

Das Ende der elterlichen Allmacht

Zu Weihnachten habe ich dieses Jahr nur den frommen Wunsch, dass in der Schule endlich das scharfe s - das ß - drankommt. Mich nervt nämlich die ständige Besserwisserei meines Erstklässlers. Zum Beispiel beim Vorlesen: "Bruno schaukelt. Das macht Spaß!" "Spab!", verbessert der Dreikäsehoch. "Mama, da steht Spab

Zu Weihnachten habe ich dieses Jahr nur den frommen Wunsch, dass in der Schule endlich das scharfe s - das ß - drankommt. Mich nervt nämlich die ständige Besserwisserei meines Erstklässlers. Zum Beispiel beim Vorlesen: "Bruno schaukelt. Das macht Spaß!" "Spab!", verbessert der Dreikäsehoch. "Mama, da steht Spab." Ich belehre: "Das ist kein b, das ist ein scharfes s. Das kennst du vielleicht noch nicht." Das Kind ist nach knapp einem halben Jahr Schule aber der Meinung, dass es alle Buchstaben der Erde kennt. Und die Lehrerin hat diesen schließlich nie erwähnt. "Tim reißt die Tür auf", fahre ich geduldig fort. "Reibt", verbessert das Kind ungerührt.Kinder in die Schule schicken bedeutet für Eltern vor allem das Ende der Allmacht, lerne ich. Früher war ich die allwissende Instanz, nun ist es die Lehrerin. Ich werde sie unauffällig bitten, ganz nebenbei, das ß zu erwähnen.

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