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Zweibrücken: „Tadano lässt Mitarbeiter für vermeintlichen Bombenalarm zahlen“

Ärger in Zweibrücken : Anonymer Brief: „Tadano lässt Mitarbeiter für vermeintlichen Bombenalarm zahlen“

Ein anonymer Brief beklagt, dass Tadano-Beschäftigte ausgefallene Arbeitszeit nacharbeiten müssen. Allerdings wäre rechtlich möglich gewesen, dass Tadano komplettes Nacharbeiten verlangt – mit dem Betriebsrat wurde eine kulantere Lösung gefunden.

Ein herrenloser Koffer sorgte am 12. November für Aufregung bei Tadano in Zweibrücken. Es kam zur Räumung, die Arbeit ruhte. Nun gibt es eine Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung, diese regelt di­plomatisch das Nacharbeiten eines Teils der ausgefallenen Arbeitszeit.

Aber nicht allen scheint diese Lösung zu schmecken. Ein anonymer Brief beklagt: „Tadano lässt Mitarbeiter für vermeintlichen Bombenalarm zahlen.“ Es wird der Vorwurf formuliert, die Mitarbeiter seien morgens gekommen und hätten ihre Arbeitskraft angeboten. Manche seien im Laufe der Zeit der Sperrung nach Hause gefahren, genehmigt von Vorgesetzten, andere hätten vor Ort ausgeharrt. Je nachdem müssten nun mehrere Stunden nachgearbeitet werden. „Wir Mitarbeiter sollen für den Zeitausfall blechen“, heißt es in dem Brief.

Zu den Hintergründen: Am 12. November fand der Werksschutz gegen 7.30 Uhr in der Nähe des Pförtnerhäuschens von Tadano einen herrenlosen Koffer. Da ein möglicher Sprengstoff-Anschlag nicht komplett ausgeschlossen werden konnte, wurden 350 Mitarbeiter der Frühschicht vorsorglich evakuiert. Die Sperrung dauerte von 8.15 bis 11.15 Uhr, dann konnte Entwarnung gegeben werden, der Koffer war leer (wir berichteten)

Wie nun vorgehen mit der ausgefallenen Arbeitszeit? Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Personalmanager Frank Schättle am Freitagabend auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir haben schnell eine einvernehmliche Lösung gefunden. Gemeinsam mit dem Betriebsrat haben wir eine Betriebsvereinbarung unterzeichnet.“ Diese sieht vor, dass die Arbeitszeit der Frühschicht kulanterweise bis neun Uhr morgens bezahlt wird – sowie die Zeit ab 11.15 Uhr. Die ausgefallene Zeit sei nachzuholen oder werde von einem Überstundenkonto abgezogen. Schättle sagt, dass die rund 30-minütige Frühstückszeit berücksichtigt sei, die angefallen wäre. Wer nacharbeite, bekomme auf die geleisteten Stunden einen Zuschlag von zehn Prozent, ein Zuschlag, wie er sonst bei Wochenend-Arbeit oder ähnlichem geleistet werde. Dies sei ein weiteres Entgegenkommen.

Fakt ist, wie dem Merkur auch Arbeitnehmer-Vertreter bestätigten: In der Metall- und Elektroindustrie ist geregelt, dass Arbeitnehmer ausgefallene Arbeitszeit nachholen müssen, wenn die Ursache nicht beim Arbeitgeber liegt. Tatsächlich wurde die Sperrung von Stadt beziehungsweise Ordnungsamt angeordnet, sagt Schättle. Tadano hätte – rein rechtlich – darauf bestehen können, dass die Arbeitszeit komplett nachgeholt wird. Der Personalchef sagt, das habe man nicht gewollt, die Betriebsvereinbarung sei die berühmte salomonische Lösung.

Schättle glaubt nicht, dass viele Mitarbeiter hinter dem anonymen Brief stehen, da der gefundene Kompromiss ausgewogen sei.