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Klimawandel-Wanderung im Wald bei Zweibrücken

Unterwegs im Wald : Was der Klimawandel für den heimischen Forst bedeutet

Bei einer Führung durch den Wald bei Birkhausen konnte man viel über Risiken und ihre komplexen Ursachenketten lernen.

Der Klimawandel macht dem Wald zu schaffen, aber hierzulande sieht es noch relativ gut aus. So lautete am Ende das Fazit der „Klimawandel-Wanderung“, die vom Forstamt Westrich im Wald bei Birkhausen durchgeführt wurde. Der neue Forstamtsleiter Florian Kemkes und Försterin Maria Jäger gingen dazu mit einer elfköpfigen Gruppe von Interessierten zwei Stunden lang einen Rundweg.

Das erste Anschauungsobjekt war eine vereinzelt stehende hohe Buche, die kaum mehr Laub trägt. Ihr hätten die letzten drei heißen und trockenen Sommer zugesetzt, erklärten Kemkes und Jäger – der diesjährige verregnete Sommer sei dagegen eine Erholung für den Wald gewesen. Jene Buche sei aber wohl nicht mehr zu retten. Um sie herum hatten Eschen gestanden, die ihr einen gewissen Schutz geboten hatten. Aber Eschen sind derzeit von einem Pilz befallen, dem Falschen Weißen Stängelbecherchen. „Der Pilz wurde aus Asien eingeschleppt. Derzeit wissen wir nicht, wie man das in den Griff kriegt. Wir hoffen auf einzelne resiliente Bäume, die diese Krankheit überstehen“, so Kemkes.

Der große Vorteil unseres Waldes, das war in diesem Gebiet zwischen Ixheim und Rimschweiler gut zu sehen, ist die große Vielfalt an Baumarten. Maria Jäger zählte am Ende 18 verschiedene Sorten auf, wobei die beiden Mammutbäume, die direkt am Weg zum Gestüt Birkhausen stehen, gar nicht mitgerechnet wurden. Wenn dann mal eine Baumart wegfällt, spielt das natürlich keine so große Rolle, wie wenn der Borkenkäfer einen kompletten Fichtenwald vernichtet.

„Jede Baumart hat eine oder mehrere Erkrankungen oder schädliche Insekten. Das bekannteste ist natürlich der Borkenkäfer bei der Fichte. Aber auch die Esskastanie hat eine Krebserkrankung, die ihr das Leben schwer macht“, erklärte Kemkes. Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Borkenkäfer ist folgender: In einem trockenen Sommer kann die Fichte kein Harz ausbilden. Dieses behindert den Käfer normalerweise beim Eindringen in die Rinde. Ohne Harz hat der Schädling aber leichtes Spiel. Größere Monokulturen mit Fichten gebe es etwa im Westerwald, dort gebe es große Probleme. „Flächenmäßig nur auf eine Baumart zu setzen war keine gute Entscheidung“, so Kemkes. Aber da sich Maßnahmen in der Forstwirtschaft erst in hundert Jahren auswirken, sei es oft schwierig zu wissen, was das beste für den Wald ist.

Derzeit sei das Ziel der „gestufte Mischwald“, sagten die Förster. Die Böden im Westrich gäben das gut her, das sei etwa im Pfälzerwald schon schwieriger. Um die Artenvielfalt zu gewährleisten, seien verschiedene Maßnahmen notwendig: Junge Tannen werden beispielsweise mit Plastik-Clips vor Wildfraß geschützt, und auch die Jagd spiele eine Rolle. „Das heißt nicht, dass wir alle Rehe schießen müssen. Aber der Bestand muss so sein, dass auch die seltenen Baumarten hochkommen“, meinte Kemkes. Würde man diese Arten nicht „herauspflegen“, hätte man am Ende nur noch Buchen im Wald stehen: „Die ist so dominant, dass die anderen verlieren würden.“

Was die Forstwirtschaft betrifft, würde diese nachhaltig ausgeübt: „Wir nutzen nur drei Viertel von dem, was nachwächst.“ Bäume würden einzeln entnommen, Kahlschläge seien nicht mehr erwünscht. Holz als Baustoff sei auch sehr sinnvoll im Sinne des Klimaschutzes. Zum einen, weil Beton und Stahlproduktion mit die größten CO2-Verursacher darstellen. Zum anderen, weil der Kohlenstoff, bei dessen Verbrennung CO2 entsteht, im Holz auf lange Zeit gebunden ist. Dient Holz als Brennstoff, ist das immer noch klimafreundlicher als das Verbrennen von Öl oder Erdgas. „Es ist besser, wir schlagen vor Ort ein unter nachhaltigen Kriterien, als woanders in Europa, wo diese Kriterien nicht gelten.“ In Deutschland nehme die Menge an Wald übrigens zu, anders als am Amazonas, dessen Gebiet allerdings weitaus größer ist.

Kemkes zeigte auch in einem Schaubild, welche der fünf häufigsten Baumarten am meisten von der Erderwärmung betroffen sind: Die Fichte rangierte da auf Platz eins vor Weißtanne, Waldkiefer, Rotbuche und der Eiche. Müssen wir uns in Zukunft auf einen Wald wie in Mittelmeerregionen einstellen? Das hänge davon ab, wie stark der Klimawandel eingeschränkt werden kann, so Kemkes. „Steigt die Durchschnittstemperatur weiter so an wie bisher, werden wir diesen Wald wie hier nicht mehr sehen.“ Baumarten aus dem Mittelmeerraum wie die Atlas-Zeder oder die Flaumeiche hätten dann wohl hierzulande gute Bedingungen. Man gehe aber sehr vorsichtig um mit solchen Sorten, sagte Kemkes. Man wisse nie, welche Krankheiten und Schädlinge sie mit sich bringen.

In begrenztem Ausmaß bringe man diese Bäume in den hiesigen Wald ein, aber nur um zu schauen, wie sie hier zurechtkommen. „Das wird dann von der Forschungsanstalt in Trippstadt evaluiert.“ Insgesamt war die Klimawandel-Wanderung eine äußerst informative Veranstaltung, die häufig wiederholt werden sollte. Und im Heer der vielen negativen Meldungen zum deutschen Wald war es mal angenehm zu hören, dass es dem Wald um Zweibrücken relativ gut geht.