Serie Die Künstler der „StadtGalerie.2“ : Kunstwerke aus Holz

Zum ersten Mal stellt Klaus Gauf, Jahrgang 1936, seine vielfältigen Holzschnitzereien im Rahmen der „StadtGalerie.2“ aus.

„Jetzt bin ich 85 Jahre alt und das ist meine erste Ausstellung“, stellt Klaus Gauf fest. Im Leerstand Timmer, der ehemaligen Spardabank, präsentiert der Vater von Bürgermeister Christian Gauf seine Holzschnitzereien. Tiere wie Zweibrücker Pferde, Kraniche, Fische, eine Eule, wunderschön gemaserte Kugeln, fein geschnitzte Säulen, Gordische Knoten und eine Gliederkette von über 50 Zentimetern. „Die ist aus einem Stück geschnitzt“, erklärt der Senior stolz.

Klaus Gauf schnitzt seit mehr als 60 Jahren. Sein erstes Werk als 19-jähriger Pfadfinder war der Kopf einer Friedenspfeife. „Daraus rauchen wir heute noch“, berichtet er von Jahrestreffen mit alten Pfadfindern im Tal der Großen Eiche zwischen Fischbach und Schönau, wo in den 1950er Jahren das Indianerlager der Apachen, Comanchen und Irokesen stand. Die nächsten künstlerischen Werke des gelernten Modellbauers bei der Firma Dingler waren Kraniche aus hochwertigem Nussbaumholz mit seiner wunderschönen Maserung für Ehefrau Irmgard sowie zwei Buchstützen mit Rehen aus Ahornholz. Auch ihre Lieblingstier, Fische, etwa aus geklebten Holzmosaiken, erhielt die Märzgeborene als Liebesgabe.

Bis heute sammelt das Ehepaar Gauf bei seinen Waldwanderungen Holz. Zum Beispiel „Knie“ oder „Ellbogen“ für die Handballer, die der langjährige Sportler so gerne schnitzt und verschenkt.

„Ich bin immer am Knoddeln“, lacht Klaus Gauf. Schon morgens geht der Rentner in seinen Werkkeller und sieht, „was mir einfällt“. Sind die Vorarbeiten gemacht, der Torso unter Umständen sogar mit der Kettensäge ausgeschnitten und kleiner, setzt er sich auch gerne nach draußen hinter sein Haus auf dem halben Kreuzberg und schnitzt.

Auch in den Urlaub müssen immer angefangene Werkstücke und die diversen Schnitzeisen mit. „Wir besuchen gerne Kirchen, studieren Chorgestühl und vor allem die geschnitzten Eingangsportale“, beschreibt Klaus Gauf. Als einziges Möbelstück hat er seiner Frau, als er in Rente ging, eine wunderschöne Truhe geschnitzt, aus Lindenholz. „An der Seite mit Rosen und Trauben abgebildet.“ Die Linde stand übrigens an einer Allee auf Höhe des Hitscherhofs in Rieschweiler und musste der Straßenverbreiterung weichen.

Das harte Eschenholz mit seinen herausfordernden Jahresringen verarbeitet der Holzschnitzer zu haltbaren Werkzeugstilen. Sein Problem sei aktuell, an passendes Holz zu kommen, ohne ein Vermögen zu investieren. „Wenn es gut ist, ist es noch nass und muss erst ablagern“, bedauert er mit Blick auf sein fortgeschrittenes Lebensalter.

Dabei ist Klaus Gauf nicht nur vielfältig, sondern arbeitet oft parallel an mehreren Objekten. Er bekennt: „Manchmal verliere ich an einem die Lust. Dann bleibt es liegen und manchmal wird etwas ganz anderes daraus.“ „Dann fließt die Arbeit munter fort“, zitiert er, aus Schillers Glocke.

Wichtig ist dem Naturmenschen, sich mit dem Holzstück zu verbinden. „Man darf nie gegen das Holz arbeiten, allein schon wegen der Maserung. Holz schafft immer“, weiß er. Seine Idee, in Oberammergau an einem Schnitz-Seminar teilzunehmen wegen der Proportionen hatte ein Freund gleich torpediert. „Klaus, das kannst Du doch alles“, hatte er bestätigt.

120 Bohlenhölzer von 1,50 Metern Länge haben seine Söhne jetzt angeschleppt. „Daraus mache ich etwas Zusammenhängendes. Ganz verschiedene Figuren, die ineinander hängen“, plant der kreative Naturkünstler. Öfter erfüllt er Auftragsarbeiten für die Familie, wie das Pferd für die Enkelin, das aktuell in Rohfassung im Schaufenster liegt. Oder ineinander verschlungene Eheringe oder Anker für den trauberechtigten Bürgermeister. Zur Abwechslung rät der rüstige Rentner Kreuzworträtsel oder legt Puzzle: das anspruchsvolle Schloss Neuschwanstein aus 1500 Teilen, das das Ehepaar zum 57. Hochzeitstag, der Jadehochzeit, geschenkt bekam.

Noch bis 18. Oktober sind seine Holzschnitzereien im Rahmen der StadtGalerie.2 neben zahllosen weiteren Werken in der Innenstadt zu bewundern. Im Leerstand Timmer der ehemaligen Sparda-Bank in der Hauptstraße.