Gefährliche Zeiten fürs Wild : Jäger retten Rehkitz-Leben

In diesen Tagen sind die Tiere, die im hohen Gras lagern, besonders gefährdet.

Waidmänner sind Heger und Pfleger der Kreaturen in freier Natur. Darauf legt der passionierte Jäger Ferdinand Hüther, den alle nur kurz Ferdi nennen, allergrößten Wert. Im Augenblick werden die Wiesenflächen gemäht. Just in dieser Zeit gebären die Rehe ihren Nachwuchs. Gebären ist natürlich kein Ausdruck der Jägersprache. „Gesetzt“, heißt das beim Rehwild, so, wie die Kuh im Milchstall des Bauern „kalbt“. Damit die Rehkitze in den ersten drei Wochen ihres Erdendaseins nicht Opfer der schnell rotierenden Scheibenmäher werden, welche die Bauern heutzutage bei der Grasmahd im Einsatz haben, ist viel Arbeitseinsatz im Spiel, um Tierleben zu retten. 

„Wir sind permanent auf den Beinen, Jagdfreunde, Bekannte und Familienmitglieder durchstreifen die Wiesen, um Rehkitze aufzuspüren. Neben technischen Hilfsmitteln“, sagt Waidmann Ferdi Hüther aus Reifenberg. Für ihn zählt in seinem eigenen Jagdrevier, das teils an Schmitshausen und Battweiler grenzt, noch die bisher gepflegte Methode zur Rehkitzrettung. Diese ist zwar schon im gewissen Sinn „fortschrittlich“, doch im Vergleich zum Drohneneinsatz mit Wärmebildkamera vielleicht nicht ganz der letzt Schrei.

„Muss ja nicht jeder gleich mit der Drohnen über die Flächen schwirren, zumal dieser Einsatz auch seine natürlichen Tücken hat. Wenn sich nämlich das Gelände schon aufgewärmt hat, kann die Wärmebildkamera nicht mehr verlässliche Bilder liefern, ist ein gezieltes Angehen der Lagerplätze der Rehkitzen überhaupt nicht mögliche“, sagt Jäger Hüther. Der hat selbst in ein technisches Hilfsmittel mit der Bezeichnung „Rehkitz-Retter“ investiert und versucht damit die Muttertiere aus den Lagern in den Wiesen zu vertreiben, die unmittelbar zum Mähen anstehen.

Nur einen Tag, sprich einen Abend vorm Abmmähen der Wiesen, stellt Ferdi Hüther dieses elektronische Hilfsmittel in der Wiese auf. von diesem werden Lichtzeichen und akustische Töne ausgesendet, die das menschliche Ohr nicht wahrnimmt. Bewirken sollen Lichtreflexe und Signale, dass das Reh samt Kitz das Ruhelager aufgibt.

In der ersten drei Lebenswochen habe ein Rehkitz keine Witterung, springe nicht weg, bleibe stur dort liegen, wo es von der Rehmutter, im Fachjargon Rehgeiß, abgelegt worden sei. Diesem Umstand müsse von menschlicher, von Jägerhand nachgeholfen werden.

Ferdi Hüther versucht es mit seinen technischen Hilfsmitteln, von denen er sich gleich zwei Geräte angeschafft hat und abwechselnd aufstellt. Jagdfreund Rainer Schubert aus Zweibrücken, der in Battweiler einen Teil des Jagdbogens als Jäger unter den Fittichen hat, stellt Bozen und Flatterbändern auf, die mit einer übel riechenden Tinktur benetzt sind und deshalb Geiß und Rehkitz vertreiben.

Jäger Walter Krohn aus Contwig setzte dieses Jahr auf die Hilfe der ehrenamtlichen Helfer, die mittels Drohne und Wärmebildkamera die Wiesen absuchten, um Rehkitze zu retten.

Zurück zu dem Reifenberger Waidmann Hüther. Für diesen ist vorrangig die Kommunikation mit den Bauern, wenn diese mit ihren Großgeräten den Wiesenschnitt planen. Hüther: „Das Zusammenspiel der Bauern mit den jeweiligen Jagdpächtern hat sich großartig verbessert. Wir werden informiert, dass diese und jene Wiese gemäht werden soll, dann sind wir Jäger am Zug. Wir organisieren dann die Absuche nach Rehkitzen. Zusammen mit Helfern habe ich dieses Jahr selbst vier Rehkitze aus dem hüfthohen Gras raustragen können, nur in einem Fall war keine Rettung möglich.“ Zu seinem eigenen technischen Aufwand will Ferdi Hüther im kommenden Jahr auch mit der freiwilligen Helferschar Kontakt aufnehmen und versuchen, die Rettungseffizienz auch mit dem Einsatz von Drohnen und Wärmebildkamera zusätzlich zu steigen.