Räte unzufrieden mit Ingenieur

Rund 486 000 statt 285 000 Euro kostet der Abriss eines Gebäudes der Kreuzberg-Kaserne. Der Hauptausschuss ist unzufrieden mit der Leistung des Fachbüros. Aber auch bei einer besseren Untersuchung hätte der Abriss fast eine halbe Million Euro gekostet.

Einen schweren Stand hatte gestern Abend Klaus Stass von WPW Geoingenieure aus Saarbrücken. Das Büro hatte ein Gebäude der früheren Zweibrücker Kreuzberg-Kaserne vor dem Abriss auf die Beschaffenheit untersucht.

"Warum haben Sie nur die Decken in den Fluren, Treppenhäusern und Nassräumen untersucht? Und nicht in den normalen Räumen?", fragte CDU-Fraktionschef Christoph Gensch. Wie viele Bohrungen seien nötig gewesen, um die unterschiedlichen Materialien festzustellen, fragte die SPD-Fraktionsvorsitzende Sabine Wilhelm. Für Gerhard Hemmer (FWG) waren die sechs Bohrungen "nicht repräsentativ" für das Gebäude .

"Mit einem geringen Mehraufwand wäre das zu vermeiden gewesen", räumte Stass ein. Eine Bohrung an der richtigen Stelle hätte ausgereicht, um festzustellen, dass Decken der Seitenräume aus Bimssteinen bestanden. "Da sind wir einer Fehleinschätzung erlegen." Das Fachbüro sei davon ausgegangen, dass die Decken im gesamten Gebäude aus dem gleichen Material bestehen. In den Treppen und Fluren war das Beton. Stass: "Wir hatten keinen Verdacht, dass andere Materialien verwendet wurden."

So ging die Stadt bei ihrer Auftragsvergabe an die Firma F & R von Beton aus, den die Firma als Recycling-Material wieder verwenden wollte. Doch der tatsächlich gefundene Bims ist als Recyclingmaterial ungeeignet und kann nachträglich auch schlecht getrennt werden. Die dadurch entstehenden höheren Entsorgungskosten machen drei Viertel der Mehrkosten für den Abriss aus. Dazu kommen noch weitere, erst beim Abriss erkannte Probleme. Insgesamt erhöht sich der Auftrag um 201 000 Euro von ursprünglich 285 000 Euro auf 486 000 Euro .

"Das ist eine gewaltige Steigerung", meinte Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ). "Darüber müssen wir reden, damit wir sensibler werden."

Auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Norbert Pohlmann, war nicht zufrieden mit der Untersuchung. "Die Kosten wären aber sowieso entstanden." Denn Yvonn Weber von der Zweibrücker Gewobau (Sanierungsträger im Auftrag der Stadt) sagte, dass bei vorheriger Kenntnis die Kosten von Beginn an um den Betrag höher gewesen wären.

AfD-Sprecher Manfred Weber fragte, ob sich die Kosten noch einmal erhöhen. Linken-Fraktionschef Matthias Nunold hatte zuvor schon auf eine Auftragserhöhung im Mai hingewiesen. Yvonn Weber geht davon aus, dass es "sehr wahrscheinlich" keine weitere Erhöhung geben werde. Bei einer Gegenstimme von Dietmar Runge (FDP ) stimmte der Hauptausschuss der Auftragserhöhung an das Abrissunternehmen zu.