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Motorsport : Coronapause auf der Käshofer Straße

Motorsport : Coronapause auf der Käshofer Straße

Der Homburger Automobilclub verschiebt die 47. Auflage seines Bergrennens auf 2021.

Eine nie dagewesene Welle an Veranstaltungsabsagen im Automobil-Bergrennsport rollt durch die Republik. Nun hat es auch den Homburger Automobilclub (HAC) getroffen. Dieser sieht sich außer Stande sein ADAC-Bergrennen in diesem Juli auszurichten. Dies ist die Quintessenz einer Telefonkonferenz der Organisationsleitung vom vergangen Sonntag. „Wir haben lange gehofft, doch jetzt ist die Zeit gekommen, unser beliebtes Rennsportereignis 2020 abzusagen“, erklärt Organisationsleiter Sascha Ressmann vom veranstaltenden HAC. Seit 1974 hat dieser Motorsport-Event ununterbrochen stattgefunden. „Die durch die Corona-Pandemie erforderlichen Einschränkungen machen eine für alle Beteiligten gefahrlose und unbeschwerte Austragung des Bergrennens Mitte Juli unmöglich. Dazu kommt, dass nicht abzusehen ist, ob unsere Teilnehmer und Gäste aus ganz Deutschland, Luxemburg, Belgien, Frankreich, Österreich und der Schweiz überhaupt zu uns kommen könnten. Uns sind die Hände gebunden.“ Die Absage treffe den Veranstalter hart, aber nicht unvorbereitet. „Es ist in der aktuellen Lage die richtige Entscheidung.“

Vom 10. bis 12. Juli 2020 sollte in der Saarpfalz zwischen dem saarländischen Homburg und dem westpfälzischen Käshofen die 47. Ausgabe des Bergrennens stattfinden. Doch der Wertungslauf zur Deutschen und Luxemburger Bergmeisterschaft, zum KW Berg-Cup und weiteren Prädikaten wird seine Tore frühestens Mitte Juli 2021 wieder öffnen. „Eine Verschiebung unserer reinen Outdoor-Veranstaltung in den Herbst ist keine Option, da wir für einen erfolgreichen Ablauf auch auf ein ordentliches Sommerwetter angewiesen sind“, sagt der HAC-Vorsitzende Andreas Herl. „Des Weiteren befindet sich das Veranstaltungsgelände mitten im Wald, wir müssten im Herbst mit Laubfall rechnen sodass die Rennstrecke und Zuschauerwege rutschig werden. Wir bündeln nun unsere Kräfte und werden zeitig mit den Vorbereitungen für das Jahr 2021 beginnen“. Langstreckenweltmeister und Le Mans-Sieger Timo Bernhard, von Kindesbeinen an Mitglied des Homburger Automobilclubs, steht auch weiterhin hinter seinem Heimrennen. „Wichtig ist, dass es das Rennen in 2021 wieder gibt. Wenn es mir irgend möglich ist, bin ich am Start“, verspricht Bernhard. Der vom Profisport zurückgetretene Porsche-Werksfahrer und GT-Masters-Team-Eigner hatte seine Teilnahme am diesjährigen Bergrennen bereits frühzeitig zugesichert und plante erstmals am Karlsberg mit dem „Dickschiff“ Porsche GT3-R aus dem GT-Masters Modelljahr 2018 zu fahren. Weiter visierte er eine Teilnahme innerhalb des deutschen National Teams beim FiA Hill Climb Masters im Oktober in Portugal an, das mittlerweile ebenfalls um ein Jahr verschoben wurde. Eine Berufung in dieses Team hatte sich auch der Homburger Rennfahrer Kai Neu, fünftplatzierter der Berg-DM 2019, zum Ziel gesetzt.

Für die insgesamt rund 180 Helfer des HAC in der Organisation bedeutet dies ein Sommer ohne Bergrennen, ohne die bunten Rennsportwagen, ohne kernigen Motorensound und die familiäre Betriebsamkeit im Fahrerlager am Stumpfen Gipfel. So manch ein Funktionär ist seit Jahrzehnten alljährlich mehrere Tage oder sogar Wochen im Einsatz. HAC-Pressesprecher Thomas Bubel verfügt über die längste Erfahrung im Vorstand. „Seit meinem 18. Lebensjahr im Jahr 1984 hatte ich ohne Unterbrechung eine Funktion beim Bergrennen inne. Zunächst als Sportwart und Streckenposten, dann als Vereinsfotograf und bis heute Pressesprecher und Verantwortlicher für das Fahrerlager.“ Ähnlich lange ist Rennleiter Jürgen Guckert im Geschäft. In den 1980er Jahren war der Mann aus Kirkel aktiver Hobbyrennfahrer am Berg, zwischenzeitlich kümmerte er sich lange Jahre um den Betrieb der Verpflegungsstände entlang der Käshofer Straße, bis er zum stellvertretenden Rennleiter und ersten Rennleiter aufstieg. „Normalerweise müssen unserer Frauen und Kinder in jedem Sommer auf den Ehemann und Vater runde drei Wochen verzichten“, sagt der neue zweite Vorsitzende Andreas Schumacher. „Wenigsten die freuen sich jetzt“, sagt der Käshofer mit einem Augenzwinkern.

Timo Bernhard hatte seine Teilnahme für dieses Jahr bereits zugesagt. Er will aber auch 2021 versuchen, beim Heimrennen dabei zu sein. Foto: thomas bubel/Bubel

Ob in diesem Jahr überhaupt eine Deutsche Berg-Meisterschaftswertung zustande kommt, ist fraglich. Seit der Einführung dieser Rennserie im Jahr 1959 wurden bislang alljährlich die Meister in dieser altehrwürdigen Motorsportdisziplin gekürt. Im Moment werden nur noch vier, respektive drei Events, im arg gelichteten Rennsportkalender 2020 gelistet. Dies sind die Bergrennen im unterfränkischen Eichenbühl, in St. Agatha in Oberösterreich und das Finale von Mickhausen im bayrischen Schwabenland. Ein Blick in Zukunft, wenn er auch nur bis in den Herbst, gleicht dem Schauen in die vielzitierte Glaskugel.