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Pferdesport: Training der Pferde nur nacheinander

Pferdesport : Training der Pferde nur nacheinander

Kerstin Müller und Markus Schwender nutzten die Corona-bedingte Pause, um den Reitplatz beim RSC Walshausen ordentlich zu vergrößern.

Entspannt reitet Kerstin Müller die vierjährige Trakehnerstute Inselbiene über den frisch erweiterten Springplatz in Walshausen. „Sie fürchtet sich hier so allein immer ein bisschen. Sie ist ja noch jung“, lächelt die Ausbilderin. Seit der Corona-Beschränkungen trainieren sie, Lebenspartner Markus Schwender und das Stallteam ihre Pferde vorwiegend nacheinander. Das Paar hat die freie Zeit, in der die Wirtschaft und auch der Schulunterricht mehr oder minder brach liegen, dafür ganz anders genutzt. In nur einer Woche haben sie, vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang, den Reitplatz vergrößert.

Mit Unterstützung der Unternehmen, die bereits vor zwei Jahren den hochwertigen Reit- und Springplatz angelegt haben, wurde die Fläche jetzt um 25 Meter verlängert. Auf 72 mal 27 Metern können jetzt auch entspannt größere Springturniere ausgetragen werden. „Für die Dressur haben wir so Raum für ein Vorbereitungsviereck auf dem besseren Turnierboden“, erläutert Kerstin Müller. Denn der RSC Walshausen plant nach wie vor sein Vielseitigkeitsturnier vom 3. bis 5. Juli, bei dem auch die Pfalzmeisterschaften ausgetragen werden sollen.

Kerstin Müller und Markus Schwender hoffen, dass bis dahin pferdesportliche Veranstaltungen wieder erlaubt sind. Am Freitag beschloss die Landesregierung zumindest schon Lockerungen ab dem 20. April, die auch den Reitsport betreffen. Markus Schwender ist zuversichtlich: „Sollte es Sonderauflagen geben, werden wir auch die meistern können.“ Der neue Platz bietet Raum, um mehrere Reitschüler in gebührendem Sicherheitsabstand zu unterrichten und verbesserte Trainingsmöglichkeiten.

Wenngleich der Verein in diesem Jahr mit Blick auf die Anforderungen der Pfalzmeisterschaft leistungsmäßig ein wenig draufsattelt, stehen nach wie vor Einsteiger, die Jugend und der Nachwuchs im Mittelpunkt. „Sie haben bei den meisten Turnieren nur wenige bis gar keine Möglichkeiten“, bedauert das Paar und will die Lücke weiterhin füllen. Außerdem seien besonders die Vielseitigkeitsreiter froh und dankbar für die neu geschaffene Möglichkeit, sich und ihre Pferde bei einem Turnier im freundschaftlichen Wettkampf zu erproben. Die familiäre Veranstaltung des 40-köpfigen Vereins fand auf Anhieb großen Anklang. „Deshalb machen wir es auch zu Hause und nicht auf der Zweibrücker Rennwiese. Hier können wir verteilt über den Tag Hand anlegen ohne Zeitverlust durchs Hin- und Herfahren“, begründet Kerstin Müller die Investition von knapp 18 000 Euro. Der beste Quarz-Reitsand mit Vlies hatte sich bereits bewährt und sorgt auch jetzt für den perfekten Allwetter-Untergrund für ganzjährigen Reitbetrieb.

Die genehmigte Turnierausschreibung hat die Vielseitigkeitsprüfung der A-Klasse von einem auf zwei Sterne aufgestockt. Aus der kombinierten Prüfung der Einstiegsklasse E wurde eine Vielseitigkeitsprüfung. Die Krone der Reiterei umfasst die drei Teilprüfungen Dressur, Parcoursspringen über bunte, abwerfbare Stangenhindernisse sowie über feste Naturhindernisse. Auch der Hindernispark in beiden Bereichen wird bis Juli noch aufgestockt.

Geht alles gut, und davon geht der Verein aus, soll im August ein weiteres, reines Springturnier vor allem für Nachwuchspferde bis zur Springpferdeprüfung Klasse L und bis zum Stilspringen Klasse A über maximal 1,10 Meter hohe Hindernisse stattfinden. „Wir suchen noch nach einer passenden Prüfung, die Amateuren dieselbe Chance lässt, wie erfahrenen Profis“, haben Kerstin Müller und Markus Schwender auch hier den Blick auf diese Leistungsklasse gerichtet. Ähnlich, wie bei den Springturnieren des saar-pfälzischen Springreiterclubs, wird es auch hier weder Schärpen noch ein großes Drumherum an Gastronomoie geben, wie beim Vielseitigkeitsturnier. „Da steht rein der Pferdesport im Mittelpunkt“, kündigt das Paar an. Müller und Schwender bewegen täglich insgesamt 13 Pferde. Während die Jungpferde ab drei Jahren viel Zeit für ihre Ausbildung erhalten, werden die erfahrenen Turnierpferde „am Laufen gehalten“ und gymnastiziert. Kerstin Müller, Lehrerin für Biologie und Sport an der Integrierten Gesamtschule Contwig, lacht. „Ohne Turnier haben wir kein Ziel, auf das wir hin arbeiten. Wir gehen einfach viel ins Gelände und haben Spaß.“