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Komplimente unter Erzrivalen

Komplimente unter Erzrivalen

Gelsenkirchen. Schalke 04 gegen den Borussia Dortmund - der jährlich stattfindende Supercup zwischen DFB-Pokalsieger und Meister hat nicht immer so viel Glück mit den Teilnehmern wie an diesem Samstag (20.30 Uhr/ZDF)

Gelsenkirchen. Schalke 04 gegen den Borussia Dortmund - der jährlich stattfindende Supercup zwischen DFB-Pokalsieger und Meister hat nicht immer so viel Glück mit den Teilnehmern wie an diesem Samstag (20.30 Uhr/ZDF). Denn nicht nur der Klassiker der Königsblauen gegen die Schwarz-Gelben, in dem es wie immer um die Vorherrschaft im Revier und zwei sportliche Weltanschauungen geht, sondern auch das Aufeinandertreffen zweier Trainer macht diesen eigentlich bedeutungsarmen Wettbewerb in diesem Jahr besonders.Jürgen Klopp und Ralf Rangnick stehen für modernen Fußball, schnell, schön und mit einem Maximum an Begeisterung präsentiert. Und die beiden Schwaben stehen auch für Emotionen und Witz.

"Schalke hat eine relativ gute Mannschaft mit einem richtig guten Trainer", sagte Meister-Trainer Klopp bei der Pressekonferenz vor dem Duell. Neben ihm saß Rangnick und lächelte. Der Schalke-Trainer hat kürzlich die Arbeit in Dortmund als vorbildlich beschrieben. Solche Töne sind unter Erzrivalen unüblich. "Ich habe großen Respekt vor dem, was in Dortmund gemacht wurde", sagte Rangnick. Der 53-Jährige gilt in Deutschland als Vorreiter des ballorientierten Spielsystems. Am 19. Dezember 1998 erhielt der damals erst 40 Jahre alte Fußball-Lehrer im ZDF im "Aktuellen Sportstudio" die Gelegenheit, zu erklären, wie das geht. Schließlich sorgte er gerade mit Zweitligist SSV Ulm an der Tabellenspitze für Furore.

Mit seinem Auftritt an der Taktik-Tafel machte sich Rangnick nicht viele Freunde. Die Etablierten des Fußballs warfen dem Novizen Arroganz vor. Doch bei VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, dem selbst Schillerndes anhaftet, fiel das auf fruchtbaren Boden. Rangnick, fortan "der Professor", stieg mit dem Wechsel zum VfB Stuttgart in die höchste Liga auf. Doch als er den Wechsel bekannt gab, fiel Ulm in der Tabelle bis auf Rang fünf zurück. Rangnick musste am 23. Spieltag gehen. Ulm stieg mit Martin Andermatt doch noch auf. Bundesligist 1899 Hoffenheim machte Rangnick zum Herbst-Meister 2008. Nach der Winterpause stürzte er auch mit 1899 in der Tabelle ab und wurde am Ende nur Siebter.

Wie Rangnick kam Klopp aus der Obskurität ins Rampenlicht der Bundesliga. Mit dem ewigen Zweitligisten FSV Mainz gelang ihm der Aufstieg, so etwas generiert Interesse. Und dann konnte der Typ mit dem Drei- bis Sechstagebart auch noch reden. Das ZDF, das quasi in direkter Nachbarschaft zum Mainzer Bruchweg-Stadion liegt, verpflichtete Klopp als TV-Experten. Er wuchs mit jeder Analyse. Präzise, gewandt, charmant nahm er das Spiel der deutschen Nationalelf auseinander. Dann folgte Klopp dem Ruf von Borussia Dortmund. Er hatte den Ehrgeiz, einen Traditionsclub wieder auf den Thron zu führen. Geschafft in drei Jahren: Sechster, Fünfter, Meister - sein erster Titel. Er ist also kein Dampfplauderer, liefert Erfolg. Den will er auch im bedeutungslosen Supercup.

"Der Pokal ist auch schön, viel schöner als ich dachte. Deswegen ist es reizvoll, das Ding zu gewinnen", sagte der 44-jährige zu der 5,5 Kilogramm schweren Trophäe aus Silber und Gold. Man will Klopp auch glauben, wenn er sagt: "Wir haben uns mit der Meisterschaft dafür qualifiziert. Insofern ist es ein Endspiel, und so werden wir es auch angehen."

Rangnick steht in seiner zweiten Amtszeit "auf Schalke" noch am Anfang seiner Arbeit. Immerhin gelang ihm mit dem DFB-Pokalsieg sein erster Titelgewinn - auch wenn er nicht wirklich viel dazu beitrug, weil er erst Ende März als Nachfolger von Felix Magath verpflichtet wurde. Doch beim DFB-Pokalsieg soll es nicht bleiben. "Es ist ein Finale und damit die Möglichkeit, die Fans einzustimmen für die Liga", sagte der "Professor". "Der Pokal ist auch schön, viel schöner

als ich dachte."

Jürgen Klopp zur Supercup-Trophäe